Ostersymbole und Pharmazie (Episode 4)

Osterfeuer und Osterwasser – geweihte Urkräfte

Korntal-Münchingen - 05.04.2021, 07:00 Uhr

Die in der christlichen Osternacht üblichen Feuer gehen auf alte heidnische Bräuche zurück. Auf diese Weise sollte der Winter vertrieben werden. (Foto: Martin Gulbe / stock.adobe.com)

Die in der christlichen Osternacht üblichen Feuer gehen auf alte heidnische Bräuche zurück. Auf diese Weise sollte der Winter vertrieben werden. (Foto: Martin Gulbe / stock.adobe.com)


Wasser in der Pharmazie

Ohne Wasser wäre das Leben auf unserem Planeten nicht möglich. Menschliche und tierische Körper bestehen weitgehend aus Wasser. Wasser ist Lösungsmittel für biochemische Reaktionen und Hauptbestandteil der Zellen sowie Transportmittel für Sauerstoff, Kohlenstoffdioxid und Nährstoffe im Blut. Wir brauchen Wasser für Verdauungs- und Ausscheidungsprozesse, Pflanzen brauchen es für die Photosynthese.  
Auch die Pharmazie ist ohne Wasser unvorstellbar. Wasser ist unverzichtbar bei der Herstellung vieler flüssiger, halbfester und auch fester Darreichungsformen sowie für das Extrahieren von Wirkstoffen. Das Arzneibuch unterscheidet zwischen Gereinigtem Wasser, Wasser für Injektionszwecke sowie Hochgereinigtem Wasser, Wasser zur Herstellung von Extrakten und Wasser als Reagenz. Auch Meerwasser spielt in der Apotheke eine Rolle, und zwar als befeuchtendes und reinigendes Nasenspray. 
Trinkwasser unterliegt den Bestimmungen des Lebensmittelrechts. Es ist das wichtigste Lebensmittel überhaupt, das durch nichts anderes ersetzt werden kann. 
Zwar gibt es für Wasser keine GHS-Gefahrstoffkennzeichnung. Trotzdem kann es nicht grundsätzlich als ungefährlich gelten. Denn Wasser kann mit pathogenen Keimen und Schadstoffen verunreinigt sein, es kann Auslöser für bedrohliche Erfrierungen und Verbrennungen sein – womit wir wieder beim Feuer angekommen sind.  

Feuer und Flamme

Feuer und Pharmazie – wem fiele da nicht als erstes der Bunsenbrenner ein? Ein treuer Gefährte des ersten Moments in jedem pharmazeutischen Ausbildungslabor. Nach dem deutschen Chemiker Robert Wilhelm Bunsen benannt ist der kleine Gasbrenner ein schneller Erhitzer für Stoffproben und kleine Flüssigkeitsmengen. Eine technische Weiterentwicklung ist der Teclubrenner, der eine höhere Flammtemperatur erreicht als der Bunsenbrenner. Anwendung findet das offene Feuer aus dem Laborbrenner vor allem für qualitative Vorproben in der analytischen Chemie. Wer erinnert sich nicht an die Flammprobe, bei der die Stoffprobe auf einer Öse aus Platindraht oder auf einem Magnesiastäbchen ins Feuer gehalten wird? Glücklich war, wer dabei nicht nur gelb und damit Natrium sah, sondern zum Beispiel grün, woraus man auf Barium schließen konnte.

Für etwas brennen

Und dann gibt es auch noch das innere Feuer, also die Leidenschaft, mit der man sich einer Aufgabe oder Tätigkeit hingibt. Es beschreibt die Energie oder neudeutsch „Power“, die sich aus Eigen- und Fremdmotivation nährt und zu Höchstleistungen im wahrsten Sinne des Wortes anfeuert. Aber Achtung, wer ständig auf Hochtouren läuft und seinen Energieverbrauch nicht ausbalanciert, spielt mit dem Feuer: es droht ein Burnout. Dafür legen viele Fachleute ihre Hand ins Feuer. 

Frohe Osterfeuer/Osterfeiertage! 



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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