Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

31.07.2022, 07:30 Uhr

Aufruf an alle Gesundheitspolitiker und Parlamentarier: Keine Honorarkürzungen für Apotheken durch Lauterbachs Spargesetz! (Foto: Alex Schelbert)

Aufruf an alle Gesundheitspolitiker und Parlamentarier: Keine Honorarkürzungen für Apotheken durch Lauterbachs Spargesetz! (Foto: Alex Schelbert)


Lauterbach will mit seinem Spargesetz das Apothekenhonorar um mindestens 170 Mio. Euro kürzen, zahlreiche Apotheken werden zu Tode gespart. Zur gleichen Zeit haut er wohl ohne Not rund 400 Mio. Euro für neue Arztpraxis-Hardware raus. Und produziert damit jede Menge Elektronikschrott. In welcher Welt leben wir eigentlich? Wir hoffen auf den Bundestag und auf kundige Parlamentarier, die ihm das Apothekensterben zeigen. Und wir schauen mit Zuversicht auf den kommenden Apothekertag, der viel Sinnvolles anstoßen könnte: weg mit der sinnlosen Präqualifizierung, Schluss mit Nullretaxationen und frische Ideen für einen besseren Nacht- und Notdienst. 

25. Juli 2022

Die „Operation Edelschrott“ ist zurzeit bei Ärztevertretern das Thema. Und vollkommen zurecht. Was sich da anbahnt, ist hanebüchen. Im Klartext geht es um einen von der Gematik beschlossenen Austausch von insgesamt 130.000 TI-Konnektoren, mit denen die Praxiscomputer der deutschen Ärzteschaft auf sicherem Weg an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sind. Der Austausch sei notwendig und „alternativlos“, meinen Bundesgesundheitsministerium und Gematik, weil die Sicherheitszertifikate ablaufen. Würde man diesen Austausch nicht vornehmen, seien die Konnektoren nicht mehr sicher – und ja, mein liebes Tagebuch, wer kann das schon wollen, dass Praxen mit unsicheren Datenzugängen arbeiten. Kostenpunkt des Hardwaretausches für die Krankenkassen: schlappe 400 Mio. Euro. Eben mal so wird da millionenteurer Elektronikschrott  produziert. Unser Redaktionskollege vom „Aktuellen Wirtschaftsdienst – AWA“, Dr. Hubert Ortner, hat sich das mal genauer angesehen. Seine kommentierende Analyse bringt so einiges zutage. Er verweist auf die Spezialisten der ‚Computerzeitschrift „c’t“, die sich die Konnektoren genauer angeschaut haben. Ihr Ergebnis: Ein Austausch dieser Konnektoren sei gar nicht notwendig, es würde ausreichen, bei vielen dieser Geräte die sogenannte gSMC-K-Karte auszutauschen, was nur einen Bruchteil eines neuen Konnektors kosten würde. Und bei Konnektoren anderer Bauart könnte sogar das Zertifikat per Software verlängert werden ohne Austausch der Hardware. Mein liebes Tagebuch, unfassbar, oder? Warum vertraut die Gematik den Aussagen der Konnektoren-Hersteller, die natürlich für neue Hardware sind? Warum schauen da das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nicht genauer hin und übernehmen einfach so die Vorschläge der Hardware-Hersteller und -vertreiber?  Immerhin geht es da um den stolzen Betrag von 400 Mio. Euro, den die gesetzlichen Krankenkassen für diese Konnektoren locker machen sollen und das in Zeiten des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes von Lauterbach, der Effizienzreserven heben will, unter anderem bei Apotheken: Deren Honorar will er um 170 Mio. Euro kürzen. Mein liebes Tagebuch, hier werden einige Apotheken zu Tode gespart, dort wird eine Verschwendungsorgie größten Ausmaßes gefeiert – in welchem Land leben wir eigentlich?

 

Die unsägliche Aktion (unter der Gürtellinie!) der Hessischen Ärztefunktionäre, mit der sie gegen die pharmazeutischen Dienstleistungen von uns Apothekers Sturm laufen, hat auch bei unserem pharmazeutischen Nachwuchs nur Kopfschütteln ausgelöst: Das Gebaren mancher Ärzteverbände sei „schockierend“. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) nennt in seiner Kolumne dieses ärztliche Funktionärsverhalten „einfach nur traurig“. Der Verband fragt sich, wo auf dem Weg zwischen Universität und Berufsleben der Respekt und die Hochachtung vor dem Gegenüber verloren gegangen sei. Mein liebes Tagebuch, wie wahr! Eine leise Ahnung, wo dieser Respekt auf der Strecke geblieben ist, können wir uns, die wir schon einige Jahre in der Offizin sind, natürlich vorstellen: Es muss wohl auf dem Weg zwischen Gierdorf und Bankkontohausen gewesen sein. Interessant wäre es zu erfahren, wie junge angehende Medizinerinnen und Mediziner über pharmazeutische Dienstleistungen und ein Miteinander von Arzt- und Apothekerberuf denken. Wäre schön, wenn sie das Fazit der Pharmaziestudierenden unterschreiben könnten: „Durch die Zusammenarbeit zwischen Ärzt*innen und Apotheker*innen entsteht ein ungeheurer Zusatznutzen für Patient*innen, wenn einmal common sense geworden ist, dass sich pharmazeutische Dienstleistungen für alle Beteiligten lohnen.“ Vielleicht schließen sich der Bundesverband der Pharmaziestudierenden und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland mal kurz, verurteilen gemeinsam die Anti-Dienstleistungskampagne der hessischen Ärztefunktionäre und verabschieden gemeinsam einen Aufruf für ein besseres Miteinander der beiden Heilberufe. Ein Traum?



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Rückblick auf das Jahr 2016

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

7 Kommentare

2 € Rabatt

von Gerhard Zibulak am 01.08.2022 um 14:35 Uhr

Notdienststreik jetzt sofort!!!!
Ohne Aktion nehmen uns unsere „Volksvertreter“ eiskalt die Kohle weg. Denen sind wir schon lange egal!
Wie das geht? Lufthansa Cockpit macht das seit vielen Jahren vor.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Prozentualer Aufschlag

von Dr.Diefenbach am 31.07.2022 um 13:30 Uhr

...vor VIELEN Jahren wurde von uns Hessen eine Erhöhung vorgeschlagen, es erfolgte ein eigentlich beleidigender Rüffel seitens des Vorstandstisches ob dieser unverschämten Forderung.NUN fragt man sich ob der ABDA Vorstand GETRIEBEN ist oder die Zeichen der Zeit erkennt??Ich frage mich halt weiterhin,OB die ABDA PR Richtung Politik funktioniert usw.Letztendlich stellt man fest, dass viele Jahre VIELES und zwar EXISTENZIELLES einfach aus Wohlgefallen gegenüber Spähnen,Schmidts,Lauterbachs usw unterblieb.
Das Lamentieren über Lieferengpässe begann vielleicht 2019,bekannt IST das Thema seit 2011.Das Problem Honorierung seit 2003,JETZT wird gefordert .Und so vieles mehr.DAS ALLES finanzieren die KollegInnen-noch-WAS ist wenn weitere Offizinen geschlossen werden? Mit mehr Beitragsgruppen löst man das Problem nicht.Und wenn sich Strukturen grundsätzlich ändern(Amazon etc) -ist die ABDA Finanzierung halt neu aufzustellen.Hoffentlich mit einer anderen Systematik als heute.Im Augenblick sonnen sich noch zu Viele in ihrer Wichtigkeit und sind doch nur Sandkörnchen im Staatsgetriebe.Frau Overwiening wird harte Kämpfe führen müssen um manche Eitelkeit "unten drunter" zu kippen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Bitte; erst nachdenken, dann fordern

von Dr. Radman am 31.07.2022 um 13:28 Uhr


1.- Sämtliche Schwierigkeiten, die wir Apothekers im Alltag begegnen, haben wir sie selbst gefordert. Rabattverträge mit den Herstellern, Substitutionsausschlussliste, Präqualifizierung, Dosierungsangabe, verpflichtende QMS um einige zu nennen. Wir haben sie gefordert ohne über die Umsetzung im Alltag und die Konsequenzen der Nicht-Umsetzung nachzudenken. Nun fordern wir jetzt wieder Botendienste im Notdienst für Patienten, die ihre Wohnung Nachts nicht verlassen können, nur um Dispensierrecht für Ärzte abzuschneiden. Denken Sie bitte darüber nach, was das bedeuten würde, wenn die Patienten einen Anspruch auf Belieferung im Notdienst haben. Die meisten Menschen haben keine Lust Nachts um 3 in die Apotheke zu gehen. Also fordern sie die Belieferung per Botendienst. Zu Recht!. Sie haben ja Anspruch darauf. Das bedeutet, man ist Nachts nur noch Unterwegs. Gleichzeitig muss man in der Apotheke anwesend sein. Oder man bestellt ein Dienstleiter oder Taxi dafür.

2. - Wir lassen uns von redegewandten Personen (z. B. ABDA-Vorstand) mitziehen und nicken alles ab, was sie vorschlagen. Und Später stellen wir fest, dass das gar nicht so klug war. Nun, nicht jeder, der gut redet, verhandelt auch gut und klug mit den KK oder der Politik. Redegewandtheit und Klugheit haben miteinander nichts zu tun.

3.- Wer fordert sollte Druckmittel in der Tasche haben. Aber auch bereit sein, was zu verlieren. Was sind nun unsere Druckmittel gegenüber der Politik? Schließen und demonstrieren gehen gehören nicht dazu, sondern offen bleiben und die Patienten aufklären. Ich nenne hier einige Beispiele unserer Druckmittel:

- Aussetzung des Rahmenvertrags auf unbestimmter Zeit. GKV Versicherte werden wie Privatpatienten behandelt.
- Keine Belieferung von Impfstoffen an den Praxen
- Keine Ausstellung von Zertifikaten
- Keine Rezepturen ( keine Gemeinwohl-pflichten).
- Notdienste nur bis 23:00 Uhr

Sollte das Gesundheitssystem anfangen zu wackeln, nehmen wir alles wieder zurück, jedoch mit akzeptablen Bedingungen für alle Beteiligten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

P.Ditzels jüngstes Tagebuchvom 31.7.22

von Wolfgang Steffan am 31.07.2022 um 9:26 Uhr

Ach Gott ach Gott, jetzt jammern sie wieder, die Kollegen und-Innen ! Wieder einmal geht die pharm. Welt zugrunde, es wird
gestöhnt und beschlossen.... und dann geht es so weiter wie die letzten 50 Jahre. Diensteifrig verkauft man Nasentropfen nachts um drei für € 2,50 Aufschlag-manche verzichten sogar darauf, andere produzieren jetzt auf Teufel-
komm-raus Paracetamol und Ibuprofen -Säfte, haben zu
Beginn der Pandemie rasch und unkompliziert Desinfektionsmittel hergestellt, einfach so, aus Hilfsbereit-
schaft und ohne Anerkennung seitens der Politik.
Habt ihr, liebe Kollegen, noch nicht gemerkt, daß wir die Melkkühe der Nation sind ? Macht nur weiter so, mit eueren
Beschlüssen, die ABDA vergessen wir am besten. Bis die
tatsächlich handelt, gibt es wieder 2000 Apotheken weniger. DocMorris und Konsorten reiben sich die Hände !
Und daran denken : Die Präqual.-Qual wurde auch von der
ABDA abgenickt !

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Frische Ideen für den Notdienst

von Karl Friedrich Müller am 31.07.2022 um 8:50 Uhr

Auf so Gedanken kommt nur jemand, der ihn nicht macht.
Was soll die Rumhackerei auf dem ZWANGSdienst? Wie kommt man auf die Idee, noch mehr Leute zu animieren, den Dienst zu missbrauchen?
Weil das uns „unentbehrlich“ macht? Andere im Gesundheitswesen haben es nicht nötig, damit zu werben. Andere Branchen , die damit werben, verlangen saftige Gebühren.
Auf dem Rücken der Apotheken wird eine defizitäre Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben.
Nasenspray oder Schwangerschaftstest um 3 nach Hause? Gerne doch, eine Massage noch dazu? Und ein paar Pröbchen?
Für lau?
Was für ein Unsinn leistet man sich noch zu schreiben!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Wir sind nicht wahrnehmbar…

von Ulrich Ströh am 31.07.2022 um 8:40 Uhr

Unsere Apotheken erhalten jetzt die Quittung für jahrelange mediale Nichtwahrnehmbarkeit.

Desinfektionsmittelherstellung und Maskenverteilung sind Schnee vom vorletzten Jahr.

Die schleppende Implementierung der pharmazeutischen Dienstleistungen überzeugt nur wenige.

ABDA und DAV müssen in der Öffentlichkeitsarbeit zeitnah die Segel anders und besser setzen!

Sonst gibts eine Halse, und die DLRG kommt nicht zur Hilfe…

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Wir sind nict wahrnehmbar…

von gabriela aures am 31.07.2022 um 9:09 Uhr

…aber willkommene Melkkühe. Bestenfalls gibts ein empörtes „Menno, das ist gemein!“
Aber bei „Übergewinn-Besteuerung“ dürfen wir bestimmt auch mitspielen dank Masken- und Zertifikatsmillionen .

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.