Ökotest

Antifalten-Augencremes: gut oder nur teuer?

Stuttgart - 12.04.2022, 13:45 Uhr

Sind Augencremes mit ausgelobter Anti-Falten-Wirkung sinnvoll oder letztlich nicht besser als eine gewöhnliche Gesichtscreme? Ökotest ging dem nach. (Foto: pavelkriuchkov / AdobeStock)

Sind Augencremes mit ausgelobter Anti-Falten-Wirkung sinnvoll oder letztlich nicht besser als eine gewöhnliche Gesichtscreme? Ökotest ging dem nach. (Foto: pavelkriuchkov / AdobeStock)


Lohnt sich die Investition in eine spezielle Antifaltencreme für die Augen oder sind die Cremes nur teuer? Ökotest kommt zu einem klaren Schluss.

Was Augencremes, besonders solche, die Fältchen verschwinden lassen sollen, auszeichnet, ist der hohe Preis – und die winzig kleinen Tübchen, in denen das Wunder-Elixier steckt. Lohnt sich die Investition? Dem ist Ökotest nachgegangen und hat sich „22 Augencremes vorgeknöpft“.

Neben den klassischen Inhaltsstoffen, die die Redakteur:innen des Verbrauchermagazins stets prüfen – PEG, halogenorganische Verbindungen, hautreizende Duft- und Konservierungsstoffe, umstrittene UV-Filter –, interessierte sich Ökotest bei Augencremes vor allem auch dafür: Wie gut belegen die Hersteller der teuren Tübchen ihre meist emsig beworbene Anti-Falten-Wirkung? Erfahrungsgemäß hapert es hier an handfesten Daten – wie auch jüngst bei Gesichtsmasken und Feuchtigkeitscremes zutage gefördert.

Tadellose Inhaltsstoffe

Ein Lob dürften nahezu alle Augencremes im Ökotest für ihre Inhaltsstoffe abstauben – fast ausnahmslos beurteilt das Verbrauchermagazin diese als tadellos und mit „sehr gut“. Mit dabei auch drei Augencremes, die in Apotheken verkauft werden: 

  • Dr. Hauschka Augencreme, 
  • Weleda Glättende Augenpflege Wildrose (beides zertifizierte Naturkosmetik) und 
  • Eucerin Hyaluron-Filler +3x Effect Augenpflege von Beiersdorf. 

Eucerin und Weleda verzichten im Gegensatz zu Dr. Hauschka sogar auf Parfüm – das kann auf der empfindlichen Partie um die Augen „von Vorteil“ sein, findet Ökotest.

Belege für Anti-Aging-Wirkung fehlen

Woran liegt es aber nun, dass trotz der vorbildlichen Zusammensetzung bei den Inhaltsstoffen, keine einzige der 22 Augencremes im Gesamturteil ebenfalls ein „sehr gut“ erhält? Die Augencremes von Dr. Hauschka und Weleda bewertet Ökotest abschließend mit „gut“, Eucerin erhält ein „befriedigend“. 

Abzug kassieren ausnahmslos alle Augencremes für die Verpackung – ein überflüssiger Umkarton, der kein Glas schützt. Doch am meisten zu Buche schlagen die beworbenen Anti-Falten- oder Lifting-Effekte – die letztlich bei allen Produkten (auch bei Augencremes aus dem Drogerie- und Supermarkt) unbelegt bleiben. Wala und Weleda stellen Ökotest zwar Studiendaten zur Verfügung, „aber keiner bewies in unseren Augen ausreichend, dass der Effekt des Produkts über den einer gewöhnlichen Feuchtigkeitscreme hinausgeht“, erklärt Ökotest. 

Beiersdorf hingegen „verweigerte“ Studieneinsicht, wirbt jedoch mit „mildert selbst ausgeprägte Falten sichtbar“. Das überrascht Ökotest, denn: Für diesen Effekt – altersbedingte Falten in tieferen Hautschichten zu glätten – müsste die Creme ja in diese Hautschichten vordringen. Das darf Kosmetik jedoch per Gesetz nicht – sonst gälte sie als Arzneimittel.

Nicht besser als herkömmliche Gesichtscremes

Daher kommt Ökotest zum Fazit: Lediglich Trockenheitsfältchen an der Hautoberfläche etwas aufzupolstern und dort Feuchtigkeit zu binden, das kann auch eine „herkömmliche Gesichtscreme“, die meist deutlich günstiger ist als das entsprechende Augenkosmetikum. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Gesichtscreme keine „kriechenden“ Eigenschaften aufweist, also Öle enthält, die die Augen reizen können.

L’Oréal enthält allergieauslösendes Konservierungsmittel

Auch andere bekannte Kosmetikmarken, wie Balea (dm), Nivea, L‘Oréal, Sebamed, oder zertifizierte Naturkosmetik – Alterra (Rossmann), Alverde (dm), Lavera – kommen beim Augencreme-Test von Ökotest nicht besser weg. Sie können Anti-Aging-Versprechen ebenfalls nicht ausreichend belegen oder verzichten darauf, überhaupt Daten vorzulegen. Sebamed und L‘Oréal fallen zudem negativ durch Kunststoffverbindungen in der Rezeptur auf, bei der L‘Oréal-Augencreme wird Ökotest zudem fündig bei PEG, Chlorphenesin (eine halogenorganische Verbindung, die der Europäischen Kommission zufolge antimikrobielle und konservierende Eigenschaften aufweist, aber als allergieauslösend und hautreizend gilt) und Silikonen. Letztere sieht Ökotest nicht gerne in Kosmetik, sie integrierten sich zum einen nicht so gut ins „Gleichgewicht der Haut“, zum anderen belasteten sie die Umwelt.

Wie sinnvoll sind Anti-Aging-Produkte?

Dass Anti-Aging-Produkte nicht halten, was sie versprechen – zu diesem Fazit kommt Ökotest allerdings nicht nur bei Augencremes mit ausgelobter Anti-Aging-Wirkung: Erst Anfang 2022 hatte das Verbrauchermagazin die Wirkversprechen von Gesichtscremes mit Lifting-Effekt gecheckt – und war am Ende nicht überzeugt, dass diese verglichen mit gewöhnlichen Feuchtigkeitscremes einen Zusatznutzen bieten.

Die vollständigen Testergebnisse gibt es bei Ökotest.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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