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Langzeitstudie belegt nachhaltige Gewichtsreduktion durch Einnahme von Polyglucosamin L112

01.01.2020, 00:00 Uhr


Obwohl seit langem bekannt ist, dass Übergewicht und Adipositas sich immer weiter ausbreiten und häufig mit einer Reihe von Komorbiditäten einhergehen, gehört Überernährung nach wie vor zu den gesundheitlichen Kernproblemen unserer Gesellschaft. Unterstützung bei der Gewichtsabnahme verspricht der Einsatz von Polyglucosamin, das sich durch seine hohe Fettbindungskapazität auszeichnet, ohne dabei eine Steatorrhoe hervorzurufen.

Wie bei anderen Präparaten, stellt sich auch bei der Einnahme von Polyglucosamin die Frage nach der klinischen Wirksamkeit, die kürzlich in einer Metaanalyse neu beurteilt wurde. Unter den ausgewerteten Studien befindet sich zudem eine sehr interessante Langzeitstudie, aus der nicht nur wichtige Aussagen zur Wirksamkeit, sondern auch zur langfristigen Adhärenz der Probanden abgeleitet werden können.

Englische Erstveröffentlichungen

A) General Medicine Open, 2018; 2(5): 1-4

B) Current Developments in Nutrition, 2017; 1(10)
 

Studienart

A) Metaanalyse von acht klinischen Studien zur Gewichtsreduktion und Cholesterolsenkung durch Polyglucosamin L112 1

B) Randomisierte Langzeitstudie (12 Monate) zum Vergleich von Polyglucosamin mit Placebo 2

Polyglucosamin ist nicht gleich Polyglucosamin

Bei der Beurteilung der Wirksamkeit von Polyglucosamin ist zu berücksichtigen, dass es sich um ein Biopolymer handelt, sodass unter der generischen Bezeichnung „Polyglucosamin“ ganz unterschiedliche Moleküle verstanden werden können. Von besonderer Bedeutung für die Wirksamkeit von Polyglucosamin sind die Molekülmasse sowie der Deacetylierungsgrad, wobei letzterer mindestens 80 % betragen muss, um eine wirksame Lipidbindung zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund kritisieren Cornelli und Belcaro, die Autoren einer aktuellen Metaanalyse, dass die, für eine Wirksamkeit maßgeblichen, physiko-chemischen Eigenschaften verschiedener Polyglucosamine in einem Cochrane Review von 2008 überhaupt nicht berücksichtigt wurden1. Auf Basis dieses, aus Sicht von Cornelli und Belcaro methodischen Fehlers, kommt der Cochrane Review zu der Einschätzung, es gebe zwar Hinweise, dass Polyglucosamin bei der kurzfristigen Behandlung von Übergewicht und Adipositas wirksamer sei als Placebo, die Auswirkungen auf das Körpergewicht seien jedoch minimal und wahrscheinlich klinisch nicht signifikant3. Mit ihrer eigenen Metaanalyse, die ausschließlich das eindeutig definierte Polyglucosamin L112 – in Apotheken besser bekannt als formoline L112 – berücksichtigt, haben Cornelli und Belcaro die Wirksamkeit dieser speziellen Polyglucosamin-Spezies neu überprüft und beurteilt.

Positive Effekte auf Köpergewicht und Blutfettwerte

Die neue Metaanalyse berücksichtigt acht randomisierte, placebo-kontrollierte, doppel-blinde, in Studienregister eingetragene klinische Studien, in denen Körpergewicht, Taillenumfang und BMI ermittelt wurden. In den ausgewerteten Studien waren insgesamt 777 Patienten eingeschlossen, von denen 429 Probanden täglich zwischen 900 und 2000 mg Polyglucosamin L112 einnahmen, die übrigen 348 erhielten Placebo. Die monatliche Gewichtsabnahme in der Verumgruppe lag zwischen 0,77 kg und 2,23 kg und betrug durchschnittlich 1,44 kg. Die höchste Gewichtsabnahme wurde erreicht, wenn eine Kalorienreduktion sowie eine Erhöhung der körperlichen Aktivität Teil des Studienprotokolls waren. Zur Signifikanz dieses Gewichtsverlusts gegenüber der Placebogruppe treffen die Autoren bedauerlicherweise keine Aussage. In einer Nebenauswertung zeigt sich, dass neben dem Körpergewicht auch der Gesamtcholesterin- (im Mittel um 9,6 %) sowie der Triglyceridspiegel (im Mittel um 15,3 %) gesenkt werden konnten.

Behandlungsdauer wichtiger Faktor für die Gewichtsreduktion

Die Korrelationen zwischen der Gewichtsreduktion und der Behandlungsdauer bzw. der verabreichten Gesamtmenge an Polyglucosamin waren statistisch signifikant (p < 0,01). Die Aussagekraft dieser Korrelation ist zwar zurückhaltend zu bewerten, da sowohl Kalorienreduktion als auch körperliche Aktivität in den Studien unterschiedlich waren, dennoch zeigt die Analyse, dass die Behandlungsdauer als wichtiger Faktor für die Gewichtsreduktion anzusehen ist (vgl. Abb. 1). 

Abb. 1: Durchschnittliche Gewichtsreduktion der ausgewerteten Studien

Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, einen genaueren Blick auf die ebenfalls von Cornelli et al. durchgeführte Langzeitstudie2 zu werfen, zumal klinische Studien zu Polyglucosamin mit so langer Behandlungsdauer bisher noch nicht durchgeführt worden und nicht zuletzt deshalb von besonderem Interesse sind.

Signifikante Reduktion von Gewicht und Taillenumfang

Bei besagter Studie handelt sich um eine randomisierte Doppelblindstudie an 100 Probanden mit einem Body-Mass-Index zwischen 30 und 35 kg/m². 50 Studienteilnehmer erhielten täglich 1,6 g Polyglucosamin L112, die anderen 50 Placebo. Darüber hinaus erhielten alle Probanden die Auflage, ihre Kalorienzufuhr um 10 % zu senken und ihre körperliche Aktivität um 9 MET-Stunden pro Woche (MET = metabolisches Äquivalent) zu steigern. Die Einhaltung der Diät sowie Veränderungen der Nahrungszusammensetzung wurden alle drei Monate unter Verwendung eines Fragebogens kontrolliert und waren in Verum- und Placebogruppe vergleichbar. Gleiches gilt für die Zunahme der körperlichen Aktivität. Die Probanden der Verumgruppe hatten nach 12 Monaten 12,1 kg Körpergewicht bzw. 13,3 cm Taillenumfang verloren, wohingegen die Placebogruppe lediglich 8,0 kg bzw. 10,2 cm abgenommen hatte (Abb. 2). Der Unterschied war statistisch signifikant (p < 0,001).

Abb. 2: Veränderung des Körpergewichts innerhalb eines Jahres2


Verbesserung der Prognose für metabolisches Syndrom

Die Sekundärparameter der Studie zeigten ebenfalls eine Verbesserung, wobei auch hier in der Polyglucosamin L112-Gruppe bessere Ergebnisse erreicht wurden als in der Placebogruppe.  Im direkten Vergleich wurden bei den mit Polyglucosamin behandelten Probanden ab dem dritten Monat signifikant bessere Werte für Gesamtcholesterin und hs-CRP erzielt, ab dem sechsten Monat zudem für Triglyceride, und ab dem neunten Monat auch für LDL-Cholesterin (p < 0,05), wobei insbesondere die Abnahme des hs-CRP ins Auge fällt (vgl. Abb. 3). Das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) ist ein wichtiger Entzündungsparameter und gilt als äußerst empfindlicher, zuverlässiger und frühzeitiger Indikator für entzündliche gewebszerstörende Prozesse, wie sie beispielsweise bei arteriosklerotischen Erkrankungen in der Gefäßwand auftreten. Eine signifikante Abnahme des hs-CRP-Plasmaspiegels ist daher als eine deutliche Verbesserung der Prognose hinsichtlich der (Fort-)Entwicklung eines metabolischen Syndroms zu werten.

Abb. 3: Veränderung von Blutwerten in 12 Monaten.2


Ungewöhnlich hohe Adhärenz

Insbesondere für eine Studie dieser Dauer bemerkenswert ist die extrem niedrige Drop-out-Rate. Nur ein Proband der Verum- und zwei Probanden der Placebo-Gruppe haben die Studie vorzeitig abgebrochen, was gerade für Studien mit vorgegebenen Restriktionen im Nahrungsregime (auch wenn dies, hier lediglich eine Einschränkung der Kalorienzufuhr um 10 % bedeutete) ungewöhnlich wenig ist. Zugleich spricht dies für die langfristige Umsetzbarkeit der Therapie. Insgesamt wurde die Behandlung gut vertragen und es wurden keine Nebenwirkungen beklagt, mit Ausnahme einiger Fälle von Konstipation, die gleichmäßig auf die beiden Gruppen verteilt waren. Das Problem wurde behoben, indem die Betroffenen zu einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr angehalten wurden. Dementsprechend belegt die vorliegende Langzeitstudie, dass durch die unterstützende Einnahme von formoline L112 bei gleichzeitiger Reduktion der Kalorienzufuhr und Steigerung der körperlichen Aktivität in der Behandlung von Übergewicht und Adipositas nicht nur schnell und kurzfristig, sondern langfristig und nachhaltig positive Effekte erzielt werden können.

 

Quellen

1 Cornelli U and Belcaro G. Meta-analysis of studies on body weight and cholesterol reduction using the chitosan derivative polyglucosamine L112. General Medicine Open, 2018; 2(5): 1-4

2 Cornelli U et al. Long-Term Treatment of Overweight and Obesity with Polyglucosamine (PG L112): Randomized Study Compared with Placebo in Subjects after Caloric Restriction. Current Developments in Nutrition, 2017; 1(10)

3 Jull AB, Ni Mhurchu C, Bennett DA, Dunshea-Mooij CA, Rodgers A. Chitosan for overweight or obesity. Cochrane Database 2008 Syst Rev 3: CD003892.


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