Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts

Zunehmend Myokarditis-Meldungen nach COVID-19-Impfungen

Stuttgart - 14.06.2021, 17:50 Uhr

Das PEI hat bislang 90 Meldungen zu Herzmuskelentzündungen nach COVID-19-Impfungen erhalten, noch erkennt das Paul-Ehrlich-Institut kein Risikosignal. (Foto: jijomathai / AdobeStock)

Das PEI hat bislang 90 Meldungen zu Herzmuskelentzündungen nach COVID-19-Impfungen erhalten, noch erkennt das Paul-Ehrlich-Institut kein Risikosignal. (Foto: jijomathai / AdobeStock)


Wann treten erste Symptome auf?

Nicht immer liegen dem PEI Daten für eine vollumfängliche Auswertung der gemeldeten potenziellen Nebenwirkung vor – so auch zum Zeitintervall, in dem Patienten oder Ärzte über eine Myo- oder Perikarditis berichteten. Bei den Fällen, bei denen Informationen vorlagen, begannen nach Comirnaty®-Impfung die ersten Symptome im Mittel nach 9,4 Tagen (Median: 4 Tage), nach Moderna-Impfung lag der Median bei drei Tagen. Der Median beschreibt genau die Mitte einer Datensammlung: Eine Hälfte der Herzmuskelentzündungen begann weniger als drei (Moderna) oder vier (Biontech/Pfizer) Tage nach Impfung, die andere Hälfte später als drei beziehungsweise vier Tage.

Sechs Menschen gestorben, die meisten litten an Vorerkrankungen

Laut PEI sind bislang sechs Menschen, bei denen unter anderem eine Myokarditis festgestellt wurde, in zeitlichem Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung mit Comirnaty® verstorben – alle waren älter beziehungsweise hochbetagt (56 bis 90 Jahre), und fünf hatten bereits sicher zuvor an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelitten, „die als Todesursache in Fragen kommen“, erklärt das PEI. Ein 70 Jahre alter Patient verstarb Daten des PEI zufolge zwei Tage nach einer Vaxzevria®-Impfung an einem septischen Schock, akutem Nierenversagen und Myokarditis, allerdings fehlten weitere Informationen zu Vorerkrankungen, Begleitmedikation, sodass der Fall nicht abschließend bewertet werden könne.

Häufig milder Verlauf

Ein Drittel der Patienten sei zum Zeitpunkt der Meldung wieder genesen gewesen, oder es wurde über einen deutlich gebesserten Gesundheitszustand berichtet. Allerdings fehlen bei vielen Patienten – 53 von 90 – Daten zum Ausgang der Erkrankung, oder sie waren noch nicht vollständig gesundet. Doch meldet das PEI durchaus Positives: „Sofern der Verlauf der Erkrankung ausreichend dokumentiert wurde, sprachen die Patientinnen und Patienten, die zur medizinischen Versorgung vorgestellt wurden, zumeist gut auf Medikamente und Ruhe an und zeigten rasche Besserung der Symptome“, liest man im Sicherheitsbericht vom Juni. Auch diese Daten decken sich mit internationalen Beobachtungen: „Die meisten Fälle waren jedoch mild und klangen innerhalb weniger Wochen ab, was typisch für eine Myokarditis ist“, erklären die israelischen Wissenschaftler in „Science“. Und auch der Arbeitsgruppe des CDC zufolge „scheinen die meisten Verläufe mild“.

Genauer hinschauen

Das PEI rät, dass bei Auftreten von Symptomen wie akuten Brustschmerzen, Kurzatmigkeit oder Herzklopfen nach COVID-19-Impfungen die Patienten genauer auf eine Myo- oder Perikarditis untersucht werden sollen. Vor allem bei jungen Erwachsenen sei es unwahrscheinlicher, dass andere Herzerkrankungen oder -Ereignisse für die Symptome verantwortlich zeichneten. Zudem sollten bei Vorliegen einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung weitere mögliche Ursachen abgeklärt werden: Liegt vielleicht eine Infektion vor – auch mit SARS-CoV-2? Gibt es rheumatische Ursachen?

Kein Risikosignal

Trotz dieser Meldungen zu Myokarditiden und Perikarditiden erkennt das Paul-Ehrlich-Institut kein Risikosignal, auch wenn auffalle, dass vorwiegend jüngere Menschen betroffen sind, die aufgrund der Impfpriorisierung jedoch nicht die größte Impfgruppe ausmachen dürften. Leider könne man nicht feststellen, ob die aufgetretenen Fälle von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach COIVD-19-Impfung häufiger aufträten, als ohnehin in dieser Altersgruppe zu erwarten. Allerdings geht das PEI von einer hohen Dunkelziffer aus, da insbesondere milde Verläufe erst gar nicht erfasst und gemeldet würden.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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