Interview mit Prof. Kremsner zum Curevac-Impfstoff

Hat CVnCoV noch eine Chance auf Zulassung?

Stuttgart - 28.06.2021, 17:50 Uhr

Könnte CVnCoV trotz der vorläufigen Wirksamkeit von lediglich 47 Prozent noch zugelassen werden? (Foto: IMAGO / photothek)

Könnte CVnCoV trotz der vorläufigen Wirksamkeit von lediglich 47 Prozent noch zugelassen werden? (Foto: IMAGO / photothek)


„AstraZeneca würde ich nicht mehr empfehlen“

Kritisch steht Kremsner mittlerweile dem Vektorimfpstoff von AstraZeneca gegenüber. Von Anfang an sei Vaxzevria „ganz klar der am schlechtesten wirksame Impfstoff“ gewesen: 60 Prozent gegen 95 Prozent bei den mRNA-Impfstoffen, erinnert Kremsner. Solange man jedoch keine großen Alternativen gehabt habe, hielt er den Einsatz für gerechtfertigt. Mittlerweile verfüge man jedoch weltweit über 14 zugelassene Impfstoffe, und allein in Europa könne man auf drei andere zurückgreifen, die mittlerweile auch ausreichend produziert würden. Daher rät Kremsner von der AstraZeneca-Vakzine klar ab: „Vaxzevria® ist zu schlecht wirksam und bei den Varianten noch schlechter wirksam, während Biontech/Pfizer und Moderna hier standhalten und auch der J & J-Impfstoff gut ist“. Auch seien Verträglichkeit und Sicherheit bei AstraZeneca „relativ schlecht“. Obwohl das Risiko nach einer Impfung zu versterben kaum größer sei als 1 zu 1.000.000, sei dieses bei den anderen Impfstoffen jedoch noch niedriger.

Als „guten Ansatz“ bewertet Kremsner Vektorimpfstoffe jedoch, wenn sie im Rahmen von heterologen Impfserien mit einem mRNA-Impfstoff kombiniert werden. „Die heterologe Impfung funktioniert hinsichtlich der Immunogenität besser“, argumentiert er. Bei der Wirksamkeit gebe es zwar noch keine ausreichenden Daten, doch geht er auch hier von einer verbesserten Impfeffektivität aus. Vor allem kann sich Kremsner hier den Johnson & Johnson Impfstoff als guten Partner mit mRNA-Impfstoffen für gemischte Impfserien vorstellen. Warum Johnson & Johnson und nicht AstraZeneca? „Die Wirksamkeit liegt nach einmaliger Johnson & Johnson-Impfung bereits bei 67 Prozent und damit höher als bei AstraZeneca, zudem treten tromboembolische Ereignisse unter der Janssen-Vakzine seltener auf als bei Vaxzevria“.

Novavax: „Exzellent“

Kurz und eindeutig fällt auch die Bewertung der noch nicht zugelassenen Novavax-Vakzine aus: „Exzellent“, so die Einschätzung von Kremsner, und das „in jeder Hinsicht“. Novavax hatte etwa zeitgleich mit Curevac Phase-III-Daten veröffentlicht und proklamiert für seinen Impfstoff eine Wirksamkeit von 90 Prozent. Nach Angaben von Novavax sollen auch die Varianten sehr gut adressiert werden. Novavax verfolgt ein anderes Prinzip als mRNA oder Vektor: Novavax enthält ein in Baculoviren und Insektenzelllinien rekombinant hergestelltes SARS-CoV-2-Spikeprotein, dessen immunstimulierende Wirkung durch ein Adjuvans auf Saponinbasis verstärkt wird.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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