100 Tage im Amt

Zambo: „Können keine Versicherung gegen politische Fehlentscheidungen anbieten“

Stuttgart - 12.08.2021, 09:15 Uhr

Zum 1. Mai übernahm Tatjana Zambo das Amt als Präsidentin des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg.(Foto: LAV Baden-Württemberg)

Zum 1. Mai übernahm Tatjana Zambo das Amt als Präsidentin des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg.(Foto: LAV Baden-Württemberg)


„ Wir schaffen die Grundlage, dass die Apotheken ihren Versorgungsauftrag erfüllen können“

Es gibt ja Stimmen, wie zum Beispiel die vom Nürtinger CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich, die meinen, dass eine Regionalisierung der pharmazeutischen Dienstleistungen dem System besser getan hätte. Teilen Sie diese Einschätzung? 

Nein. Die pharmazeutischen Dienstleistungen sollen von allen Apotheken erbracht werden und allen Versicherten in Deutschland zugutekommen. Übrigens nicht nur den gesetzlich Versicherten, sondern auch den Mitgliedern der PKV. Eine Regionalisierung würde das System ungerecht werden lassen. Es könnte einerseits zur Über- und andererseits zur Unterversorgung kommen. Daher plädiere ich stark dafür, dass sich in dieser Angelegenheit die Verbände auf Bundesebene einigen, auf die wir ja entsprechend auch Einfluss haben können. 

Die vergangenen eineinhalb Jahre haben auch verdeutlicht, mit welchen Risiken Unternehmen kalkulieren müssen – nicht nur durch die Corona-Pandemie. Im Fall der Apotheken gleicht die Insolvenz des Rechenzentrums AvP einer Zäsur. Auch die Hochwasserkatastrophe hat zuletzt gezeigt, wie schnell Existenzen zerbrechen können. Hinzu kommen Risiken im Bereich der Digitalisierung. Inwiefern unterstützen Sie Ihre Mitglieder bei der Prävention bzw. Bewältigung dieser Themen? 

Bei allem Verständnis für die prekäre Lage, in der sich die AvP- und Hochwassergeschädigten Kolleginnen und Kollegen befinden, müssen wir immer wieder realisieren, dass es ein unternehmerisches Risiko gibt, gegen das der LAV nicht wirken kann. Das müssen wir als Unternehmerinnen und Unternehmer selbst in die Hand nehmen. Wir können als Verband auch keine Versicherung gegen politische Fehlentscheidungen anbieten. Was wir aber tun, ist die Grundlage zu schaffen, dass die Apotheken ihren Versorgungsauftrag erfüllen können. Hierzu gehören wirtschaftliche Aspekte sowie die Verteidigung der Apothekenpflicht und des Fremdbesitzverbots. Und um die Vorteile der Digitalisierung, beispielsweise der E-Rezepte, zu genießen, muss man sich auch mit dem Thema Cyberangriffe auseinandersetzen. Dazu bieten wir unseren Mitgliedern entsprechende Beratungsangebote an, die wir auch noch weiterentwickeln werden. 

Frau Zambo, vielen Dank für das Gespräch. 



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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1 Kommentar

Unternehmerisches Risiko

von Nikolaus Guttenberger am 13.08.2021 um 15:27 Uhr

Bei Avp von „unternehmerischen Risiko“ zu sprechen, ist eine absolute Unverschämtheit. Ich empfehle der Dame den betreffenden Wikipedia Artikel dazu. Dass die Abrechnungsgelder zunächst von den Banken für eigene Fehlentscheidungen teilweise geklaut, und dann bei white & case versumpfen, hat absolut NICHTS mit betriebswirtschaftlichen Entscheidungen zu tun, die ein Apothekenleiter fällen könnte. Einen Totalverust bildet unser Honorar auch nirgendwo ab

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