Wissen im Labor

Korrekter Umgang mit Kühlartikeln in der Apotheke

01.03.2021, 06:56 Uhr

(Foto: Pauli N. / stock.adobe.com)

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Seit die Tagesschau darüber berichtete, dass bestimmte Corona-Impfstoffe bei -70 °C transportiert und gelagert werden müssen, ist die Bedeutung der Kühlkette bei Arzneimitteln ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Neben Impfstoffen gibt es jedoch zahlreiche weitere Präparate, die eine zuverlässige Lagerung unterhalb der Raumtemperatur erfordern und einen besonders sorgsamen Umgang verlangen.

Kühlung schon während des Transports

Ergeben sich aus den Lagerungshinweisen der Hersteller bzw. des Arzneibuchs besondere Vorgaben hinsichtlich der Lagertemperatur (z. B. „kühl lagern“, d.h. zwischen +8 und +15 °C, oder „im Kühlschrank“ lagern, d.h. zwischen +2 und +8 °C), müssen diese Vorgaben befolgt und ihre Einhaltung überwacht werden. Das beginnt schon vor der Ankunft des Arzneimittels in der Apotheke. So müssen Hersteller, Großhändler und Logistikdienstleister gewährleisten, dass die Lagerungsbedingungen bereits beim Transport eingehalten werden, damit alle Arzneimittel die Apotheke ohne temperaturbedingte Qualitätsminderung erreichen.

Kühlware hat immer Vorrang

Die vorgegebene Lagertemperatur muss auch dann eingehalten werden, wenn Arzneimittel außerhalb der Öffnungszeiten der Apotheke angeliefert werden. Sofern die Apotheke über eine Schleuse verfügt, muss diese für die Zeit zwischen Anlieferung und Leerung der Schleuse die Einhaltung der vorgeschriebenen Temperatur für jedes Arzneimittel gewährleisten. Ist dies nicht möglich, kann die Apotheke nur während der Öffnungszeiten beliefert werden. Grundsätzlich sollte das Personal sensibilisiert sein, dass Kühlware beim Wareneingang immer Vorrang hat, d. h. sofort auszupacken und entsprechend zu lagern ist.

Auf Nummer sicher mit Arzneimittelkühlschränken nach DIN 58345

Achtung, auch zu niedrige Temperaturen können Arzneistoffe zerstören und unwirksam machen. Insbesondere Proteinarzneistoffe sind frostempfindlich. Schon kurzes Einfrieren kann ihre Struktur so verändern, dass ihre Wirksamkeit abnimmt oder verloren geht. Daher ist bei den im Kühlschrank zu lagernden Arzneimitteln auch darauf zu achten, dass die vorgegebene Lagertemperatur nicht unterschritten wird. Langzeitinsuline beispielsweise, können durch Umkristallisationsprozesse infolge zu niedriger Lagertemperaturen ihren Depot-Effekt verlieren und wirken dann ähnlich wie ein Kurzzeitinsulin. Zu nahe an der Rückwand eines „normalen“ Lebensmittel-Kühlschranks gelagerter Lebendimpfstoff, kann – und sei es nur kurzzeitig – anfrieren und seine Wirkung verlieren. Für die pharmazeutische Kühllagerung dürfen daher ausschließlich Arzneimittelkühlschränke nach DIN 58345 eingesetzt werden, die in allen Fächern eine gleichbleibende Temperatur gewährleisten, das Einfrieren darin gelagerter Produkte verhindern und „Alarm“ schlagen, wenn die Betriebstemperatur des Kühlschranks den vorgegebenen Grenzwert übersteigt (z. B. infolge eines Stromausfalls oder einer offenstehenden Tür).

Integrierte Temperaturdokumentation sicher und komfortabel

Arzneimittelkühlschränke nach DIN 58345 bieten noch einen weiteren bemerkenswerten Vorteil: Die Geräte verfügen über eine integrierte Temperaturdokumentation, die den gesamten Kühlschrank erfasst und zugleich die Trägheit des Kühlguts berücksichtigt. Min-/Max-Thermometer oder Thermologger, die zur Überwachung der Kühlschranktemperatur eingesetzt werden, messen hingegen zeitlich und räumlich nur punktuell, sodass ggf. auch kurzzeitige Grenzwertüberschreitungen registriert werden, die aber gar keine Auswirkung auf das Kühlgut haben. Dies führt bei etwaigen Revisionsbesuchen ggf. unnötigerweise zu einem gewissen Rechtfertigungsdruck, dem man durch eine moderne Temperaturüberwachung leicht aus dem Weg gehen kann – von Komfort und Zuverlässigkeit der automatisierten Messung ganz abgesehen.

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