Zukunftspakt und Pro AvO vs. Amazon

Studie: Industrie glaubt nicht an Erfolg der Apothekerplattformen

Stuttgart - 30.03.2021, 13:45 Uhr

(Screenshot: pro-avo.de)

(Screenshot: pro-avo.de)


Das Beratungsunternehmen Sempora hat seine aktuelle Studie zum Apothekenmarkt veröffentlicht. Dabei ging es unter anderem darum einzuschätzen, ob digitale Plattformen zur Unterstützung  der Vor-Ort-Apotheken, wie ia.de oder gesund.de, gegen Amazon oder entsprechende Angebote der ausländischen Versender bestehen können. Die Befragten sind hier nicht besonders optimistisch.

Im Februar und März dieses Jahres hat das Beratungsunternehmen Sempora verschiedene Akteure im Apothekenmarkt zu aktuellen Themen befragt. Insgesamt wurden die Meinungen und Einschätzungen von 51 Entscheider:innen aus Pharmaunternehmen, von 87 Apotheker:innen und von 1.351 Konsument:innen eingeholt. 

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Es ging beispielsweise um die Folgen der Pandemie für den Apothekenmarkt sowie um die Veränderung des Verbraucherverhaltens durch das E-Rezept. Ein weiterer Themenkomplex der kürzlich veröffentlichten Studie drehte sich um „Erfolgsaussichten digitaler Plattformen zur Unterstützung der stationären Apotheken“. Gefragt waren hier die Hersteller (N=46). 

Und die zeigten sich nicht besonders optimistisch, was die Chancen der Vor-Ort-Apotheken im Wettbewerb mit den großen Versendern und Amazon angeht. So glauben nämlich 39 Prozent der Befragten, dass die digitalen Plattformen „gesund.de“ und „ihreapotheken.de“ (ia.de) nicht gegen die geplanten Plattformen der ausländischen Versender wie Shop Apotheke und DocMorris bestehen können. Nur ein Viertel hingegen ist der Meinung, dass die Initiativen von Phoenix und Noventi sowie ProAvO (gesund.de) und dem Zukunftspakt Apotheke (ia.de) hier Erfolg haben könnten.

Noch weniger Chancen werden Pro AvO und dem Zukunftspakt gegen den Versandgiganten Amazon eingeräumt: Die Mehrheit der Befragten (52 Prozent) denkt nicht, das diese gegen den Riesen bestehen können. Nur 19 Prozent der Teilnehmer trauen das den beiden Digitalinitiativen zu. 

Beim direkten Vergleich der beiden Plattformen kommt „gesund.de“ besser weg als „ia.de“: So glauben 47 Prozent der Befragten, dass sich „gesund.de“ als Plattform der Akteure Phoenix, Noventi und weiterer Pro AvO-Partner am Markt durchsetzen wird. Das überrascht insofern ein wenig, als die Plattform des Zukunftspakts schon seit einer Weile online ist und genutzt werden kann, „gesund.de“ hingegen bislang nur angekündigt wurde. 

Insgesamt sieht die große Mehrheit der befragten Hersteller (83 Prozent) die Apotheken vor Ort  beim Thema Digitalisierung nicht gut aufgestellt, nur 2 Prozent stellen den stationären Apotheken hier ein gutes Zeugnis aus. Allerdings sind gleichzeitig knapp drei Viertel (72 Prozent) der Ansicht, dass es bald zu viele digitale Plattformen im Apothekenmarkt geben wird.

54 Prozent der Verbraucher:innen würden bei stationären Apotheken bestellen

Und was denken die Verbraucher:innen (N=1.351)? Schließlich sind sie es, von denen Erfolg oder Misserfolg einer Plattform abhängen. 

Viele scheinen gegenüber einer Plattform der stationären Apotheken zumindest offen zu sein: So erklärten 51 Prozent, eine digitale Apotheken-Plattform von stationären Apotheken einer Bestellung bei Amazon vorzuziehen. Immerhin 48 Prozent würden eher auf eine Plattform der stationären Apotheken bestellen als bei einem Arzneimittelversender. 

Gäbe es eine digitale Bestell-Plattform, über die das Angebot aller stationären Apotheken erreichbar ist – vergleichbar mit einem „Apotheken-booking.com“ –, würden zumindest laut der Sempora-Studie 54 Prozent diese nutzen. 

Von Sempora werden der Arzneimittelversandhandel und Amazon als Profiteure der Pandemie betrachtet – der Apothekenversandhandel  konnte seine Umsätze im Vorjahresvergleich deutlich erhöhen. Als Grund wird der Lockdown und die damit verbundenen Einschränkungen angegeben. 

94 Prozent der befragten Hersteller und 83 Prozent der befragten Apotheker sind davon überzeugt, dass der Versandhandel auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird und sich dadurch die Bedrohung für stationäre Apotheke durch den Versandhandel coronabedingt verschärft wird. 

Und auch Amazon breitet sich weiter im Apothekenmarkt aus. Bereits ein Drittel der Konsumenten soll der Studie zufolge bereits über Amazon nach Medikamenten gesucht haben, 18 Prozent sollen bereits über die Plattform bestellt haben. Als Begründung, warum OTC-Arzneimittel bei Amazon bestellt würden – für 40 Prozent wäre das laut der Studie denkbar–, nannten Verbraucher vor allem den schnellen Versand und die einfache Handhabung. Der Preis war nur bei 50 Prozent ausschlaggebend.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Zukunft - ja für Amazon.

von ratatosk am 31.03.2021 um 9:02 Uhr

Sehe ich auch so ! Gegen ausländische Versender, die wie Amazon hier noch nicht mal nennenswert Steuern zahlen müssen, hat niemand eine Chance.
Des Weiteren zählt im digitalen Umfeld nur Größe, haben viele darüber schwafelnde Politiker entweder nicht kapiert, oder sie haben andere Intentionen. Die Zuwendungen über Nebentätigkeiten, wenn wir das mal so nennen wollen, tut ihr übriges.

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