Dringende Empfehlung zur Freitestung

RKI empfiehlt kürzere Isolation

Berlin - 03.05.2022, 10:45 Uhr

Der Frühling ist da, die Coronaregeln werden nochmals lockerer. Das RKI hat nun neue Empfehlungen zur Isolation und Quarantäne veröffentlicht. (Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler)

Der Frühling ist da, die Coronaregeln werden nochmals lockerer. Das RKI hat nun neue Empfehlungen zur Isolation und Quarantäne veröffentlicht. (Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler)


Wie erwartet hat das Robert Koch-Institut seine Empfehlungen zu Isolierung und Quarantäne angepasst. Demnach reichen nun in der Regel fünf Tage häuslicher Absonderung aus. Die Isolation SARS-CoV-2-Infizierter wird weiterhin vom Gesundheitsamt angeordnet, danach wird dringend eine tägliche Selbsttestung empfohlen – erst bei negativem Test soll die Isolation beendet werden.

Schon Anfang April hatten sich die Gesundheitsminister:innen der Länder mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf eine kürzere Dauer der Isolation und Quarantäne nach einer SARS-CoV-2-Infektion beziehungsweise Exposition verständigt. Ihr Ansatz, dass die Menschen ab 1. Mai freiwillig in Isolation gehen sollten, verstörte allerdings – und Lauterbach ruderte kurz darauf zurück: Wer Corona-infiziert ist, wird auch jetzt noch offiziell vom Gesundheitsamt in die Isolation geschickt. Doch es bleibt bei der auf fünf Tage verkürzten Dauer.

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Bisher dauern die Absonderungen in der Regel zehn Tage und können mit einem negativen Test nach sieben Tagen vorzeitig beendet werden. In Bayern schwang man allerdings schon Mitte April auf die neue Regelung um – mit positiven Erfahrungen, wie der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) noch am gestrigen Montag bekräftigte. Die anderen Länder warteten indessen noch auf eine neue Empfehlung des Robert Koch-Instituts. Diese wurde nun gestern Abend veröffentlicht. Demnach kann die vorgeschriebene Isolation für mit SARS-CoV-2 Infizierte in der Regel schon nach fünf Tagen enden. Dazu gibt es die „dringende Empfehlung“ zur wieder­holten (Selbst-) Testung beginnend nach Tag 5 mit Antigen-Schnell­tests. Bis der Test negativ ist, soll die Selbst­isolation aufrechterhalten werden.

Kontaktpersonen von Infizierten ist dringend empfohlen, fünf Tage lang ihre Kontakte selbst­ständig zu redu­zieren, vor allem zu Menschen, die das Risiko für einen schweren Krankheits­verlauf haben. Zudem empfiehlt das RKI dringend eine täglich (Selbst-)Testung mit Antigen-Schnell­test.

Für Be­schäf­tigte in Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits­wesens sowie Alten­ und Pflege­ein­rich­tungen sowie ambu­lanten Pflege­diensten und Ein­rich­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hilfe (Apothekenbeschäftigte zählen nicht dazu) gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für die All­ge­mein­be­völ­ke­rung. Allerdings gibt es eine Pflicht, sich freitesten zu lassen: Bevor Infizierte ihre Tätigkeit wieder aufnehmen, muss dies 48 Stunden nach Ende der Symptome geschehen – und zwar mittels Antigen-Schnelltest oder PCR. Für Kontaktpersonen gilt hier, dass vor Dienstantritt bis zum fünften Quarantäne-Tag eine tägliche Testung mit einem Antigen-Schnell­test oder per NAAT zu erfolgen hat.

Lauterbach: Lösung mit Augenmaß

Die konkreten Regelungen nach der RKI-Empfehlung legen nun noch die Länder fest. Lauterbach machte deutlich, dass die meisten diese Linie umsetzen dürften. Mehrere Länder haben schon Neuregelungen bekannt gegeben. Der Minister sprach insgesamt von einer „Lösung mit Augenmaß“. Auf der Basis kürzerer Krankheitsverläufe der aktuellen Omikron-Variante BA.2 könne die Isolation auf fünf Tage verkürzt werden. Die weiter vorgesehene Anordnung durch die Gesundheitsämter gebe das Signal, dass es sich bei Corona nicht um eine Grippe oder eine Erkältung handele. Wenn jemand infiziert auf Menschen zugehe, „dann gefährdet er de facto ihr Leben“, sagte Lauterbach.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Regelungen. „Eine Freitestung von medizinisch-pflegerischem Personal auch durch Bürgertests darf es nicht geben“, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Millionen Menschen der vulnerablen Gruppe, die in der Regel zu Hause lebten, bräuchten Schutz und Sicherheit. „Sie dürfen nur von nichtinfektiösen Menschen versorgt werden. Ein Schnelltest kann das nicht garantieren.“ Daher sei bei allen mit Kontakt zu Pflegebedürftigen und Kranken eine PCR-Freitestung nötig.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sprach sich für weitergehende Lockerungen aus. Nach fünf Tagen Isolation sollten die Menschen ohne zusätzliche Freitestung wieder zur Arbeit gehen können – „auch in Pflegeheimen und Kliniken“, sagte er der „Rheinischen Post“.



Kirsten Sucker-Sket / dpa
redaktion@daz.online


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