Die letze Woche

Mein liebes Tagebuch

12.09.2021, 07:30 Uhr

Wir Apothekers können digital – sogar Apothekertage. Und das mit dem E-Rezept kommt auch noch. (Foto: Alex Schelbert)

Wir Apothekers können digital – sogar Apothekertage. Und das mit dem E-Rezept kommt auch noch. (Foto: Alex Schelbert)


Erstmal nix mit honorierten pharmazeutischen Dienstleistungen – Krankenkassen- und Apothekerverband konnten sich nicht einigen. Am Geld liegt’s nicht, sagt der Kassenverband, das Geld ist da. Woran liegt’s dann? Vielleicht daran, dass wir alle noch nicht wissen, wofür es das Geld geben soll? Stark, oder? Wir könnten doch z. B. gegen Covid-19 impfen! Und wie laufen eigentlich die Tests mit dem E-Rezept in der „Fokusregion“? E-Rezept? Welches E-Rezept? Dabei können wir doch digital, z.B. Plattformen. Oder Apothekertage, wie der westfälisch-lippische. Aber noch keine Impfzertifikate für Drittimpfungen, die laufen übers DAV-Portal, sorry.

6. September 2021

Veränderungen beim Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL): Dr. Klaus Michels (60), Chef des AVWL, hört auf, aus persönlichen Gründen. Oh, mein liebes Tagebuch, so plötzlich? Vor zwei Jahren trat er doch erst seine vierte Amtszeit an. Warum jetzt? „Persönliche Gründe“ sind selbstverständlich zu respektieren. Aber so insgeheim fragt man sich dann doch nach dem Warum. Vor allem, nach so langer Zeit: 30 Jahre lang war er ehrenamtlich für seinen Verband tätig, 14 Jahre lang war er der Chef des AVWL. Es war eine turbulente Zeit, in der sich berufspolitisch viel getan hat – Michels hat die Apothekeninteressen mit großem Engagement und Leidenschaft vertreten. Und diese Leidenschaft war nicht immer ABDA-kompatibel. Denn Michels hat oft weitergedacht, vorausschauend, zum Beispiel beim Apothekenstärkungsgesetz. Er hatte sich vehement dafür eingesetzt, die im Arzneimittelgesetz verankerte Rx-Preisbindung nicht zu streichen. Es kam anders: Mit dem Apothekenstärkungsgesetz gilt die Rx-Preisbindung nur für GKV-, aber nicht für Privatversicherte. Für Michels geht davon über kurz oder lang eine große Gefahr für unser Apothekensystem aus: Letztlich könnte diese Zweiteilung dazu führen, dass die Rx-Preisbindung auch im GKV-Markt fällt mit weiteren Folgen. Spekulieren kann man auch darüber, ob die jüngsten Vorgänge im Zusammenhang mit der geplanten Beteiligung der Apothekerverbände an der neuen „Gesellschaft für digitale Services der Apotheken mbH – GEDISA“ für Michels das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Interimsnachfolger für Michels ist Thomas Rochell, der bereits seit 2003 dem AVWL-Vorstand angehört. Er wird den Vorsitz bis zur turnusmäßigen Neuwahl im Jahr 2023 ausüben.

 

Unsere ABDA-Präsidentin hatte vor Kurzem bereits Signale in die Richtung des Bundesgesundheitsministers ausgesandt: Die Apotheker stünden bereit, auch gegen Covid-19 zu impfen. Nun, mein liebes Tagebuch, auch wenn das mit dem „Bereitstehen“ ein bisschen forsch ausgedrückt ist: Im Prinzip befürworten laut einer DAZ.online-Umfrage knapp die Hälfte der abgegebenen Stimmen das Impfen in der Apotheke. Nur ein Viertel vertritt die Meinung, dass das Impfen nichts in der Apotheke verloren hat, sondern eine ärztliche Aufgabe sei. Nun, mein liebes Tagebuch, die grundsätzliche Bereitschaft in den Apotheken ist da, wie wir auch bei den Modellprojekten zur Grippeschutzimpfung gesehen haben. Jetzt müssten wir nur noch dürfen, was wir wollen. Und die Verbände und Krankenkassen müssten endlich mal in den noch ausstehenden Bundesländern in die Puschen kommen und sich auf Modellprojekte einigen.

7. September 2021

Man musste keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen um vorherzusagen, dass der Deutsche Apothekerverband (DAV) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Sachen honorierte pharmazeutische Dienstleistungen keinen gemeinsamen Nenner finden werden. Der GKV-Spitzenverband hat von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass er von solchen apothekerlichen Dienstleistungen wenig bis nichts hält. Nach nun gut einem halben Jahr hat man die Verhandlungsrunde als gescheitert erklärt und die Schiedsstelle angerufen. Um welche pharmazeutischen Dienstleistungen es sich im einzelnen handelt, davon ist in der Berufsöffentlichkeit allerdings nichts bekannt, die ABDA hat sich strikte Geheimhaltung über Einzelheiten dieser Dienstleistungen auferlegt – angeblich auch aus taktischen Gründen mit Blick auf die Verhandlungsrunde. Mein liebes Tagebuch, nun ja, diese Geheimhaltungs-Strategie scheint wohl nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Vielleicht setzt jetzt mal beim DAV, bei der ABDA ein bisschen Nachdenken ein und man wagt sich endlich mal mit weiteren Details zu den Dienstleistungen an die Berufsöffentlichkeit. Es wird doch nicht so schwer sein können, die vom DAV so kryptisch vorgetragenen drei größten Problemkreise, um die es bei den Dienstleistungen angeblich geht, ein wenig zu spezifizieren: die Bekämpfung von Risiken der Polymedikation, die Verbesserung mangelhafter Therapietreue und die Intensivierung der Vorsorge und Früherkennung von Volkskrankheiten. Liebes Tagebuch, man muss sich das mal klarmachen: Honorierte pharmazeutische Dienstleistungen sollen in Zukunft ein Standbein der deutschen Apotheke sein. Und bis heute dürfen wir noch nicht wissen, worum es im einzelnen geht – was ist das für eine lächerliche Geheimniskrämerei? Und wo bleibt endlich die versprochene Transparenz?

Die Vermutung, dass es mit dem apothekerlichen Angebot an die Krankenkassen möglicherweise nicht weit her ist, wird genährt durch das Statement der Krankenkassen. Der liebe GKV-Spitzenverband befürchtet, dass es sich bei den vom DAV vorgelegten pharmazeutischen Dienstleistungen eher um eine Honorarerhöhung für die Apotheken handle als um einen zusätzlichen Nutzen für die Patienten. So lässt der Spitzenverband vollmundig wissen: „Wir haben jetzt die Chance, mit neuen pharmazeutischen Dienstleistungen die Versorgung für die Versicherten maßgeblich zu verbessern. Der GKV-Spitzenverband steht in den Startlöchern, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen, und das Geld ist da.“ Mein liebes Tagebuch, das ist stark, oder? Was der GKV-Spitzenverband auch noch sagt: „Wir brauchen gezielte und hochwertige Dienstleistungen, die vor allem auch Apotheken in ländlichen Regionen zugutekommen und den Versicherten weiterhelfen. Das Prinzip Gießkanne bringt uns nicht weiter und ist nicht im Sinne der Versicherten.“ Mein liebes Tagebuch, mal ehrlich, ist das alles Verhandlungstaktik oder kann der DAV wirklich keine „hochwertigen Dienstleistungen“ vorlegen?


Kinners, wie die Zeit vergeht: Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) feiert seinen 50. Geburtstag! Das in Eschborn im Taunus (am früheren ABDA-Sitz) angesiedelte gemeinnützige Labor hat sich vor allem einen Namen gemacht bei der Prüfung der pharmazeutischen Qualität von Arzneimittel. Geprüft werden vor allem generische Arzneimittel und die Qualität von Rezepturarzneimitteln. Bei der Jubiläumsfeier des ZL würdigte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) diese Arbeit als Qualitäts- und Verbraucherschutz und als Dienst an den öffentlichen Apotheken. Wie Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, wissenschaftlicher Leiter des ZL, hinzufügte, hat sich das ZL in den letzten Jahren vor allem auch mit dem Fälschungsschutz und der Identifikation von Verunreinigungen von Arzneimitteln beschäftigt. Und, mein liebes Tagebuch, von großem Wert für die Apotheke sind natürlich auch die Ringversuche zur Qualitätsüberprüfung von Dienstleistungen in der Apotheke, insbesondere von Rezepturen. Apropos Dienstleistungen, vielleicht bekommt das ZL in den nächsten Jahren noch mehr zu tun, wenn wir weitere pharmazeutische Dienstleistungen anbieten dürfen. Alles Gute zum Jubiläum und auf viele weitere Jahre! ZL, du machst einen guten Job!

8. September 2021

Erfrischend anders ist der Weg, den das Gemeinschaftsunternehmen Gehe und Alliance Healthcare Deutschland (AHD) gehen will: Statt auf dem turbulenten Markt der Apotheken-Plattformen mitzuspielen, forciert man eine eigene Digitalstrategie. Der Großhändler Gehe war übrigens das einzige Gründungsmitglied der Digitalinitiative ProAvO, das sich nicht der von Phoenix und Noventi ins Leben gerufenen Plattform „gesund.de" angeschlossen hatte. Man hatte schon damals eine eigene Digitalstrategie angekündigt. Jetzt wird sie konkret: Gehe/AHD bietet   allen Kooperations- und Großhandelskunden ein eigenes Online- und Webshop-Angebot.. Wie aus der Gehe/AHD-Mitteilung hervorgeht, setzt man vor allem „auf digitale Individualität“, „um die Apotheke vor Ort optimal auf die Bedürfnisse ihrer Kunden auszurichten“. Mein liebes Tagebuch, das lässt sich durchaus als kleiner Seitenhieb gegen die Plattfomeritis interpretieren. Gehe/AHD machen deutlich: Sie wollen ihren Kunden „jede Freiheit bieten, ihren individuellen Weg in die Digitalisierung zu gehen“. Man biete einen individualisierten, lokalen Webauftritt der Vor-Ort-Apotheke – inklusive Leistungen rund um das E-Rezept, wie den Zusatzverkauf von OTC- oder Freiwahlartikeln“. Und was sicher auch gut ankommt: Es gibt nur eine monatliche Basisgebühr, die alle Leistungen beinhaltet, keine versteckten Kosten.

 

Schon lang angekündigt, jetzt wird auch der Plattformer gesund.de, die von Phoenix und Noventi ins Leben gerufene Initiative, konkreter: Der Online-Marktplatz von gesund.de soll am 27. September starten. Die Entstehung der Plattform hat bekanntlich schon einen bunten Lebenslauf hinter sich gebracht: Die ursprüngliche Idee stammt von der Initiative Pro AvO, einer Zusammenarbeit von Gehe, Sanacorp, Noventi, Rowa und dem Wort & Bild Verlag. Apora sollte sie anfangs heißen, aber der Name war lange Zeit alles, was es dazu gab. Mittlerweile erfolgte eine Umstrukturierung der Partner: Gehe ging, Phoenix kam und der neue Name gesund.de.

Und damit startet man: Der Verbraucher, die Verbraucherin soll auf dieser Plattform u. a. ihre Apotheke, das gewünschte Arzneimittel und viele weitere Informationen finden können. Laut gesund.de sollen später dann auch E-Rezepte übermittelt werden können. Bereits ab dem Start können die „normalen“ Rezepte im Web oder bereits jetzt über die App, die schon vor einer Weile gelauncht wurde, an die Apotheke vor Ort übermittelt werden. Mein liebes Tagebuch, man wird sehen, wie sich diese Plattform präsentiert, was sie bietet, ob die Verbraucher vorbeikommen und vor allem, ob das Kosten-Leistungsverhältnis für die teilnehmende Apotheke stimmt.

 

Die Corona-Drittimpfungen kommen – und für die Apotheken heißt es immer noch: Wir müssen draußen bleiben – sie können den Wunsch ihrer drittgeimpften Kundinnen und Kunden, bitteschön das Impfzertifikat zu digitalisieren, nicht erfüllen. Im DAV-Portal können die entsprechenden Kundendaten noch nicht eingegeben werden. Die Apotheken müssen vertrösten: Eine Ausstellung eines Covid-19-Impfzertifikats über eine dritte Impfung ist derzeit technisch nicht möglich, heißt es noch immer beim DAV. Wie lange das noch dauert? Keine Angabe. Corona-App und CovPass-App sind da weiter, laut Robert Koch-Institut akzeptieren sie bereits in ihren neuesten Versionen die QR-Codes der Auffrischimpfung. Aber diese Codes muss man eben erst mal haben…

9. September 2021

Mehr zum Thema DAV-Portal: Vor Kurzem wurde bekannt, dass der Deutsche Apothekerverband (DAV) eine neue Digitalgesellschaft, die GEDISA, gründen will. Über sie soll u. a. der Betrieb des DAV-Portals laufen, das als notwendige Plattform angesehen wird, um digitale Aufgaben zu bewältigen. Für den DAV als eingetragenem Verein wird es allerdings als problematisch angesehen, so ein Portal zu betreiben, haftungsrechtlich und natürlich auch finanziell, zumal der DAV sein Geld aus dem ABDA-Haushalt bekommt. Was mittlerweile auch bekannt ist: Gesellschafter der GEDISA sollen die 17 Landesapothekerverbände werden. Und welche Kosten kommen da auf die Landesverbände zu? Auf der Mitgliederversammlung des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL) war zu vernehmen, dass auf den AVWL mit einer Beteiligung an der GEDISA „erhebliche finanzielle Verpflichtungen in den kommenden Jahren zukommen“ werden, wie es der frischgebackene AVWL-Chef Thomas Rochell formulierte. In Zahlen: Allein für den AVWL bedeutet das rund 1 Million Euro pro Jahr. Mein liebes Tagebuch, kein Pappenstiel, erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass das Gesamthaushaltsvolumen des AVWL 3,7 Mio. Euro beträgt. Für Rochell ist es klar: Die Mitgliederversammlung muss entscheiden, ob sich der Verband als Gesellschafter einbringen will. Allerdings fehlen dafür noch die Entscheidungsgrundlagen wie Business- und Finanzplan sowie Infos zum Personalbedarf und zur Betriebsstätte. Und ja, was bekommt man dann von der GEDISA dafür? Was soll sie leisten? Es gibt noch Informationsbedarf! Was auf der AVWL-Mitgliederversammlung auch zur Sprache kam: die geplanten pharmazeutischen Dienstleistungen. Sie sind für Rochell ein Lichtblick, er ließ aber auch wissen, dass man sich mehr Honorar als die 150 Mio. Euro wünscht und, ja, deutlich mehr Transparenz von der ABDA, was im Dienstleistungspaket enthalten ist. Mein liebes Tagebuch, die liebe Transparenz von Seiten der ABDA – hatte dies nicht auch die neue Präsidentin versprochen?

 

Ab 1. Juli 2021 gibt’s das E-Rezept in Deutschland! Hieß es mal. Aber dann kam gleich der Rückzieher: Aber erstmal nur in der „Fokusregion Berlin-Brandenburg“. Also, die Fokusregion als Testregion. Nun gut, kann ja nicht verkehrt sein: Testen wir mal, ob und wie es läuft. Allerdings sollte man zweieinhalb Monate später schon erwarten können, dass das eine oder andere E-Rezept ausgestellt wurde und dass schon der eine oder andere (Test-)Patient in einer der beteiligten Apotheken seinen Papierausdruck des E-Rezepts vorlegte – an ein E-Rezept auf dem Smartphone wollen wir erstmal gar nicht denken. Mein liebes Tagebuch, die DAZ-Redaktion bemühte sich redlich, eine Apotheke zu finden, die mit einem E-Rezept konfrontiert war: Fehlanzeige. Und auf die Fragen, wie viele E-Rezepte bislang ausgestellt wurden und wie viele Arztpraxen und Apotheken eigentlich mitmachen, wollen oder können die beteiligten Apothekerverbände Berlin und Brandenburg nicht antworten. Die ABDA verweist wiederum auf die Gematik. ebenso die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Shop Apotheke, die ebenfalls beteiligt ist. Von der Gematik heißt es, dass die Testphase momentan noch laufe. Diese werde wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Mein liebes Tagebuch, irgendwie frustrierend, oder? Wenn selbst von der Gematik nicht zu erfahren ist, wie viele Rezepte ausgestellt wurden und wie viele Ärzte teilnehmen… Und wie war das doch gleich: Ab 1. Januar 2022 soll es bundesweit das E-Rezept geben?

 

10. September 2021

In Brandenburg sollte man Pharmazie studieren können – das ist eine Herzensangelegenheit der Landesapothekerkammer Brandenburg, da lässt sie schon seit Jahren nicht locker. Und vielleicht ist sie wieder einen kleinen Schritt weitergekommen: Mit der Landesärzte- und der Landeszahnärztekammer hat sie Unterstützer für ihr Lieblingsprojekt bekommen. Die drei Heilberufskammern appellieren nun gemeinsam an die Politik und schlagen eine „Hochschule für Heilberufe“ in Brandenburg vor. Bei den Medizinern ist nämlich bereits Bewegung in diese Sache gekommen: Für die Medizinerausbildung soll an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) eine Fakultät gegründet werden. Ab dem Wintersemester 2026/27 sollen sich dort Studierende der Medizin einschreiben können. Mein liebes Tagebuch, das könnte doch in der Tat etwas werden. Zumal die drei Heilberufskammern gemeinsam darauf hinweisen, dass es auch im Flächenland Brandenburg seit Jahren immer schwieriger wird, für alle drei Heilberufe ausreichend qualifizierten Berufsnachwuchs zu gewinnen. Die Kammern sehen sogar eine „Leuchtturm-Initiative“ in diesem Projekt: So eine gemeinsame Hochschule für Heilberufe würde dann zahlreiche Studierende aus dem In- und Ausland nach Brandenburg ziehen. Die Schaffung von koordinierten Studiengängen wäre somit ein „Quantensprung in der Ausbildung“ und damit auch für die Forschung zu innovativen Versorgungskonzepten in Brandenburg. Mein liebes Tagebuch, das klingt doch supergut nach Zukunft. Und die Tesla-Gigafactory ist schließlich auch in der Nähe – für ein artgerechtes Fahrzeug der Studienabgänger.


 11. September 2021

Es geht. Ein Apothekertag lässt sich in Pandemiezeiten auch hybrid durchführen. Der Westfälisch-Lippische Apothekertag (WLAT), der am 11. und 12. September in Münster stattfand, hat’s vorgemacht: Ein kleiner Teil der knapp 1000 Teilnehmenden vergnügte sich vor Ort, der Rest saß zu Hause an den Bildschirmen. Die Internet-Plattform für die digitale Teilnahme war übersichtlich und nett gestaltet, man konnte in die verschiedenen Vortragsräume wechseln, sogar in die digitale Toilette gehen (kein Witz). Anfangs gab’s zwar das eine oder andere Ruckeln, mal war’s Bild weg, mal der Ton, aber das war rasch behoben und man konnte dann den zahlreichen Keynotes, Speed-Sessions, Vorträgen und sogar einem Netzwerk-Karussell entspannt beiwohnen. Und so war auch der Präsidentin der westfälisch-lippischen Apothekerkammer Gabriele R. Overwiening ihre große Freude anzumerken, dass nun endlich der 8. WLAT durchgeführt werden konnte – nachdem sie ihn pandemiebedingt schon zweimal verschieben musste: Ursprünglich war er für den 13./14. März vorgesehen, wurde dann auf den 5./6. Juni verschoben und konnte jetzt endlich stattfinden. Overwiening: „Ich war begeistert, als ich in diesen Raum kam, wir können wieder zusammenkommen und zeigen, dass wir zusammenhalten.“ Und sie dankte allen Apothekerinnen und Apothekern für ihre Bereitschaft in der Pandemie, verlässlich da zu sein. Sie sei überzeugt, dass auch die Politik ein anderes Bild von der Apotheke bekommen habe: Es sei ein Paradigmenwechsel eingetreten, das Bild vom Apotheker habe sich zum Positiven hin verändert! 

Auch Karl Josef Laumann, der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister, war voll des Lobes für die Apotheken in der Pandemiezeit. Er bat die Apothekerinnen, Apotheker und PTA in Sachen Impfung weiter Überzeugungsarbeit zu leisten: „Sie sind wichtige und glaubwürdige Botschafter für die Impfung“, sagte er in seinen Grußworten und betonte, dass er mit Blick auf den kommenden Herbst die Impfquote in seinem Bundesland noch um mindestens zehn Prozentpunkte steigern wolle. Mein liebes Tagebuch, und wenn wir dann erstmal impfen dürfen…

Und dann gab’s noch eine kleine berufspolitische Runde, in der es auch ums E-Rezept und um Plattformen ging. Man sollte das alles Ernst nehmen, so Noweda-Chef Kuck, die EU-Versender tun es auch. Nach seiner Einschätzung sind sie darauf angewiesen, mit dem E-Rezept nun endlich mal schwarze Zahlen zu schreiben: „Das E-Rezept ist der letzte Schuss für die Versender.“



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Neue Digitalgesellschaft

Wird Sören Friedrich GEDISA-Chef?

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

8 Kommentare

Modellprojekt

von Dr. Radman am 12.09.2021 um 14:12 Uhr

...Ich habe gehört, dass sich nur eine Apotheke und nur eine Praxis an das E-Rezeptmodellprojekt beteiligt haben. Und das ist nach ca. 3 Monaten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Gießkanne

von K.Stülcken am 12.09.2021 um 11:15 Uhr

Was spricht eigentlich gegen die Gießkanne? Eine dynamisierte Basishonorierung sollte doch wohl endlich selbstverständlich werden. Das Prinzip der Mischkalkulation sollte den Kassen vielleicht auch nochmal erläutert werden. Danach kann man über zusätzliche Dienstleistungen reden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Gießkanne

von Karl Friedrich Müller am 12.09.2021 um 13:19 Uhr

Die Krankenkassen. Die sagen zu allem einfach nein. Weil sie es können und sie uns nicht das Schwarze unter dem Nagel gönnen, Blockadehaltung.,wir sind zu schwach, irgendwas durchzusetzen. Auch Schiedsgerichte helfen da nicht weiter. Es geht vermutlich darum, schon bezahlte Dienstleistungen zuzulassen, aber zu einem unterirdischen Preis. So wie es in allen Beteichen gemacht oder versucht wird. Siehe HiMi. Wenn Rx nicht staatlich festgelegt wäre, hätten wir da den gleichen Zirkus. So versucht man uns durch Zulassen von Versendern zu drücken. Passt alles ins Schema.
Unsere ABDA macht den Wahnsinn mit -geheim- , damit wir erst meckern können, wenn es zu spät ist. Ich glaube nicht, dass noch eine flächendeckende Apothekenlandschaft angestrebt wird. Es heißt ja schon in den Kreisen, dass Versender wunderbar die Lücken füllen können. Den Apotheken wird dann auch noch die Schuld an den Lücken zugeschoben.
Es wäre längst Zeit, die Vergütung für uns allgemein anzuheben. Und nicht ständig noch zu kürzen. Dafür bekommen wir ständig „schon eingepreiste“ Aufgaben dazu. Auch eine Form der Kürzung.,
Die Kassen blockieren, der Politik ist es egal.

Rentabel?

von Ulrich Ströh am 12.09.2021 um 9:07 Uhr

Ob Plattformen oder pharmazeutische Dienstleistungen…

Die Rentierlichkeit der Offizinapotheken für beides ist nicht darstellbar für die pharmazeutische Zukunft!

Warum lassen wir es kommentarlos zu ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Pharmazeutische Dienstleistungen

von Karl Friedrich Müller am 12.09.2021 um 8:39 Uhr

Lieber Herr Ditzel,
Sollten von ALLEN Apotheken erbracht werden können.
Das ist nicht Impfen.
Es kommt natürlich darauf an, was man damit erreichen will.
Eine Förderung aller Apotheken (wohl eher dann nicht) oder eine weitere Aufspaltung in Verbünde, Clan Apotheken, Ketten und halt „Buden“, die ausgemerzt werden.
Es ist freilich auch sinnvoll , die paar Euro (umgerechnet auf alle Apotheken) nicht im Gieskannenprinzip zu verteilen. Eine Dienstleistung muss sich auch lohnen! Sonst kann man das Geld gleich in die Notdienstvergütung stecken oder dem Honorar zuschlagen. Bringt halt kein „Imagegewinn“. Geschlossene Apotheken aber auch nicht.
Scheinbar gilt überall das Prinzip: wer schon hat, dem wird gegeben.
Ich finde es krass, dass auch bei der DAZ die normale Apotheke nicht mehr vorkommt, uns dafür Ausnahmeerscheinungen vor die Nase gehalten werden. Es ist halt nicht jeder ein Schittenhelm.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Pharmazeutische Dienstleistungen

von Karl Friedrich Müller am 12.09.2021 um 9:11 Uhr

PS: ist IMPFEN tatsächlich eine „pharmazeutische“ Dienstleistung? Nein, oder?
Ich sehe ärztliche Handlungen nicht als unseren Kompetenzbereich.

AW: Pharmazeutische Dienstleistungen

von Torben Schreiner am 12.09.2021 um 9:46 Uhr

In unserer Nachbarschaft drohen schon Mitglieder des Hausärzteverbundes denen, an den Modellprojekt-teilnehmenden Apotheken, mit Doc Mo.
Was bringt es uns immer weiter die Ärzteschaft zu erzürnen?
Impfen ist keine pharm. Tätigkeit.

AW: Pharmazeutische Dienstleistungen

von Conny am 12.09.2021 um 10:37 Uhr

@Herrn Schreiner : dummerweise hängen wir am Tropf der Ärzte.Es werden sich noch viele wundern, wo die ganzen Rezepte durch das E-Rezept hinwandern werden

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.