Berechtigungsscheine der Krankenkassen

Apotheken verteilen mehr als 250 Millionen Masken in zwei Monaten

Berlin - 14.04.2021, 16:00 Uhr

Was hat die Schutzmaskenausgabe an Risikogruppen und ALG II-Empfänger den Bund gekostet? (Foto: IMAGO / Jürgen Held)

Was hat die Schutzmaskenausgabe an Risikogruppen und ALG II-Empfänger den Bund gekostet? 
(Foto: IMAGO / Jürgen Held)


Etwa 257,5 Millionen Schutzmasken haben Apotheken im Januar und Februar auf Vorlage von Berechtigungsscheinen der Krankenkassen abgegeben. Das geht aus Daten des Bundesamts für soziale Sicherung (BAS) hervor. Demnach rechneten die Betriebe in den ersten zwei Monaten des Jahres fast 43 Millionen Masken-Voucher ab.

Seit Mitte Dezember geben die Apotheken in Deutschland FFP2-Masken oder Masken mit vergleichbarer Schutzwirkung an Risikopatient:innen und Senior:innen aus. So hatte es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einer kurzfristig aufgesetzten Verordnung festgeschrieben. Rund 35 Millionen Menschen sind demnach berechtigt, solche Masken auf Kosten des Staates zu beziehen. In einer weiteren Verordnung von Ende Januar räumte er gemeinsam mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auch ALG-II-Empfängern einen Anspruch darauf ein.

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Während die Apotheken im Dezember noch selbst prüfen mussten, wer bezugsberechtigt ist, verschickten die Krankenkassen ab dem Jahreswechsel nach und nach sogenannte Voucher, die ihre Versicherten in den Offizinen vorlegen sollten. Pro Voucher standen ihnen je sechs Masken zu, jeder Berechtigte bekam zwei solcher Gutscheine zugeschickt. Für ALG-II-Empfänger galten andere Regeln: Sie bekamen lediglich ein Schreiben von ihrer Kasse, das sie zum Bezug von einmalig zehn Schutzmasken berechtigte.

Jetzt liegen erstmals offizielle Zahlen des BAS vor, wie viele Voucher die Apotheken für die Monate Januar und Februar tatsächlich abgerechnet haben: Nach Angaben der Bundesoberbehörde waren es im Januar (Abrechnungszahlen aus dem Februar) insgesamt knapp 11,7 Millionen Voucher, das entspricht rund 70 Millionen Masken. Bis dato war nur Voucher eins einlösbar gewesen, für den es 6 Euro brutto je Maske, also 36 Euro je Schein, gab. Abzüglich der Eigenbeteiligung von 2 Euro je Voucher und der Umsatzsteuer blieben in der Summe folglich gut 320 Millionen Euro für die Apotheken.

Im Februar folgten abermals knapp 16,2 Millionen eingelöste Voucher eins. Hinzu kamen mehr als 15 Millionen Voucher zwei, die ab der Monatsmitte gültig waren. Anders als für die Abgabe auf Vorlage von Voucher eins bekamen Apotheken für die Berechtigungsscheine zwei nur noch 3,90 Euro brutto pro Maske – unvergessen ist die Absenkung der Vergütung Anfang Februar mitten in der laufenden Aktion. Unter dem Strich nahmen die Apotheken also im Februar etwa 700 Millionen Euro durch die Ausgabe der Masken ein.

Noch keine Daten für März

Was auffällt: Dem Bundesministerium für Gesundheit zufolge haben insgesamt 35,3 Millionen Menschen in Deutschland Anspruch auf die Schutzmasken – eingelöst wurden allerdings nur knapp 27,9 Millionen Voucher der ersten Tranche. Diese müssten bereits vollständig abgerechnet und in den Daten des BAS erfasst sein, denn sie waren nur bis zum 28. Februar dieses Jahres gültig. Berechtigungsscheine zwei können noch bis zum morgigen 15. April eingelöst werden.

Für die Abgabe der Masken an ALG-II-Empfänger liegen derzeit noch keine Daten vor. Die Abrechnung der Rechenzentren mit dem BAS erfolgt in diesem Fall einmalig bis spätestens 31. Mai 2021. Es ist davon auszugehen, dass dies mehrheitlich mit der Märzabrechnung geschieht. Für diesen Monat liegen laut BAS allerdings die Daten noch nicht vollständig vor. Dies soll voraussichtlich erst am 26. April der Fall sein, „sodass hier zurzeit noch keine Zahl gemeldet werden kann“, schreibt die Bundesoberbehörde auf Anfrage von DAZ.online.

Ursprünglich hatte das BMG für die Ausgabe der Masken an Risikopatient:innen und Senior:innen mit Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro gerechnet, wie aus dem ersten Aufschlag der Corona-Schutzmasken-Verordnung hervorging. Damals hatte das Ministerium allerdings noch mit 27,3 Millionen Anspruchsberechtigten kalkuliert, diese Zahl war zwischenzeitlich auf 35,3 Millionen und damit deutlich nach oben korrigiert worden. Darin enthalten ist auch die Pauschale in Höhe von 491,4 Millionen Euro, die das BMG für die Ausgabe der Dezember-Masken an den Nacht- und Notdienstfonds gezahlt und die der NNF an die Apotheken verteilt hatte.



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Maskenabgabe Apotheke Topp - Testabgabe Märkte Flop!

von Andreas Grünebaum am 14.04.2021 um 19:53 Uhr

Die vielfach kritisierte Maskenabgabe durch uns Apotheker war ein absoluter Hit! Jeder Berechtigte konnte ohne Wartezeit und praktisch vom ersten Tag an seine Masken abholen. Selbst heute - am vorletzten Tag der Abgabe - hatten die meisten Apotheken noch Masken vorrätig.
Ganz anders sieht die kostenpflichtige Verteilung von Schnelltests aus: Die Märkte, allen voran Lidl, Aldi und dm haben vollmundig versprochen, sie hätten Masken auch für einen Euro abgeben können. Heute sind sie bezüglich der Tests gefragt: Preis gehalten, Angebot zu knapp! Ständig kommen Kunden in die Apotheke und fragen nach solchen Tests. Leider sind wir nicht gewillt, solche zu Preisen Netto einzukaufen, welche in den Märkten kontingentiert schon zum VK inklusive MwSt. abgegeben werden. Schließlich lassen wir uns nicht erneut als Preistreiber wie ein Ochse am Nasenring durch die Manege ziehen. Die Folge: es sind nicht genügend Tests auf dem Markt!

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