Die letze Woche

Mein liebes Tagebuch

12.09.2021, 07:30 Uhr

Wir Apothekers können digital – sogar Apothekertage. Und das mit dem E-Rezept kommt auch noch. (Foto: Alex Schelbert)

Wir Apothekers können digital – sogar Apothekertage. Und das mit dem E-Rezept kommt auch noch. (Foto: Alex Schelbert)


7. September 2021

Man musste keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen um vorherzusagen, dass der Deutsche Apothekerverband (DAV) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Sachen honorierte pharmazeutische Dienstleistungen keinen gemeinsamen Nenner finden werden. Der GKV-Spitzenverband hat von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass er von solchen apothekerlichen Dienstleistungen wenig bis nichts hält. Nach nun gut einem halben Jahr hat man die Verhandlungsrunde als gescheitert erklärt und die Schiedsstelle angerufen. Um welche pharmazeutischen Dienstleistungen es sich im einzelnen handelt, davon ist in der Berufsöffentlichkeit allerdings nichts bekannt, die ABDA hat sich strikte Geheimhaltung über Einzelheiten dieser Dienstleistungen auferlegt – angeblich auch aus taktischen Gründen mit Blick auf die Verhandlungsrunde. Mein liebes Tagebuch, nun ja, diese Geheimhaltungs-Strategie scheint wohl nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Vielleicht setzt jetzt mal beim DAV, bei der ABDA ein bisschen Nachdenken ein und man wagt sich endlich mal mit weiteren Details zu den Dienstleistungen an die Berufsöffentlichkeit. Es wird doch nicht so schwer sein können, die vom DAV so kryptisch vorgetragenen drei größten Problemkreise, um die es bei den Dienstleistungen angeblich geht, ein wenig zu spezifizieren: die Bekämpfung von Risiken der Polymedikation, die Verbesserung mangelhafter Therapietreue und die Intensivierung der Vorsorge und Früherkennung von Volkskrankheiten. Liebes Tagebuch, man muss sich das mal klarmachen: Honorierte pharmazeutische Dienstleistungen sollen in Zukunft ein Standbein der deutschen Apotheke sein. Und bis heute dürfen wir noch nicht wissen, worum es im einzelnen geht – was ist das für eine lächerliche Geheimniskrämerei? Und wo bleibt endlich die versprochene Transparenz?

Die Vermutung, dass es mit dem apothekerlichen Angebot an die Krankenkassen möglicherweise nicht weit her ist, wird genährt durch das Statement der Krankenkassen. Der liebe GKV-Spitzenverband befürchtet, dass es sich bei den vom DAV vorgelegten pharmazeutischen Dienstleistungen eher um eine Honorarerhöhung für die Apotheken handle als um einen zusätzlichen Nutzen für die Patienten. So lässt der Spitzenverband vollmundig wissen: „Wir haben jetzt die Chance, mit neuen pharmazeutischen Dienstleistungen die Versorgung für die Versicherten maßgeblich zu verbessern. Der GKV-Spitzenverband steht in den Startlöchern, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen, und das Geld ist da.“ Mein liebes Tagebuch, das ist stark, oder? Was der GKV-Spitzenverband auch noch sagt: „Wir brauchen gezielte und hochwertige Dienstleistungen, die vor allem auch Apotheken in ländlichen Regionen zugutekommen und den Versicherten weiterhelfen. Das Prinzip Gießkanne bringt uns nicht weiter und ist nicht im Sinne der Versicherten.“ Mein liebes Tagebuch, mal ehrlich, ist das alles Verhandlungstaktik oder kann der DAV wirklich keine „hochwertigen Dienstleistungen“ vorlegen?


Kinners, wie die Zeit vergeht: Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) feiert seinen 50. Geburtstag! Das in Eschborn im Taunus (am früheren ABDA-Sitz) angesiedelte gemeinnützige Labor hat sich vor allem einen Namen gemacht bei der Prüfung der pharmazeutischen Qualität von Arzneimittel. Geprüft werden vor allem generische Arzneimittel und die Qualität von Rezepturarzneimitteln. Bei der Jubiläumsfeier des ZL würdigte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) diese Arbeit als Qualitäts- und Verbraucherschutz und als Dienst an den öffentlichen Apotheken. Wie Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, wissenschaftlicher Leiter des ZL, hinzufügte, hat sich das ZL in den letzten Jahren vor allem auch mit dem Fälschungsschutz und der Identifikation von Verunreinigungen von Arzneimitteln beschäftigt. Und, mein liebes Tagebuch, von großem Wert für die Apotheke sind natürlich auch die Ringversuche zur Qualitätsüberprüfung von Dienstleistungen in der Apotheke, insbesondere von Rezepturen. Apropos Dienstleistungen, vielleicht bekommt das ZL in den nächsten Jahren noch mehr zu tun, wenn wir weitere pharmazeutische Dienstleistungen anbieten dürfen. Alles Gute zum Jubiläum und auf viele weitere Jahre! ZL, du machst einen guten Job!



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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8 Kommentare

Modellprojekt

von Dr. Radman am 12.09.2021 um 14:12 Uhr

...Ich habe gehört, dass sich nur eine Apotheke und nur eine Praxis an das E-Rezeptmodellprojekt beteiligt haben. Und das ist nach ca. 3 Monaten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Gießkanne

von K.Stülcken am 12.09.2021 um 11:15 Uhr

Was spricht eigentlich gegen die Gießkanne? Eine dynamisierte Basishonorierung sollte doch wohl endlich selbstverständlich werden. Das Prinzip der Mischkalkulation sollte den Kassen vielleicht auch nochmal erläutert werden. Danach kann man über zusätzliche Dienstleistungen reden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Gießkanne

von Karl Friedrich Müller am 12.09.2021 um 13:19 Uhr

Die Krankenkassen. Die sagen zu allem einfach nein. Weil sie es können und sie uns nicht das Schwarze unter dem Nagel gönnen, Blockadehaltung.,wir sind zu schwach, irgendwas durchzusetzen. Auch Schiedsgerichte helfen da nicht weiter. Es geht vermutlich darum, schon bezahlte Dienstleistungen zuzulassen, aber zu einem unterirdischen Preis. So wie es in allen Beteichen gemacht oder versucht wird. Siehe HiMi. Wenn Rx nicht staatlich festgelegt wäre, hätten wir da den gleichen Zirkus. So versucht man uns durch Zulassen von Versendern zu drücken. Passt alles ins Schema.
Unsere ABDA macht den Wahnsinn mit -geheim- , damit wir erst meckern können, wenn es zu spät ist. Ich glaube nicht, dass noch eine flächendeckende Apothekenlandschaft angestrebt wird. Es heißt ja schon in den Kreisen, dass Versender wunderbar die Lücken füllen können. Den Apotheken wird dann auch noch die Schuld an den Lücken zugeschoben.
Es wäre längst Zeit, die Vergütung für uns allgemein anzuheben. Und nicht ständig noch zu kürzen. Dafür bekommen wir ständig „schon eingepreiste“ Aufgaben dazu. Auch eine Form der Kürzung.,
Die Kassen blockieren, der Politik ist es egal.

Rentabel?

von Ulrich Ströh am 12.09.2021 um 9:07 Uhr

Ob Plattformen oder pharmazeutische Dienstleistungen…

Die Rentierlichkeit der Offizinapotheken für beides ist nicht darstellbar für die pharmazeutische Zukunft!

Warum lassen wir es kommentarlos zu ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Pharmazeutische Dienstleistungen

von Karl Friedrich Müller am 12.09.2021 um 8:39 Uhr

Lieber Herr Ditzel,
Sollten von ALLEN Apotheken erbracht werden können.
Das ist nicht Impfen.
Es kommt natürlich darauf an, was man damit erreichen will.
Eine Förderung aller Apotheken (wohl eher dann nicht) oder eine weitere Aufspaltung in Verbünde, Clan Apotheken, Ketten und halt „Buden“, die ausgemerzt werden.
Es ist freilich auch sinnvoll , die paar Euro (umgerechnet auf alle Apotheken) nicht im Gieskannenprinzip zu verteilen. Eine Dienstleistung muss sich auch lohnen! Sonst kann man das Geld gleich in die Notdienstvergütung stecken oder dem Honorar zuschlagen. Bringt halt kein „Imagegewinn“. Geschlossene Apotheken aber auch nicht.
Scheinbar gilt überall das Prinzip: wer schon hat, dem wird gegeben.
Ich finde es krass, dass auch bei der DAZ die normale Apotheke nicht mehr vorkommt, uns dafür Ausnahmeerscheinungen vor die Nase gehalten werden. Es ist halt nicht jeder ein Schittenhelm.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Pharmazeutische Dienstleistungen

von Karl Friedrich Müller am 12.09.2021 um 9:11 Uhr

PS: ist IMPFEN tatsächlich eine „pharmazeutische“ Dienstleistung? Nein, oder?
Ich sehe ärztliche Handlungen nicht als unseren Kompetenzbereich.

AW: Pharmazeutische Dienstleistungen

von Torben Schreiner am 12.09.2021 um 9:46 Uhr

In unserer Nachbarschaft drohen schon Mitglieder des Hausärzteverbundes denen, an den Modellprojekt-teilnehmenden Apotheken, mit Doc Mo.
Was bringt es uns immer weiter die Ärzteschaft zu erzürnen?
Impfen ist keine pharm. Tätigkeit.

AW: Pharmazeutische Dienstleistungen

von Conny am 12.09.2021 um 10:37 Uhr

@Herrn Schreiner : dummerweise hängen wir am Tropf der Ärzte.Es werden sich noch viele wundern, wo die ganzen Rezepte durch das E-Rezept hinwandern werden

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