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Was tun bei Krämpfen in der Schwangerschaft?

Stuttgart - 22.06.2021, 09:29 Uhr

Einzelne Studien weisen auf eine Linderung von Muskelkrämpfen in der Schwangerschaft hin, sowohl bezüglich der Häufigkeit als auch der Schmerzintensität. (Foto: PR Image Factory / AdobeStock)
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Einzelne Studien weisen auf eine Linderung von Muskelkrämpfen in der Schwangerschaft hin, sowohl bezüglich der Häufigkeit als auch der Schmerzintensität. (Foto: PR Image Factory / AdobeStock)


„Der Körper leistet doppelte Arbeit“ – so oft die Idee bei Schwangeren. Schließlich muss ja nicht nur die Mutter, sondern auch das werdende Kind mitversorgt werden. Jedoch heißt das nicht automatisch, dass alle Mineralstoffe und Vitamine nun in doppelter Menge benötigt werden. Der Mehrbedarf an Magnesium bei Schwangeren ist gering. Dennoch kann die Gabe von Magnesium in der Schwangerschaft durchaus sinnvoll sein. Wann ist dies der Fall, und was ist zu beachten?

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt der Magnesiumbedarf einer nicht schwangeren Frau bei 300 mg/Tag, bei Schwangeren sind es gerade einmal 10 mg mehr. Dieser Mehrbedarf kann gut über die Nahrung gedeckt werden. Dennoch kann die Einnahme eines Magnesiumpräparats sinnvoll sein und zwar dann, wenn die Schwangere unter Krämpfen leidet. Beinkrämpfe sind vor allem im dritten Trimester ein häufiges Problem in der Schwangerschaft. Sie werden als plötzliche, schmerzhafte, unwillkürliche Kontraktion der Beinmuskulatur wahrgenommen und können die täglichen Aktivitäten beeinträchtigen. Ebenso können nächtliche Krämpfe den Schlaf stören und dadurch die Lebensqualität beeinträchtigen.

Der Cochrane-Database zufolge ist die Evidenz für die Wirksamkeit von Magnesium bei Beinkrämpfen in der Schwangerschaft insgesamt eher gering – ebenso für Calcium, Calcium-Vitamin-D-Kombinationen, Vitamin B, Vitamin D oder Vitamin C –, was aber in erster Linie an der geringen Stichprobengröße und den schlechten Studiendesigns der vorliegenden Studien liegt. Einzelne Studien weisen hingegen durchaus auf eine Linderung von Krämpfen in der Schwangerschaft hin, sowohl bezüglich der Häufigkeit als auch der Schmerzintensität.

Magnesiumreiche Ernährung, viel Bewegung und unterstützend Magnesiumpräparate

Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF), empfiehlt bei Wadenkrämpfen zunächst den Arzt zu konsultieren, da Schwangere ein fünfmal höheres Risiko für eine Thrombose haben. Liegt den Krämpfen keine Thrombose oder Venenentzündung zugrunde, können eine magnesiumreiche Ernährung und viel Bewegung vorbeugend wirken. Natürliche Magnesium-Quellen stellen Hülsenfrüchte, Vollkornbrot, Käse, Nüsse und Milch dar. „Nach Absprache mit dem behandelnden Frauenarzt kann auch ein Magnesiumpräparat unterstützend eingesetzt werden“, so Albring.

Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. gehen deutlich darüber hinaus. Sie raten, dass jede Schwangere mit 240 bis 480 mg/Tag Magnesium supplementiert werden soll und zwar so früh wie möglich. Auch sollte die Supplementierung nicht einige Wochen vor der Geburt abgesetzt werden, da ein Einfluss auf den Beginn spontaner Wehentätigkeit am Termin nach Meinung der Gesellschaft nicht festgestellt werden konnte.

Eine Schwangere mit Wadenkrämpfen – was tun?

Kommt nun eine Schwangere mit Wadenkrämpfen in die Apotheke, sollte zunächst abgeklärt werden, ob eine Thrombose bereits ausgeschlossen wurde. Vor allem bei nur einseitig auftretenden Beschwerden ist Vorsicht geboten. Liegt keine Thrombose vor, kann aufgrund der großen therapeutischen Breite von Magnesium von der Schwangeren getestet werden, ob ein Magnesiumpräparat individuell Linderung verschafft. Die Einnahme kann unabhängig vom Essen und zu jeder Tageszeit erfolgen. Möglich Nebenwirkungen sind weiche Stühle sowie Durchfall. Treten diese Beschwerden bei Gaben von 300 bis 400 mg/Tag auf, stehen auch Präparate mit niedrigerer Magnesiummenge zur Verfügung.

 

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Magnesium, https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/magnesium/?L=0

Lou L. et al., Interventions for leg cramps during pregnancy,. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 12. Art. No.: CD010655.

Chayanis S., Oral magnesium for relief in pregnancy‐induced leg cramps: a randomised controlled trial, Matern Child Nutr. 2015 Apr; 11(2): 139–145.

https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/schwangerschaft-bei-wadenkraempfen-thrombose-ausschliessen/

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Magnesiumforschung: Spätling L., et al. Frauenarzt Magnesiumsupplementation in der Schwangerschaft 2015; 56: 892-897


Dr. Sabine Fischer, Apothekerin, DAZ-Autorin
redaktion@daz.online


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