Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

10.10.2021, 07:30 Uhr

Wir müssen unserem Nachwuchs zeigen, wie cool es ist, in einer Apotheke zu arbeiten! (Foto: Alex Schelbert)

Wir müssen unserem Nachwuchs zeigen, wie cool es ist, in einer Apotheke zu arbeiten! (Foto: Alex Schelbert)


7. Oktober 2021

Auch Bayern bleibt vom Apothekensterben nicht verschont. Laut Bayerischem Apothekerverband gibt es aktuell so wenige Apotheken wie seit der Wende nicht mehr. Insgesamt nur noch 2.984 Betriebe zählt der Verband zum Ende des dritten Quartals 2021. Damit sei erstmals seit der Wende die 3.000er-Marke gefallen. Die Versorgungsdichte liegt bei rund 23 Apotheken pro 100.000 Einwohner in Bayern – im EU-Durchschnitt liegt sie bei 32 Apotheken pro 100.000 Einwohner. Mein liebes Tagebuch, was macht der Rückgang von Apotheken in Bayern, aber auch in der gesamten Bundesrepublik mit der Arzneimittelversorgung? Und warum gibt es immer weniger Apotheken? Woran liegt’s? Warum entscheiden sich viele Pharmaziestudierende lieber für die Industrie oder fürs Krankenhaus statt für die Offizin? Bürokratie, Verdienst, Berufsfreude? Und von der Lust sich in die Selbstständigkeit zu begeben ganz zu schweigen! Oder sind die Voraussetzungen und politischen Gegebenheiten zu instabil? Fragen über Fragen!

 

Auch eine gute Frage: Werden Apotheken in den nächsten Wochen noch die PoC-Antigentests anbieten? Oder streichen jetzt die meisten die Segel, jetzt, wo nur noch ein eng umgrenzter Personenkreis Anspruch auf kostenlose Schnelltests hat? Denn nur diejenigen, die weder genesen noch geimpft sind, werden einen Test brauchen, wenn sie die die 3G-Hürden überwinden wollen. Was bedeutet das für das Testangebot der Apotheken? Der Apothekerverband Nordrhein wollte das von seinen Mitgliedern wissen. Das Umfrageergebnis zeigt: Die meisten Apotheken planen keinen sofortigen Ausstieg. Mein liebes Tagebuch, das war zu erwarten, man wird abwarten, wie viele dann überhaupt noch einen Test benötigen und ihn in Anspruch nehmen. Immerhin, mittlerweile geht die Impfquote schon stramm auf 80 Prozent zu. Also, mal abwarten, wie viele sich noch testen lassen. Das flächendeckende Netz von testenden Apotheken bleibt vorerst erhalten. Und was verlangen die Apotheken von den Selbstzahlern für den Test? Laut Befragung geht man von Preisen so um die 20 Euro aus. Mein liebes Tagebuch, ob es bei diesem Preis bleibt, ist fraglich. Sobald eine Kollegin, ein Kollege 15 oder 10 Euro verlangt, geht’s rapide abwärts. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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8 Kommentare

kassandra

von Christian Giese am 11.10.2021 um 10:04 Uhr

"Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit übertrifft. Auf der Welt wird es dann nur noch eine Generation von Idioten geben."
Albert Einstein

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kassandra

von Karl Friedrich Müller am 10.10.2021 um 14:24 Uhr

Schon die Einleitung, Herr Ditzel, treibt wieder meinen Blutdruck in die Höhe. Die Bilder von Ihnen, die das Tagebuch zieren, bringen es im Grund auf den Punkt.
Sie sinnisieren, wie es denn in der Apotheke so zugehen könnte - außerhalb, im Grünen, ohne Bezug zur Realität. Auch wenn sie so tun.
Was ist denn „cool“ daran, in einer Apotheke zu arbeiten?
Die Ärzte sollen ihre Software auf Vordermann bringen.
Ärzte sind, wie der Rest der Bevölkerung eben nicht digital ready, ebensowenig wie die Infrastruktur. Die Software ist es nicht alleine, es ist der uralte Datenmüll, der weitergeschleppt wird. Hier muss ein klarer Schnitt her. Wie kommen Sie auf die Idee, Praxen würden digitale Rezepte richtig ausstellen, wo doch ein großer Anteil der analogen, vulgo Papierrezepte, nicht richtig ausgestellt sind. Ich weiß nicht, ob das nur fahrlässig oder gewollt ist. So lange kein Druck in die Praxen kommt, nur zu uns, wird sich nichts ändern. Pharmazeutische Dienstleistungen: 1€ pro Korrektur von den Kassen zu bezahlen und es säge schnell anders aus. Geschätzt 250Mio€ würde das kosten.
Die Einstellung der Praxen ist zu lax.
Eine Praxis bekam von uns Moderna Impfstoffe geliefert. Kurz darauf der Anruf, man bräuchte Informationen dazu. Ich fragte mich , od die zu doof sind zu googeln. Aber gut. Wir haben die Information von der Seite der KV! ausgedruckt und weitergegeben. Ist das nur Faulheit oder halt digitales Unvermögen? Oder einfach lmaa.? Die Apotheken richten es, man muss sich nicht bemühen. Deshalb funktioniert nix in den Praxen.
Dazu kommt, dass wir ständig zu hören bekommen, dass wir die einzigen sind, die wegen eines Problems anrufen. Hä!?
Eine Rezeptur, die nicht über GKV abrechenbar ist, landet bei uns. Nachfrage. Wird oft verordnet. Ohne Probleme. Da bin ich dann auf das Gejammer bei den Retaxen gespannt.
Was genau ist cool in der Apotheke, außer dem Kühlschrank? Der weiße Kittel?
Oder die unzähligen Vorschriften. Jeder hat bald mehrere Titel, „Beauftragte“! Und immer doch setzt man eins drauf. Schon die Bürokratie sorgt für Stress, dass man die Arbeit dazu gar nicht mehr machen will.
Ich lese , dass die Verrechungsstelle Rezepte zurückweist, weil der Hashcode nicht stimmen würde, was vom Softwareanbieter zurückgewiesen wird. Aber die Rezepte können nicht abgerechnet werden!!! Was für ein Schwachsinn!!! Statt dass Digitalisierung alles einfacher macht, wird auch hier alles noch komplizierter, weil es vermeintlich geht. Fehlerquellen ohne Ende! Wenn ich eine Leistung nicht mehr abrechnen kann, lasse ich es.
Statt alles schön zu reden, Herr Ditzel, kümmern Sie sich mal um den realen Apothekenalltag, nicht den von dem oberen 1%. Sehen Sie in den Foren oder auch Twitter die Berichte. Reden Sie mit Kollegen in den Buden.
Politiker, Medien, Presse, Journalisten, die nur einen winzigen Ausschnitt sehen, haben wir genug. Wir brauchen endlich Leute für die Basis.
Der Irrsinn ist schon zu groß, als dass wir noch mehr bräuchten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Kassandra

von Karl Friedrich Müller am 10.10.2021 um 15:02 Uhr

Was passiert, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen? Auch bei den Ärzten? Dazu die aufgeben, die sich den ganzen Wahn nicht mehr antun wollen?
Vermutlich wissen Politiker und Kassenfunktionäre sowie unsere Standeszertretung überhaupt nicht, was sie anrichten.

AW: Kassandra

von Torben Schreiner am 11.10.2021 um 9:09 Uhr

Bravo, schön beschrieben!

Covid-19 Antikörpertests in Apotheken

von SLAK am 10.10.2021 um 12:51 Uhr

Die Kammern, besonders in Sachsen, sind königlicher als der König selbst. Z.B. befürwortet die Slak keine Impfung in Apotheken und auch keine Covid-Antiköpertests, obwohl die BMG das explizit empfiehlt. Entweder will die Slak sich besonders wichtig machen oder sie hält sich für besonders Besserwisser als alle übrigen 15 Kammern und die BMG. Seltsam.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Covid-19 Antikörpertests in Apotheken

von Dr. Radman am 10.10.2021 um 12:55 Uhr

Korrektur.. Der Beitrag ist von mir, und nicht von SLAK...

In Apotheken arbeiten

von Thomas Kerlag am 10.10.2021 um 8:49 Uhr

Bei der dankbaren Bevölkerung, bei der Hektik, für das Geld?
Jetzt noch ein paar Titelchen mehr für die PTA, das kauft kein Brot

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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