Apothekerverband Mecklenburg-Vorpommern

Offene Worte zu E-Rezept, Personalmangel und Dienstleistungen

Rostock - 11.11.2021, 16:45 Uhr

Axel Pudimat, Vorsitzender des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern. (x / Foto: tmb)

Axel Pudimat, Vorsitzender des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern. (x / Foto: tmb)


Der Vorsitzende des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern, Axel Pudimat, räumt die Anfälligkeit des E-Rezepts ein, aber entscheidend sei die Haltung der Gesellschaft und der Kunden. Die Apotheken müssten sich um das E-Rezept bemühen und deutlich machen, dass sie E-Rezepte einlösen. Die neue Digitalgesellschaft der Apothekerverbände, die Hash-Codes und der Personalmangel in Apotheken waren Pudimats weitere Themen – und er verriet eine aussagekräftige Anekdote aus den Verhandlungen zu den pharmazeutischen Dienstleistungen.

Das Hauptthema bei der Mitgliederversammlung des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern am gestrigen Mittwoch in Rostock war die Digitalisierung. Der Vorsitzende Axel Pudimat ließ mit Blick auf Ausfallsicherheit und Fehleranfälligkeit eine kritische Einstellung zum E-Rezept erkennen. Seines Erachtens sollte eine ärztliche Verordnung mit den eigenen Sinnen erfassbar sein, aber die Gesellschaft wolle es anders. Es komme nicht auf die eigene Position an, sondern auf die Haltung der Gesellschaft und die Wünsche der Kunden. „Egal was wir davon halten – wir müssen und werden es tun, denn die Kunden werden es tun“, erklärte Pudimat.

Die Apotheken würden E-Rezepte einlösen, wie sie auch Impfzertifikate ausgestellt haben. Wichtig sei, dass die Apotheken deutlich darauf hinweisen. Die Plakate dazu sollten an jeder Apotheke hängen, weil manche Kunden sonst vielleicht nicht auf diese Idee kämen, erklärte Pudimat. Wenn es mit dem E-Rezept Probleme gebe, sollten diese nicht von den Apotheken kommen. „Lassen Sie Probleme nicht durch die Apotheken entstehen“, forderte Pudimat und ergänzte: „Patienten und Ärzte werden dafür sorgen, dass es langsam geht.“

Mehr Risiken ohne als mit GEDISA

Mit ebenso klaren Worten warb Pudimat für die GEDISA, die am heutigen Donnerstag gegründet werden soll: „Wir brauchen eine neutrale, stabile Plattform in unserer Hand ohne Fremdinteresse.“ Die zunächst als kleines Projekt des Deutschen Apothekerverbands angelegte Plattform brauche dafür eine eigene Betreibergesellschaft. Die Ideen für mögliche Inhalte der Plattform seien immer mehr geworden. Die Risiken seien nach Meinung des Verbandsvorstands akzeptabel. Das Risiko, keine Plattform zu haben, möchte er dagegen nicht eingehen. Der Verbandsvorstand habe daraufhin entschieden, die nötigen Mittel bereitzustellen. Dazu schlug Pudimat vor, bei den Verbandsbeiträgen nur noch einen statt zwei beitragsfreie Monate pro Jahr zu gewähren und den Rest aus den Rücklagen zu finanzieren. Dieser Vorschlag wurde im späteren Sitzungsverlauf von den Mitgliedern angenommen.

Als weiteres Digital-Thema sprach Pudimat die Hash-Codes an, die ab 1. Januar 2022 für alle GKV-Rezepturverordnungen nötig sein werden. Damit soll das Papierrezept mit einem elektronischen Zusatzdatensatz verknüpft werden. Um Sorgen vor möglichen Umsetzungsproblemen zu begegnen, verwies Pudimat darauf, dass dies bei Zytostatika-Verordnungen schon seit Jahren stattfinde und dort funktioniere. Doch es bestehe ein grundsätzliches Problem: Es komme auf Funktionen an, die von den Softwarehäusern eingerichtet werden müssen und die der einzelne Apotheker nicht überblicken könne. Dennoch seien die Apotheker für das Ergebnis verantwortlich.

Personalmangel auf allen Ebenen

Ein weiteres zentrales Thema in Pudimats Bericht war der Personalmangel auf allen Ebenen. Wenn in Mecklenburg-Vorpommern Apotheken schließen, liege das am fehlenden Personal.  
PTA-Gehälter knapp über dem Mindestlohn seien nicht attraktiv. Doch kurzfristig müssten die Apotheken weiter mit dieser Situation umgehen. Pudimat warb um Beteiligung an einem gemeinsamen Gremium von Kammer und Verband, das neue Konzepte für die PTA-Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern erarbeiten soll. Es würden nicht nur PTA-Schüler, sondern auch Lehrer fehlen. Möglicherweise müsse ein eigener Schulträger gegründet werden. Auf jeden Fall werde Geld dafür benötigt. Außerdem warb Pudimat aufgrund des absehbaren Generationenwechsels um Vorschläge für mindestens zwei neue Vorstandsmitglieder. 

Besonders frustrierend sei der Personalmangel, wenn das Personal für sinnlose Tätigkeiten wie die Präqualifizierung eingesetzt werde. In der Politik werde für fast jedes Problem eine neue Regel geschaffen, ohne alte Regeln abzuschaffen, beklagte Pudimat. Stattdessen wäre es besser, auf fachliche Expertise zu setzen. Dieses Problem gebe es in vielen Berufen, die das Thema gemeinsam an die Politik herantragen sollten. „Es ist ein breites gesellschaftliches Umdenken nötig“, folgerte Pudimat.

Vorschlag der Krankenkassen zu pharmazeutischen Dienstleistungen

Zur wirtschaftlichen Situation der Apotheken berichtete Pudimat, dass die Sonderleistungen in der Pandemie recht gut vergütet worden seien, aber „das sind alles Einmaleffekte“. Personalkosten und Inflation erhöhten die Kosten. Darum werde die Diskussion über das Honorar weitergehen. Die Honorierung für künftige Dienstleistungen sei im Gesetz festgeschrieben, aber die Umsetzung wird erst vor der Schiedsstelle verhandelt. 

Die ABDA hatte sich monatelang nicht zu den mittlerweile gescheiterten Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband über die pharmazeutischen Dienstleistungen geäußert. Doch Pudimat verriet nun ein Detail, um einen Eindruck von diesen Verhandlungen zu vermitteln. Demnach haben die Krankenkassen vorgeschlagen, die pharmazeutische Betreuung nach einer Organtransplantation als pharmazeutische Dienstleistung einzuführen. Wenn alle Patienten, die in einem Jahr ein Organ transplantiert bekommen, dies wahrnehmen, hätte dies nach einer Rechnung von Pudimat bedeutet, dass etwa jede fünfte Apotheke eine Leistung pro Jahr erbringen könnte. Daraufhin sei es folgerichtig, dass nun die Schiedsstelle damit befasst ist. 



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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Gute Ideen brauchen Zeit

1 Kommentar

Falsch!

von Thomas Eper am 12.11.2021 um 12:01 Uhr

"Wenn in Mecklenburg-Vorpommern Apotheken schließen, liege das am fehlenden Personal."
Herr Kollege Pudimat, Apotheken schließen (täglich 1), weil wir seit 17 Jahren nur 3% Honorarerhöhung bekommen haben.
Das bedeutet inflationsbereinigt ca. 40% Honorarkürzung.
Das stemmt kein Unternehmer auf die Dauer.
Ist das so schwer zu begreifen?

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