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Magnesium als Granulat und Co. – worauf man achten sollte

14.04.2021, 13:56 Uhr

Sind organische Magnesiumsalze wie Citrat, Aspartat, Aspartat-Hydrochlorid, Gluconat oder Aminosäurenkomplexe besser bioverfügbar als anorganische Salze wie Magnesiumcarbonat, -oxid oder -sulfat? (Foto: Tino Neitz / AdobeStock)
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Sind organische Magnesiumsalze wie Citrat, Aspartat, Aspartat-Hydrochlorid, Gluconat oder Aminosäurenkomplexe besser bioverfügbar als anorganische Salze wie Magnesiumcarbonat, -oxid oder -sulfat? (Foto: Tino Neitz / AdobeStock)


Ultra direkt, extra, fortissimo, fruchtig oder doch lieber depot? Magnesium gibt es mittlerweile in allen denkbaren Farben, Formen und Superlativen. Die prall gefüllten Regale in Supermärkten und Drogerien lassen den Markt noch unübersichtlicher werden. Da helfen auch keine Sternchen-Bewertungen bei Amazon, wie es der „Stern“ seinen Lesern in einem aktuellen Test weismachen möchte. Echten Verbraucherschutz leistet die Apotheke vor Ort, indem sie zu Präparaten in sinnvollen Dosierungen und galenischen Formulierungen berät – ein Überblick.

Es gilt als erwiesen, dass organische Magnesiumsalze wie Citrat, Aspartat, Aspartat-Hydrochlorid, Gluconat oder als Aminosäurenkomplex besser bioverfügbar sind als anorganische Salze wie Magnesiumcarbonat, -oxid oder -sulfat. Für das klinische Ergebnis scheint das aber keine Rolle zu spielen – zumindest nicht bei gesunden Personen. Bei Patienten mit eingeschränkter Magensäuresekretion (z. B. wegen Gastritis oder Antazida) sind anorganische Salze schlechter löslich. Hier sollte beispielsweise Magnesiumcitrat der Vorzug gegeben werden.

Anorganisches oder organisches Salz?

Aus technologischer Sicht haben dagegen anorganische Magnesiumverbindungen einen entscheidenden Vorteil: Sie haben eine niedrigere Molmasse (Mr) als organische Salze. Die Relation zum reinen Magnesium ist damit günstiger und man braucht weniger Substanz. Für Magnesiumoxid (Mr = 40,3 g/mol) bedeutet das konkret, dass in einer Dosiseinheit nur knapp das Doppelte der gewünschten Magnesium-Menge (Mr = 24,3 g/mol) plus Hilfsstoffe untergebracht werden müssen. Hingegen: „Organische Magnesiumverbindungen bestehen nur zu ca. 5 Prozent aus Magnesium. Das heißt, für 100 mg Magnesium benötigt man 2.000 mg des organischen Salzes, was sich in einer schluckbaren Tablette kaum unterbringen lässt“, erläutert Prof. Rolf Daniels von der Pharmazeutischen Technologie an der Universität Tübingen. Dies ist der Grund, warum hoch dosierte Magnesium-Präparate (>300 mg) mit organischen Salzen meist als Granulate, Brause- oder Kautabletten verarbeitet werden.

Dragée, Brausetablette oder Direktgranulat?

Welche Darreichungsform bevorzugt wird, ist reine Geschmackssache – im wahrsten Sinne: Zur Auswahl stehen Präparate mit Zitrone, Orange, Maracuja, Minze, Grapefruit und anderen Aromen. Brausetabletten und Granulate zum Trinken werden mit Wasser eingenommen, was dem Flüssigkeitshaushalt sicher nicht schaden kann. Pharmakokinetische Vorteile haben sie Prof. Daniels zufolge nicht, aber sie erlauben es, größere Mengen auf einmal zu applizieren. Zwei Gramm Masse und mehr sind in diesem Fall kein Problem. Dragees enthalten aus galenischen Gründen weniger Wirkstoffmenge und müssen für die gleiche Magnesium-Zufuhr mehrmals am Tag eingenommen werden.

Mehrmals täglich oder lieber auf einmal?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Männer über 25 Jahre 350 mg Magnesium pro Tag, für Frauen 300 mg. Da Magnesium besser resorbiert wird, je größer der Bedarf ist, wird allgemein empfohlen, kleinere Mengen über den Tag verteilt einzunehmen. Für Personen, die einen vollen Medikationsplan oder Schwierigkeiten haben, mehrmals am Tag an die Tabletten-Gaben zu denken, kann es jedoch sinnvoller sein, die Gesamttagesdosis auf einmal einzunehmen.

Was hat es mit 2-Phasen-Präparaten auf sich?

Magnesium wird über den gesamten Dünn- und Dickdarm resorbiert. Dies ließ die Idee aufkommen, Salze mit unterschiedlicher Löslichkeit in einer Darreichungsform zu vereinen, um die gesamte intestinale Passagezeit auszunutzen. In diesen sogenannten 2-Phasen-Präparaten (z. B. Magnesium-Diasporal® DEPOT Muskeln + Nerven, Magnetrans duo-aktiv) gibt es eine „Sofort-Phase“ mit einem organischen Salz (z. B. Citrat), das im oberen Dünndarm aufgenommen wird und schnell wirken soll, und eine „Depot-Phase“ mit einer anorganischen Verbindung (z. B. Carbonat, Oxid), die erst in tieferen Darmabschnitten resorbiert wird.

Prof. Daniels findet diesen Ansatz durchaus sinnvoll: „Bei der Magnesium-Substitution geht es darum, die Speicher wieder aufzufüllen. Hohe Dosen, die schnell freigesetzt und resorbiert werden, gehen auch rasch wieder über die Nieren verloren. Es ist offensichtlich biopharmazeutisch von Vorteil, wenn die Magnesium-Dosis über einen längeren Zeitraum freigesetzt und resorbiert wird.“

Frei von Zucker, Lactose und Gluten?

Hilfsstoffe erfahren in der heutigen Zeit immer größere Aufmerksamkeit und können die Wahl des Präparats beeinflussen. Wer Zucker meidet, sollte prinzipiell auf Dragees verzichten, da diese von einem Zuckermantel umgeben sind, der etwa 20 bis 30 Prozent ihrer Masse ausmacht. In diesem Fall empfehlen sich Filmtabletten oder Kapseln. Auch Direktgranulate, Brausetabletten und Kautabletten gibt es zuckerfrei, dafür enthalten sie häufig ein Süßungsmittel (z. B. Sorbit). Insbesondere Diabetiker müssen aufmerksam sein, wie viele Broteinheiten in einem Magnesiumpräparat versteckt sind. Kalorien werden vor allem bei Direktgranulaten, Kautabletten und Trinkgranulaten relevant. Ob ein Präparat lactosefrei und glutenfrei ist, wird aus Marketinggründen meist schon auf den Umkarton gedruckt. Auch an Vegetarier und Veganer wird in der Werbung gedacht. Vegane Kapseln dürfen beispielsweise keine Gelatine enthalten (z. B. Magnesium Verla purKaps).

Apothekenpflichtiges Arzneimittel oder freiverkäufliches Nahrungsergänzungsmittel?

Bei Präparaten aus der Apotheke können Verbraucher sicher sein, dass sie Magnesium in einer sinnvollen Dosierung enthalten. Bei den konkurrenzlos billigeren Nahrungsergänzungsmitteln aus Drogerien, Supermärkten und Internet muss man als Laie dagegen schon wissen, auf was man achten sollte. So muss bei der Mengenangabe zwischen der Gewichtsangabe des Gesamtsalzes und dem tatsächlichen Magnesium-Gehalt unterschieden werden.

Höchsten Qualitätskriterien genügen Magnesium-Präparate, die als apothekenpflichtige Arzneimittel zugelassen sind. Unter bestimmten Bedingungen, beispielsweise wenn es sich um eine angeborene Magnesiumverlust-Erkrankung handelt, werden diese Präparate sogar von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Ein erhöhter Magnesium-Bedarf während der Schwangerschaft ist dagegen kein zwingender Grund für die Kostenübernahme. Beispiele für apothekenpflichtige Arzneimittel sind Magnesium Diasporal 300 mg Granulat, Magnesium Diasporal 150 Kapseln, Magnesium Diasporal 100 Lutschtabletten, Biolectra Magnesium 243 forte Zitrone Brausetabletten, Magnesium Verla N Dragees, Biolectra® Magnesium 365 mg fortissimum Brausetabletten und Magnesium 100 mg Jenapharm. Eine vollständige Auflistung findet sich in Anlage I zur Arzneimittelrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Und welche Darreichungsform empfiehlt der Technologe?

Grundsätzlich kommen alle in Apotheken geführten Magnesium-Präparate für eine Substitution infrage. Mit Blick auf die effektivste Galenik hat Prof. Daniels aber durchaus Favoriten: „Wenn ein nachgewiesener Magnesium-Mangel vorliegt, halte ich nach dem oben Gesagten 2-Phasen- oder Depotpräparate für am sinnvollsten. Die Substitution muss dann aber auch über einen längeren Zeitraum erfolgen.“

 


Rika Rausch, Apothekerin
redaktion@daz.online


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