BaWü: Hausärzte dürfen ohne Priorisierung impfen

Die Corona-News des Tages

Berlin - 12.05.2021, 07:00 Uhr

(Bild: filiz / AdobeStock)

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Kreise: Bayern gibt alle Corona-Impfstoffe in Arztpraxen frei / Ärzteverbände gegen Aufhebung der Corona-Impfpriorisierung / STIKO-Vorsitzender: Wollen Corona-Impfung für Kinder genau prüfen / Expertenurteil: schlechtes Coronamanagement bei WHO und Regierungen / Neues Pharma-Förderprogramm für Medikamente gegen COVID-19 / Pandemie: RKI warnt vor Ungeduld und zu frühen Öffnungen / Johnson kündigt Untersuchung zum Umgang der Regierung mit Pandemie an / EMA zuversichtlich: Impfstoffe schützen vor indischer Virus-Variante

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie überschlagen sich an manchen Tagen die Nachrichten zu COVID-19. 

Um Ihnen den Überblick zu erleichtern, bietet DAZ.online Ihnen hier einen Überblick über die wichtigsten Corona-News des Tages – direkt aus dem News-Kanal der Deutschen Presse-Agentur. 

Spahn warnt vor „Übermut“ bei Corona-Lockerungen / Frankreich: Nationalversammlung stimmt nun doch für Corona-Pass / Saar-Regierung bereitet Impfangebot für Kinder ab zwölf Jahren vor / Bundesweite 7-Tage-Inzidenz nähert sich der 100 / WHO: Indische Corona-Variante in mehr als 40 Ländern erfasst

16:05

EMA zuversichtlich: Impfstoffe schützen vor indischer Virus-Variante

AMSTERDAM (dpa-AFX) - Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) ist zuversichtlich, dass die bisher zugelassenen Impfstoffe auch vor der neuen indischen Virus-Variante schützen. Die bisher vorliegenden Daten seien "beruhigend" und deuteten auf einen "ausreichenden Schutz" hin, sagte der Direktor für Impfstrategie bei der EMA, Marco Cavaleri, am Mittwoch in Amsterdam. Die EMA-Experten würden weiterhin die Entwicklung sehr genau verfolgen und prüfen.

Bisher sind in der EU vier Corona-Impfstoffe zugelassen. Vier weitere werden zurzeit nach dem beschleunigten Rolling-Review-Verfahren geprüft. Die EMA erwartet vor allem in Bezug auf den deutschen Impfstoff Curevac und das amerikanische Novavax eine schnelle Entscheidung. Beim russischen Impfstoff Sputnik V würden zurzeit die Inspektionen der Produktionsstätten laufen. Das Prüfverfahren für das Präparat des chinesischen Herstellers Sinuvac ist erst kürzlich angelaufen.

15:00

Johnson kündigt Untersuchung zum Umgang der Regierung mit Pandemie an

London (dpa) - Die Reaktion der britischen Regierung auf die Coronavirus-Pandemie soll zum Gegenstand einer unabhängigen Untersuchung werden. Das kündigte der britische Premierminister Boris Johnson am Mittwoch im Parlament in London an. Ein Komitee werde die Befugnisse erhalten, auf alle relevanten Dokumente zugreifen zu können und Zeugenaussagen unter Eid zu hören, so der konservative Politiker. Die Untersuchung soll demnach frühestens im Frühjahr 2022 beginnen. «Dieses Land hat ein Trauma erlebt, wie kein anderes. Es ist absolut elementar für die Trauernden und das ganze Land, dass wir genau herausfinden, was geschehen ist», sagte der Premier.

Forderungen nach einer Untersuchung gibt es bereits seit Monaten. Die Organisation «Covid-19 Bereaved Families for Justice», in der sich Angehörige von Corona-Toten zusammengeschlossen haben, hat in den vergangenen Wochen medienwirksam den Druck erhöht. Am Themse-Ufer gegenüber des britischen Parlaments malten die Hinterbliebenen auf eine kilometerlange Mauer Tausende rote Herzen in Gedenken an die Opfer. Mitgründer Matt Fowler hofft darauf, dass aus den Ergebnissen einer Aufarbeitung für künftige Pandemien und Notsituationen gelernt werden kann.

Das Vereinigte Königreich ist eines der am härtesten von der Pandemie getroffenen Länder Europas, mit oder an Covid-19 starben dort seit Beginn der Pandemie mehr als 150.000 Menschen. Im vergangenen Jahr musste sich die Regierung in London schwere Vorwürfe gefallen lassen, weil sie nur zögerlich Lockdown-Maßnahmen verhängte und es an Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten mangelte.

Inzwischen sind die Fallzahlen jedoch stark gesunken - dank harter Lockdown-Maßnahmen, die nun nach und nach aufgehoben werden, sowie eines erfolgreichen Impfprogramms. Mittlerweile sind rund ein Drittel aller Erwachsenen in dem Land - rund 18 Millionen Menschen - vollständig geimpft.

13:13

Neues Pharma-Förderprogramm für Medikamente gegen COVID-19 

Berlin (dpa) - Pharmafirmen können sich ab diesem Freitag um einen millionenschweren Fördertopf für die Entwicklung neuer Arzneimittel gegen COVID-19 bewerben. Das neue Programm habe einen Umfang von 300 Millionen Euro, teilten das Bundesministerium für Gesundheit und das Bundesministerium für Bildung und Forschung am Mittwoch mit. Ziel sei, dass in den beiden ersten klinischen Phasen erfolgreich getestete Therapeutika-Kandidaten schnellstmöglich bei Patienten in Deutschland ankommen.

Es gehe in dieser dritten Phase um Studien mit tausenden Probanden, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Wirkungsvolle Therapien könnten der COVID-19-Erkrankung ihren Schrecken nehmen. In der Pandemie stünden bisher nur wenige Medikamente zur Behandlung von COVID-19 zur Verfügung, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Eine «Wunderpille» werde es wahrscheinlich auch so schnell nicht geben. Forschung sei dennoch dringend nötig. «Wir müssen leider damit rechnen, dass selbst bei einer hohen Impfrate Menschen weiter an COVID-19 erkranken», sagte die Ministerin.

Mit derzeit laufenden Förderprogrammen werden Studien nach dem Abschluss der präklinischen Untersuchungen unterstützt (Phasen I-IIb). Der neue Fördertopf zielt auf den letzten großen Test (Phase III) bis zur möglichen Zulassung und Markteinführung eines Medikaments.

12:37

Hausärzte dürfen ohne Priorisierung impfen – Berufsgruppen vorgezogen

Stuttgart (dpa/lsw) - Zwei wichtige Änderungen in der Corona-Impfkampagne in Baden-Württemberg sind nun amtlich: Ab Montag müssen sich niedergelassene Ärztinnen und Ärzte nicht mehr an die staatlich vorgegebene Priorisierung halten - sondern können selbst entscheiden, wer die Impfung zuerst braucht. Das gelte für sämtliche Impfstoffe und nicht wie bisher nur in Bezug auf das Vakzin von AstraZeneca, teilte das Sozialministerium in Stuttgart am Mittwoch mit. Zudem können ab Montag Verkäuferinnen, Busfahrer und andere Berufsgruppen aus der dritten Prioritätsgruppe in den Impfzentren Termine vereinbaren. Zuerst hatten «Stuttgarter Zeitung» und «Stuttgarter Nachrichten» über die Pläne berichtet (Mittwoch).

In den Impfzentren bleibt die Priorisierung den Angaben nach erhalten, damit dort Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf oder mit hohem Ansteckungsrisiko auf jeden Fall zuerst geimpft werden. «Trotz einzelner Drängler impfen wir weiter erfolgreich die Schutzbedürftigen zuerst», erklärte Minister Manne Lucha (Grüne). Ab Montag zusätzlich impfberechtigt sind Menschen, die im Arbeitsalltag einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Dazu zählen Mitarbeiter des Lebensmitteleinzelhandels, in Apotheken und Beratungsstellen, in der Wasser- und Energieversorgung, in Tafelläden, bei körpernahen Dienstleistungen, in Fahrschulen sowie Personen in besonders relevanter Position in Verwaltungen oder Justiz, bei der Bundeswehr, Polizei oder Feuerwehr, beim Zoll und Katastrophenschutz. «Dabei geht es allerdings nicht um die hierarchische Stellung, sondern um die Funktion im Unternehmen und die Ansteckungsgefahr», erläuterte das Ministerium. Auch wer regelmäßig ehren- und nebenamtlich im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe oder in Schulen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hat oder an Hochschulen tätig ist, kann sich nun impfen lassen. Gleiches gilt zum Beispiel für Saisonarbeiter, Pflegeeltern und Journalisten.

Rund ein Drittel der Menschen in Baden-Württemberg hat schon mindestens eine erste Impfung erhalten. «Bei den über 60-Jährigen geht die Impfquote bereits auf die 70 Prozent zu, das ist ein großer Erfolg für die Pandemiebekämpfung», sagte Lucha. Nach wie vor übersteige die Nachfrage nach Impfterminen allerdings das Angebot an Impfstoffen deutlich. Ab Juni sollten die Impfstoffmengen an die niedergelassenen Ärzte steigen, dann würden auch Betriebsärzte nach und nach in das Impfen einbezogen, hieß es. Beim Bund setze sich das Land zudem für mehr Impfstoff für die Impfzentren ein.

12:10

Pandemie: RKI warnt vor Ungeduld und zu frühen Öffnungen

Berlin (dpa) - Trotz bundesweit sinkender Inzidenz-Zahlen in der Pandemie hat das Robert Koch-Institut zur Geduld gemahnt und vor zu frühen Öffnungen gewarnt. «Bei aller Zuversicht dürfen wir bitte eines nicht vergessen: Diese Pandemie ist ja nicht vorbei», sagt RKI-Präsident Lothar Wieler am Mittwoch. Es erkrankten nun vor allem die Jüngeren, darunter viele Schülerinnen und Schüler sowie junge Erwachsene. Und es gebe noch immer rund 1.000 Todesfälle pro Woche. «Die Situation ist weiter ernst.»

Doch auch erfreuliche Fortschritte seien zu erkennen. «Die Inzidenzen sinken in allen Altersgruppen und in allen Bundesländern», sagte Wieler. Sie nähern sich der Schwelle von 100. Ein Drittel der Bundesbürger habe inzwischen mindestens eine Impfdosis erhalten. Einer von zehn sei bereits vollständig geimpft - darunter vor allem die Älteren. «Die Impfquote allein reicht aber noch nicht aus», betonte Wieler. Um die Pandemie zu beenden, müssten 80 Prozent der Bevölkerung die Infektion entweder durchgemacht haben oder geimpft sein. «Wenn wir zu früh öffnen, würde sich das Virus wieder verbreiten».

Deshalb sei es wichtig, alle Corona-Regeln wie Maske-Tragen, Abstandhalten und Lüften weiter zu beherzigen und Testangebote wahrzunehmen. Denn es dürfe nicht auf den letzten Metern zu neuen Infektionen, Erkrankungen, Langzeitfolgen und Todesfällen kommen.

12:00

Expertenurteil: schlechtes Coronamanagement bei WHO und Regierungen

Genf (dpa) - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Regierungen in aller Welt haben im vergangenen Jahr zu langsam auf erste Alarmzeichen einer möglichen Gesundheitsbedrohung reagiert. Dieses Fazit zieht eine von der WHO bestellte unabhängige Expertenkommission in einem am Mittwoch in Genf vorgelegten Bericht.

«Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass das System, wie es zurzeit besteht, nicht geeignet ist zu verhindern, dass sich mit einem neuen und hochansteckenden Erreger, der jeden Augenblick auftauchen könnte, eine Pandemie entwickelt», heißt es in dem Bericht.

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Die Expertinnen und Experten legen zahlreiche Empfehlungen vor, wie die Welt sich besser auf eine neue Bedrohung einstellen kann. Darunter ist ein Milliardenfonds, den reiche Länder finanzieren sollen, um Vorkehrungen gegen eine neue Pandemie treffen zu können.

11:56

Spahn warnt vor „Übermut“ bei Corona-Lockerungen

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat trotz der Entspannung der Corona-Lage zu weiterer Vorsicht gemahnt. Mit sinkenden Infektionszahlen und auf den Intensivstationen gehe «alles in die richtige Richtung», sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Es gelte nun aber, sehr aufzupassen, dass Zuversicht nicht zu Übermut werde und es kein Zuviel an Kontakten und Lockerungen gebe. Es werde sich erst in den nächsten Wochen entscheiden, ob die Lage auch im Sommer insgesamt besser sei. Auf allen politischen Ebenen sei daher die Bereitschaft nötig, im Fall steigender Infektionen schnell auch wieder Beschränkungen einzuführen und nicht lange zu warten.

Wie Spahn sagte, beschloss das Kabinett erstmals bundeseinheitliche Regeln für Einreisen nach Deutschland, nachdem es bisher Verordnungen der Länder gab. Demnach sollen unter anderem für vollständig Geimpfte und Genesene Testpflichten und Quarantänevorgaben wegfallen – es sei denn man kommt aus einem Gebiet mit ansteckenderen Virus-Varianten.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz nähert sich bei sinkenden Fallzahlen nun der Schwelle von 100. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch bei 107,8 (Vortag: 115,4; Vorwoche: 132,8). Die Schwelle von 100 ist in der sogenannten Bundesnotbremse für besonders hohes Infektionsgeschehen genannt – wird sie in einer Region für mehrere Tage über- oder unterschritten, müssen schärfere Maßnahmen greifen oder können wieder ausgesetzt werden.

11:51

Frankreich: Nationalversammlung stimmt nun doch für Corona-Pass

Paris (dpa) - Nach einer überraschenden Ablehnung hat der Corona-Gesundheitspass doch noch Zustimmung in Frankreichs Nationalversammlung erhalten. In der Nacht zu Mittwoch votierten 208 Abgeordnete in zweiter Beratung für die geplanten Regelungen zum Ausstieg aus dem Gesundheitsnotstand und 85 dagegen. Der Corona-Pass war Teil des Pakets. Der entsprechende Artikel des Gesetzesentwurfs war bei der Abstimmung am Dienstag zunächst an der Fraktion Mouvement Démocrate (MoDem) gescheitert, die eigentlich die Partei von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, La République en Marche (LREM), unterstützt und ihm so eine Mehrheit sichert.

Macron hatte den Gesundheitspass als ein zentrales Instrument bei den Corona-Lockerungen bezeichnet. Der Pass soll den Zugang zu bestimmten Orten, Einrichtungen oder Veranstaltungen mit großen Menschenansammlungen regeln. Mit ihm sollen die Menschen etwa einen negativen Corona-Test oder eine Impfung nachweisen können.

Als Reaktion auf die Niederlage des Vorhabens am Abend machte Frankreichs Regierung in der Nacht Zugeständnisse. Sie soll nun nur noch bis Ende September Freiheiten im Zuge der Pandemiebekämpfung einschränken können. Ursprünglich war hierfür ein Zeitraum bis Ende Oktober anvisiert worden. Trotz der Kritik, dass die Regelungen zum Gesundheitspass zu schwammig sind, wurde der Gesetzesentwurf an dieser Stelle nicht weiter verändert. Nach der Nationalversammlung muss nun noch der Senat als zweite Kammer des Parlaments über das Vorhaben abstimmen.

11:25

Kreise: Bayern gibt alle Corona-Impfstoffe in Arztpraxen frei

München (dpa) - Bayern will ab kommendem Montag die Priorisierungen für alle Corona-Impfstoffe bei Hausärzten aufheben. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch nach Angaben von Teilnehmern in einer Rede bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in München an. In den Impfzentren soll es demnach aber bei dem bisherigen Verfahren mit Priorisierungen bleiben.

10:20

Saar-Regierung bereitet Impfangebot für Kinder ab zwölf Jahren vor

Saarbrücken (dpa/lrs) - Im Saarland sollen Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren noch im Sommer die Möglichkeit zur Impfung gegen das Coronavirus bekommen. «Unser Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen so schnell es geht ein Impfangebot zu machen», sagte Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) am Mittwoch vor dem Landtag in Saarbrücken. Sie hoffe, dass das Impfangebot bis zum August erfolgen könne.

Im Saarland geht es dabei um etwa 60.000 Kinder ab zwölf Jahren. Die Impfkampagne soll auf sie ausgedehnt werden, sobald die Europäische Arzneimittelbehörde EMA einen Impfstoff dafür freigibt. Die EMA prüft derzeit in einem Eilverfahren die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren.

Die beiden Oppositionsparteien im saarländischen Landtag, die Linke und die AfD, lehnen eine mögliche Impfung von Kindern gegen Covid-19 ab. «Das halten wir für nicht verantwortlich», sagte der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine. «Wir sind strikt gegen eine Zwangsimpfung von Kindern. Und wir sind strikt dagegen, überhaupt Kinder zu impfen, bis gesicherte Ergebnisse vorliegen», sagte der AfD-Fraktionschef Josef Dörr. Im knapp eine Million Einwohner zählenden Saarland haben nach Bachmanns Angaben bisher 500.000 Menschen die Erstimpfung erhalten. 100.000 sind zum zweiten Mal geimpft.

9:23

Bundesweite 7-Tage-Inzidenz nähert sich der 100

Berlin (dpa) - Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz nähert sich bei stetig sinkenden Fallzahlen nun der Schwelle von 100. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag nach den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) am Mittwoch bei 107,8 (Vortag: 115,4; Vorwoche: 132,8). Der Wert sinkt in allen Altersgruppen. Einen Höchststand hatte die bundesweite Inzidenz während der dritten Welle am 26. April mit 169,3 erreicht.

Die Hälfte der Bundesländer liegt in der Corona-Pandemie mittlerweile unter dem politisch maßgeblichen Wert von 100. Den RKI-Daten zufolge sieht es in Schleswig-Holstein mit 49 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche besonders gut aus. Auch in Hamburg (67), Niedersachsen (78), Mecklenburg-Vorpommern (78) und Brandenburg (82) liegen die Werte deutlich unter der 100er Marke. Etwas knapper ist es in Rheinland-Pfalz (93), Bremen (90) und Berlin (86). Nur noch knapp über 100 liegen das Saarland (105) und Bayern (107). Schlusslichter sind weiterhin Sachsen (144) und Thüringen (168).

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz geht seit etwa zwei Wochen kontinuierlich zurück. Auch andere Kennzahlen wie der R-Wert und die Belegung der Intensivbetten mit Corona-Patienten weisen auf Entspannung hin. Das kann am Verhalten der Menschen liegen, aber auch am Fortschritt beim Impfen. Zudem sind Effekte der Bundes-Notbremse denkbar. Sie greift, wenn die Inzidenz auf Kreisebene an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 liegt. Dann gelten automatisch strengere Regeln wie Ausgangsbeschränkungen.

Auf Kreisebene dürften in den nächsten Tagen immer mehr Regionen in den Genuss von Lockerungen kommen. Derzeit liegt die Inzidenz laut RKI bereits in mehr als 190 von 412 erfassten Kreisen und kreisfreien Städten unter 100. Wenn der Wert an fünf Tagen hintereinander unter 100 liegt, treten die Regeln der Bundes-Notbremse zwei Tage später außer Kraft.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 14.909 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus den Zahlen vom Mittwochmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.13 Uhr wiedergeben. Die Daten sollten nach RKI-Angaben Nachmeldungen vom Vortag aus Brandenburg enthalten.

Vor einer Woche hatte der Wert bei 18.034 Neuansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden den Angaben zufolge binnen 24 Stunden 268 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 285 Tote. Ein Rückgang der Infektionszahlen schlägt sich stets verzögert bei der Zahl der Todesfälle nieder, da die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Tod meist mehrere Wochen beträgt.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie insgesamt 3.548.285 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.220.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 85.380.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Dienstagabend bei 0,83 (Vortag: 0,88). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 83 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

8:10

WHO: Indische Corona-Variante in mehr als 40 Ländern erfasst

GENF (dpa-AFX) - Die zunächst in Indien entdeckte Corona-Variante B.1.617 ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen in mehr als 40 Ländern nachgewiesen worden. Mehr als 4.500 analysierte Gensequenzen aus 44 Ländern seien B.1.617 zugeordnet worden, zudem lägen Meldungen über Nachweise aus fünf weiteren Ländern vor, teilte die Behörde in Genf am Dienstag mit. Am Montag hatte die UN-Behörde die Variante als "besorgniserregend" eingestuft. Zuvor hatte die WHO nur zunächst in Großbritannien, Südafrika und Brasilien erfasste Varianten so bezeichnet.

Potenziell bedrohliche Varianten von Sars-CoV-2 werden von der WHO in zwei Kategorien einteilt: Varianten unter Beobachtung ("variants of interest") sowie besorgniserregende Varianten ("variants of concern"). Letztere sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar und/oder führen zu schwereren Krankheitsverläufen.

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Es gebe Hinweise auf höhere Übertragungsraten bei B.1.617, eine rasche Verbreitung in mehreren Ländern sei beobachtet worden, hieß es von der WHO. Ob die Wirksamkeit von Impfstoffen oder Medikamenten bei der Mutante eingeschränkt sei, sei noch unklar. Erste Ergebnisse von Laborstudien deuteten auf eine "mäßige Verringerung der Neutralisierung durch Antikörper" hin. Inwiefern das tatsächlich Auswirkungen etwa auf die Wirkung von Impfstoffen und Medikamenten und das Risiko für erneute Infektionen hat, lässt sich aber noch nicht gesichert sagen.

In Indien stecken sich derzeit täglich Hunderttausende mit Sars-CoV-2 an. Seit Beginn der Pandemie sind in dem südasiatischen Land mehr als 22,9 Infektionen erfasst worden. Bei lediglich rund 0,1 Prozent der positiv auf Corona getesteten Proben sei eine Gensequenzierung zur Variantenbestimmung durchgeführt worden, teilte die WHO mit. Außerhalb Indiens meldete demnach bislang Großbritannien die höchste Anzahl an Infektionen mit der Variante B.1.617. Dort werden vergleichsweise viele Proben sequenziert.

Nach WHO-Angaben sinkt die Zahl der Neuinfektionen in den meisten Regionen der Welt derzeit, einschließlich Europa und dem amerikanischen Kontinent. In Südasien und Südostasien gibt es jedoch weiter einen starken Anstieg. Weltweit wurden vergangene Woche mehr als 5,5 Millionen Fälle und rund 90.000 Tote im Zusammenhang mit der Pandemie gezählt.

5:18

STIKO-Vorsitzender: Wollen Corona-Impfung für Kinder genau prüfen

BERLIN (dpa-AFX) - In der Debatte um künftige Corona-Impfungen auch für Kinder und Jugendliche hat der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission zu Geduld gemahnt. "Wir wollen in jedem Fall die Daten zur Impfung von Kindern genau prüfen, bevor eine generelle Impfempfehlung für Kinder gegeben werden kann", sagte Thomas Mertens der Zeitung "Die Welt" (Mittwoch). "Derzeit diskutierte Argumente wie Urlaub können nicht die primären entscheidungsrelevanten Argumente der STIKO sein." Wenn die Zulassung für Kinder von 12 bis 15 Jahren erteilt sei, "dann sollten tatsächlich Kinder mit schweren Vorerkrankungen zuerst geimpft werden".

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Dienstag bekräftigt, dass bis zum Ende der Sommerferien den 12- bis 18-Jährigen in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden soll. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) stellte in Aussicht, dass sie noch im Mai über eine Zulassung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer für Jugendliche entscheiden könnte.

2:10

Ärzteverbände gegen Aufhebung der Corona-Impfpriorisierung

Berlin (dpa) - Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes haben sich dafür ausgesprochen, Corona-Impfstoffe auch weiterhin gemäß der Priorisierung zu verabreichen. «Ich halte es für falsch, die Impfpriorisierung jetzt schon komplett preiszugeben», sagte Marburger-Bund-Chefin Susanne Johna der «Rheinischen Post» (Mittwoch). «Es sind ja noch gar nicht alle Personen mit Vorerkrankungen und erhöhtem Risiko geimpft. Die sollten auch in den Impfzentren noch Vorrang haben.» Bund und Länder dürften bei ihren Entscheidungen nicht der Devise «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst» Vorschub leisten. Dann hätten die «Schwächeren, die am wenigsten drängeln, am Ende das Nachsehen.»

Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, sagte der «Rheinischen Post»: «So lange eine Knappheit an Impfstoffdosen besteht, ist die Priorisierung für die Hausärztinnen und Hausärzte eine wichtige Leitlinie, um besonders gefährdete Patientinnen und Patienten schnell auszumachen und frühzeitig zu schützen.» Zugleich sprach er sich aber für ein der Situation angepasstes Vorgehen der Ärzte vor Ort aus. «Ein starres Festhalten, vielleicht sogar noch über Länder mit unterschiedlichem Impffortschritt hinweg, wäre sinnlos, ja sogar hinderlich.» Flexibilität und Pragmatismus brächten die Impfkampagne bereits jetzt voran. Wenn etwa kurz vor Praxisschluss noch Impfstoff übrig sei, dann sollte dieser unabhängig von der Priorisierung noch verabreicht werden.

Weigeldts Vorstandskollegin Anke Richter-Scheer berichtete der Funke Mediengruppe (Mittwoch) von einer zunehmend aufgeheizten Stimmung in den Impfzentren wegen immer mehr Vordränglern. «Wir erleben jeden Tag Diskussionen mit Leuten, die jetzt unbedingt schnell geimpft werden wollen, obwohl sie noch nicht an der Reihe sind. Die Stimmung wird aggressiv», erklärte die stellvertretende Verbandsvorsitzende. Das liege auch daran, dass die Priorisierung immer weiter ausgeweitet werde, «sodass es für viele immer weniger nachvollziehbar ist, warum der eine schneller an der Reihe sein soll als der andere.» Hinzu komme, dass viele
jetzt ihre Zweitimpfung vorziehen wollten, um so schnell wie möglich von Erleichterungen für Geimpfte zu profitieren oder sorglos in den Urlaub fahren zu können.


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