Nein zu Gedisa

AVWL: Ohne Plan kein Geld

Berlin - 07.02.2022, 15:15 Uhr

AVWL-Chef Rochell war der Ärger über das Gebaren des DAV deutlich anzumerken. (Foto: AVWL)

AVWL-Chef Rochell war der Ärger über das Gebaren des DAV deutlich anzumerken. (Foto: AVWL)


Besondere Verantwortung

Rochell betonte die besondere Verantwortung, die dem Vorstand zukäme, wenn es um das Geld seiner Verbandsmitglieder gehe. Rund 2 Millionen Euro sollte der AVWL innerhalb von drei Jahren beisteuern, insgesamt veranschlagt die Gedisa derzeit einen Finanzbedarf in diesem Zeitraum von etwa 35 Millionen Euro. Diese Kosten, so Rochell, „haben sich im Laufe der Gespräche nach oben entwickelt“. Zunächst sei man von einem Finanzbedarf von 10 Millionen Euro ausgegangen, dann 20 Millionen Euro, letztlich stünden jetzt 35 bis 50 Millionen Euro im Raum.

Businessplan light reicht nicht aus

Mit Blick auf diese stattliche Summe sei es nur legitim, einen Businessplan anzufordern. Der DAV habe allerdings lediglich eine Light-Version vorgelegt, die nach den Worten von Rechtsanwalt Ralf Wickert „unzureichend“ sei. Es fehlten wesentliche Elemente eines Businessplans, wie etwa Angaben zur Kapitalbedarfsplanung, Personalausstattung, ein Zeitplan für konkrete Schritte und eine Risikoanalyse. „Banken würden dafür keinen Kredit bereitstellen“, sagte Rochell. Es drohe ein Gesamtverlust des eingesetzten Kapitals.

Darüber hinaus zeigte sich der AVWL-Vorsitzende skeptisch, was die Formalien betrifft: Eine Kündigung des Gesellschaftervertrags sei frühestens nach drei Jahren möglich, die einzelnen Verbände erhielten „sehr wenige Rechte“, dafür werde ein starker Aufsichtsrat installiert, der auch gestaltend tätig sein wird. Allerdings bezog er sich dabei auf einen Vertragsentwurf, den der AVWL entsprechend kritisiert hatte. Der endgültige Gesellschaftervertrag sei ihm nicht zur Verfügung gestellt worden, monierte Rochell.

Darf der Verband das Risiko für alle eingehen?

Mehrfach betonte er zudem, dass die Idee hinter der Gedisa-Gründung zu begrüßen sei. Allerdings gehe es im Zuge der Mitgliederbefragung darum, ob der Verband das finanzielle Risiko, dass mit der Beteiligung verbunden sei, sozialisieren und für alle Mitglieder gleichermaßen eingehen dürfe. Immerhin sei Gedisa beziehungsweise die Angebote im Portal nicht alternativlos – und wer die individuelle Entscheidung treffen wolle, sich an das Portal anzubinden könne dies gegen Gebühr auch tun. „Auch Nicht-Mitglieder können die Funktionen nutzen, sie müssen nur einen entsprechenden Preis bezahlen.“ Zur Debatte stellte er aber, ob es unternehmerisch sinnvoll sei, als Gesellschafter in die Gedisa einzusteigen – „mit allen Risiken und Konsequenzen“.



Christina Müller, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung (cm)
redaktion@daz.online


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