Neuer Hoffnungsträger Budesonid

Hilft ein Asthmaspray gegen Verschlimmerung von COVID-19?

Remagen - 13.04.2021, 17:50 Uhr

Das Glucocorticoid Budesonid wurde in einer Studie mit einem Turbohaler (Pulmicort Turbohaler AstraZeneca) in einer Dosis von 400 μg* pro Sprühstoß verabreicht. (x / Screenshot: Deutsche Atemwegsliga)

Das Glucocorticoid Budesonid wurde in einer Studie mit einem Turbohaler (Pulmicort Turbohaler AstraZeneca) in einer Dosis von 400 μg* pro Sprühstoß verabreicht. (x / Screenshot: Deutsche Atemwegsliga)


90-prozentige Risikoreduktion

Jede:r Teilnehmer:in erhielt ein Symptomtagebuch, ein kalibriertes Pulsoximeter und ein Thermometer für die tägliche Heimüberwachung. Alle Teilnehmer:innen wurden täglich telefonisch kontaktiert, um die Sauerstoffsättigung und die Temperatur aufzuzeichnen. Am 28. Tag wurden alle Studienteilnehmer:innen noch einmal abschließend untersucht. Der primäre Endpunkt wurde sowohl für die Per-Protokoll (PP)-als auch für die Intention-to-treat-(ITT)-Population analysiert.

In der Per-Protokoll-Population (139 Teilnehmer:innen) erreichten in der Kontrollgruppe zehn von 70 (14 Prozent) den primären Endpunkt gegenüber nur einem von 69 in der Budesonid-Gruppe (1 Prozent). Dieser Unterschied entspricht einer Risikominimierung für schwere COVID-19-Verläufe um 90 Prozent. In der ITT-Population brauchten elf Teilnehmer:inen (15 Prozent) wegen der Verschlechterung ihres Zustands eine Notfallkonsultation oder einen Krankenhausaufenthalt gegenüber zwei (3 Prozent) in der Budesonid-Gruppe. Die Zahl der Patient:innen, die benötigt wurde, um mit inhaliertem Budesonid eine COVID-19-bezogene Notfallversorgung oder Hospitalisierung zu reduzieren (Number Needed to Treat), betrug acht.

Weniger Fieber und Antipyretika

Die Zeit bis zur klinischen Genesung war in der Budesonid-Gruppe ebenfalls kürzer als in der Kontrollgruppe (Median sieben Tage vs. acht Tage). Und auch auf die Anteile der Fiebertage in den Gruppen in den ersten 14 Tagen wirkte sich das Glucocorticoid positiv aus (2 Prozent in der Budesonid-Gruppe vs. 8 Prozent in der Kontrollgruppe). Während in der Vergleichsgruppe 16 Personen mindestens einen Tag lang Fieber hatten, waren es mit Budesonid nur acht. Dies schlug sich auch auf die Gesamt-Anteile der Tage nieder, an denen die COVID-19-Patient:innen Antipyretika benötigten (27 Prozent unter Budesonid vs. 50 Prozent in der Vergleichsgruppe). Außerdem hatten unter den Budesonid-Patient:innen an den Tagen 14 und 28 deutlich weniger anhaltende Symptome. 

Kein Unterschied zwischen beiden Gruppen zeigte sich dagegen hinsichtlich der Sauerstoffsättigung im Blut und der Viruslast.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Artikel zu Budenosid Studie

von Dr. Christoph Mauz am 19.04.2021 um 13:50 Uhr

Irgendwas stimmt nicht an der Dosierung!
Im LANCET ist von 2 x 2 Sprühstösse a 800 Microgramm Pulmicort Turbohaler die Rede, also 3200 pro Tag (bei einer Tageshöchstdosis von 1600 microgramm!).
Gibt es überhaupt ein Pulmicort Spray mit 800 Microgramm pro Sprühstoss?
In den deutschen und österreichischen Übersetzungen ist aber nur von 2 x 800 Microgramm täglich die Rede (= 2 x 400 Microgramm 2 x täglich). Scheint mit realistischer für eine Behandlung im Frühstadium!
Wer liegt falsch oder hat Lancet falsch zitiert
Muss das Original noch korrigiert werden?
Dr. Christoph Mauz Fachapotheker für Toxikologie
Toxikologe ETH und Universität Zürich (CH)

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Artikel zu Budenosid Studie

von Redaktion DAZ.online am 19.04.2021 um 16:55 Uhr

Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben nach Rücksprache mit der Autorin die Zahl berichtigt.*

Keine Power in der Studie

von Christoph Kaiser am 18.04.2021 um 16:09 Uhr

Die Probanden waren ja durchwegs Patienten mit sehr niedrigem Risiko für einen schweren Verlauf. So gesehen ist es für Lobeshymnen zu früh. Budesonid hat Potential, nur wieviel muss sich noch herausstellen. So gut wie Impfung ist ein Satz der definitiv hier nicht angebracht ist.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Asthmaspray gegen Verschlimmerung von COVID-19

von Alexander K. am 16.04.2021 um 10:40 Uhr

Cortisionspray ist doch eigentlich die Standardtherapy zur Lungenödemprophylaxe, egal ob diese toxisch oder viral ausgelöst wird. Das scheint diese Studie ja auch für eine Sars-CoV-2 Infektion zu bestätigen. Aber für die Prophylaxe muss man natürlich möglichst direkt nach der Infektion damit anfangen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

So Wirksam wie Covid -Impfstoffe

von Stephan Garrecht am 14.04.2021 um 11:48 Uhr

Gut.Budesonid reduziert die Entzündungsreaktio,aber
beinflusst es nicht auch die Immunreaktion?
Das hätte ich gern mal diskutiert

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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