Berichte über Rekordumsatz

destatis meldet 7,8 Prozent mehr Apothekenumsatz, Absatz bleibt unerwähnt

Süsel - 15.03.2022, 16:45 Uhr

Die destatis-Meldung vom Rekordumsatz der Apotheken geht um die Welt. Nimmt man den Absatz dazu, sieht es weit weniger rosig aus. (c / Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie)

Die destatis-Meldung vom Rekordumsatz der Apotheken geht um die Welt. Nimmt man den Absatz dazu, sieht es weit weniger rosig aus. (c / Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie)


Irritierende Apothekenzählung bei destatis

Wenn diese Differenzen auf dem Versand beruhen sollten, spricht dies für eine beachtliche Bedeutung des Versandes im OTC-Bereich. Andere irritierende Angaben von destatis lassen sich weniger leicht erklären. Gemäß der Pressemitteilung von destatis hätten 16.200 Unternehmen („rechtliche Einheiten“) zum Apothekenumsatz mit insgesamt 202.000 „abhängig Beschäftigten“ beigetragen. Dies passt nicht zu den Daten der ABDA. Denn es gab Ende 2020 nach Angaben der Apothekerkammern 18.753 Apotheken in Deutschland, davon 14.110 Haupt- oder Einzelapotheken, also rechtlich selbstständige Einheiten. Außerdem hat die ABDA nur 160.454 Arbeitsplätze in Apotheken ausgewiesen, wobei die selbstständigen Inhaber mitgezählt werden. Das wirft die Frage auf, was destatis alles bei den Apotheken mitzählt. Die Zahl der „rechtlichen Einheiten“ könnte teilweise dadurch erklärt werden, dass OHG-Apotheken auf die Inhaber aufgeteilt werden. Vermutlich werden auch Verpächter von Apotheken als eigenständige Einheiten gezählt. Denn sowohl Verpächter als auch alle OHG-Gesellschafter erzielen Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit mit einer Apotheke. Weitere Verzerrungen können sich aus Schließungen und Neueröffnungen im Berichtsjahr ergeben.

Umsatzanstieg durch Hochpreiser

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Apotheken offenbar im Jahr 2021 einen erheblichen Umsatzzuwachs erzielt haben. Dieser beruht wohl überwiegend auf einer Verlagerung zu hochpreisigen Packungen, die für die Apotheken problematisch ist. Doch destatis lässt die Absatzdaten unbeachtet.



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Wird passend gemacht

von ratatosk am 16.03.2022 um 9:34 Uhr

Ist relativ einfach zu erklären.
Da wird mit Rekordumsatz Stimmung gemacht, natürlich erwähnt man nicht, daß gerade bei Apotheken Umsatz nicht so bedeutend ist, aber der normale Bürger geht natürlich dann auch automatisch von höheren Gewinnen aus, da dies bei anderen Branchen auch meist so ist. Und Tratra - schon kann Karl die Erhöhung des Abschlags anstoßen.
Denke strategisch wird dann auf diese Erhöhung dann großmütig verzichtet, natürlich ist dann auch wieder mal ein Jahr ohne Anpassung der Vergütung obligatorisch.
So sieht eben deutsche Politik gegenüber den Apotheken aus.

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