Bitkom-Umfrage

Corona erhöht Interesse an digitalen Gesundheitsangeboten

Traunstein - 28.07.2021, 15:20 Uhr

Die Videosprechstunde profitiert zwar von der Pandemie. Dennoch sind viele Patienten und Patientinnen bislang zurückhaltend. (Foto: Михаил Решетников / AdobeStock)

Die Videosprechstunde profitiert zwar von der Pandemie. Dennoch sind viele Patienten und Patientinnen bislang zurückhaltend. (Foto: Михаил Решетников / AdobeStock)


Videosprechstunden bleiben auf niedrigem Niveau

Erstaunlicherweise ging die Verbreitung der Videosprechstunde in den vergangenen zwölf Monaten eher langsam voran. 14 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren haben ein solches digitales Angebot schon einmal genutzt, im Sommer 2020 waren es 13 Prozent und 5 Prozent 2019, heißt es in der Pressemeldung. Dabei haben vor allem die 50- bis 64-Jährigen die Videosprechstunde für sich entdeckt: 22 Prozent aus dieser Altersgruppe haben schon einmal einen digitalen Arztbesuch absolviert – 18 Prozent sind es bei den 16- bis 29-Jährigen und 15 Prozent bei den 30- bis 49-Jährigen. Bei den Älteren findet die Videosprechstunde allerdings kaum Anklang: Von den 65-Jährigen haben lediglich 3 Prozent schon einmal das Angebot genutzt. Hier dürfte die fehlende Affinität zum Internet der entscheidende Faktor sein, der von der Nutzung abhält. Das zeigt sich auch an der gesonderten Auswertung der Umfrageteilnehmer, die das Internet verwenden: 46 Prozent davon können sich die Nutzung der Videosprechstunde künftig vorstellen. 

Diejenigen, die bereits Videosprechstunden genutzt haben, sind weit überwiegend zufrieden: 53 Prozent beurteilen ihre Erfahrung als „eher gut“ und 43 Prozent als „gut“. Fast alle (95 Prozent) sind der Ansicht, das Angebot an Videosprechstunden solle ausgebaut werden und drei Viertel (74 Prozent) beurteilen die Behandlung als ebenso gut wie eine persönliche Behandlung in der Praxis.

Zwei Drittel wollen die elektronische Patientenakte

Groß ist das Interesse an der elektronischen Patientenakte (ePA): Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) wollen sie künftig gern nutzen, zum Zeitpunkt der Befragung im Mai hatten sie allerdings erst 0,2 Prozent in Gebrauch. Ein Fünftel (21 Prozent) hat kein Interesse an der ePA und ein Zehntel (10 Prozent) gibt an, sich bislang noch nicht damit befasst zu haben. Diejenigen, die sich bereits mit der ePA auseinandergesetzt haben, sehen als Vorteil vor allem, dass andere Ärzte Diagnosen etc. einsehen können (74 Prozent), 71 Prozent schätzen, dass sie selbst alle Infos auf einen Blick haben und 64 Prozent finden vorteilhaft, dass Doppeluntersuchungen vermieden werden. Diejenigen, die die ePA nicht nutzen wollen, befürchten vor allem, dass ihre Daten nicht sicher sind (56 Prozent), dass Eingabefehler passieren (52 Prozent) und dass die Beantragung zu aufwendig ist (31 Prozent).

Bitkom fordert hohes Digitalisierungs-Tempo nach der Wahl

Mit Blick auf die Bundestagswahl fordert Bitkom, die Digitalisierung des Gesundheitswesens weiter mit hohem Tempo voranzutreiben. „Die große Koalition hat die jahrelange Stagnation der Digitalisierung im Gesundheitswesen überwunden. Jetzt muss es weitergehen: Wichtig ist, die Akzeptanz bei den Versicherten und den Ärztinnen und Ärzten zu verbessern und die Potenziale für die Patientenversorgung ebenso wie für die Forschung tatsächlich zu realisieren“, so Rohleder. Konkret nennt er unter anderem eine bundesweite einheitliche Vernetzung zur Kontaktnachverfolgung, damit die Gesundheitsämter auf ein globales Phänomen wie die Corona-Pandemie schnell reagieren können, sowie ein zentrales digitales Impfregister, in dem Patientendaten pseudonymisiert hinterlegt sind. Zudem brauche es Anreize für Arztpraxen, ihre Systeme technisch auf den neuesten Stand zu bringen, um elektronische Patientenakte, E-Rezept und andere Bausteine der digitalen Versorgung Patienten anbieten zu können.



Dr. Christine Ahlheim (cha), Chefredakteurin AZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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