7 Tage trocknen oder 80 °C trockene Hitze

Wenn FFP2-Masken privat wiederverwendet werden – dann so

Stuttgart - 18.01.2021, 17:50 Uhr

Laut einer neuen offiziellen Handlungsempfehlung darf man zur Wiederaufbereitung von FFP2-Masken eine Wäscheleine spannen und die Masken dort mit genügend Abstand zueinander mit Klammern aufhängen. Jede einzelne Maske muss dort dann aber sieben Tage belassen werden. (Foto: imago images / photonews.at)

Laut einer neuen offiziellen Handlungsempfehlung darf man zur Wiederaufbereitung von FFP2-Masken eine Wäscheleine spannen und die Masken dort mit genügend Abstand zueinander mit Klammern aufhängen. Jede einzelne Maske muss dort dann aber sieben Tage belassen werden. (Foto: imago images / photonews.at)


Keine Mikrowelle, UV-Licht und keine Wasch- oder Spülmaschine

Für Apotheker:innen hat sich in der Beratung währenddessen nun kaum etwas geändert. Auch mit den neuen Handlungsempfehlungen bleiben ihnen die Hinweise, dass die Masken nur schützen, wenn sie richtig getragen werden erhalten und: ja, eigentlich handelt es sich weiterhin um Einmal- und Wegwerfprodukte.

Schon im April 2020 war DAZ.online der Frage nachgegangen: „Sind Atemschutzmasken wirklich mehrfach verwendbar?“ Damals war der Auslöser der Diskussion keine eventuelle Pflicht zur FFP2-Maske für die Allgemeinbevölkerung, sondern der Versorgungsengpass bei persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Damals dachte das Fachpersonal notgedrungen über die Mehrfachverwendung nach. Und so sollte laut einer Vorlage für den Krisenstab der Bundesregierung die Mehrfachverwendung für Fachpersonal unter gewissen Umständen tatsächlich möglich sein – und doch galt sie als umstritten. 

Während es in der damaligen Empfehlung hieß, dass sowohl FFP2- als auch FFP3-Masken nach Behandlung mit trockener Hitze bei 65 bis 70 °C für 30 Minuten wiederverwendet werden könnten (nur Masken mit CE-Kennzeichnung oder die nach dem Prüfgrundsatz der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik zugelassen sind), widersprach dem die Deutsche Gesellschaft für Sterilgutversorgung e.V. (DGSV). Sie empfahl stattdessen die Dampfsterilisation. Ende April bestätigte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dann der Deutschen Presse-Agentur „30 Minuten bei 70 Grad reichen nicht zur Masken-Desinfektion“

Dann war es – auch aufgrund der verbesserten Versorgungslage – lange ruhig geblieben um die Wiederverwendung von FPP-Masken. Noch im Dezember 2020 schrieb DAZ.online „Es gibt keine konkreten Empfehlungen für die Tragedauer von FFP2-Masken für Privatpersonen“.

Mittlerweile widmet das BfArM auf seinem Internetauftritt der „Mehrfachverwendung von FFP2-Masken“ einen neuen Abschnitt. Dort wird beschrieben, dass FFP-Masken grundsätzlich „vom Hersteller als Einmalprodukte und nicht zur Wiederverwendung vorgesehen“ sind. Aber dem BfArM ist auch bewusst, dass Masken im Privatbereich dennoch im Alltag oft mehrfach und sogar an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen getragen werden. Angesichts dieser Problematik hat das BfArM ein Forschungsprojekt an der Fachhochschule Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster gefördert, aus dem der eingangs wiedergegebene Flyer hervorgegangen ist. Die im Forschungsprojekt entwickelten Verfahren seien nach derzeitigem Kenntnisstand grundsätzlich dazu geeignet, das Infektionsrisiko bei einer Wiederverwendung von FFP2-Masken im Privatgebrauch deutlich zu reduzieren, erklärt das BfArM. Gleichwohl sei aber darauf hinzuweisen, dass die im Flyer vorgestellten Verfahren keine Garantie für einen sicheren Infektionsschutz bieten. Am Ende zählen also vor allem die Vorgaben des Herstellers.

Als zusätzliche Warnhinweise gibt das BfArM an: „Bitte beachten Sie auch, dass FFP2-Masken nicht in der Mikrowelle, der Wasch- oder Spülmaschine oder mit UV-Licht aufbereitet werden sollen.“ Während UV-Licht in der Regel nur an der Oberfläche wirke, könnten die mechanische Belastung und die Belastung mit Reinigungsmitteln in der Wasch- oder Spülmaschine die Masken zudem beschädigen und die Filterwirkung herabsetzen. In der Mikrowelle sollen keine gleichmäßigen Temperaturen erreicht werden. Mehr zu den Hintergründen können Sie dem Flyer entnehmen.



Diana Moll, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung (dm)
redaktion@daz.online


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13 Kommentare

FFP2 - Maskenpflicht für alle

von Volkmar Becker am 24.01.2021 um 17:10 Uhr

Dr. Markus Veit hat es in seinem Kommentar vom 22.01.2021 auf den Punkt gebracht:
Diese FFP2-Masken sind gemäß der CE-Zulassung der EU ausschließlich als Arbeitsschutzmittel zugelassen.
Der Einsatz am Arbeitsplatz ist erst dann zulässig, wenn eine Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz erstellt wurde. Danach ist u.a. eine Vorsorge-Untersuchung durch einen Arbeitsmediziner durchzuführen. Weiterhin ist dem Beschäftigten eine Betriebsanweisung zu geben.
Die Maske soll den Beschäftigten vor Schadstoffen schützen, nicht seine Umgebung.
Ein unkontrollierter Einsatz im privaten Bereich , die Vorerkrankungen nicht berücksichtigen ist daher nicht zulässig, trotz oder gerade wegen der CE-Kennzeichnung .
Unqualifizierte Hinweise für den Umgang mit Masken sollten daher in einer Fachzeitschrift nicht veröffentlicht werden.

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Wiederverwendung von Masken

von Ralf Wirtz am 23.01.2021 um 17:26 Uhr

Bin erstaunt und erfreut welch klare Worte hier so mancher findet, und sich klar und nachvollziehbar von einem "Recycling" distanziert.
Solch eindeutige Botschaften wünsche ich mir von der Politik und bisweilen auch mal in den Nachrichten.

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Was sagen die Hersteller

von Dr. Markus Veit am 22.01.2021 um 13:35 Uhr

Von der Homepage der Firma Dräger (Maskenhersteller)
"Alle FFP-Schutzmasken enthalten elektrostatische Filtermaterialien - die Ladung dieser Materialien wird durch Hitze, radioaktive Strahlung, UV-Strahlung und dergleichen zerstört, wodurch die Maske die meisten ihrer Filtrationseigenschaften verliert. Desinfektionsmittel wie Isopropyl, Ethanol und andere Reinigungsmittel zerstören ebenfalls die Ladung des Filtermaterials.

Da alle oben genannten Verfahren das Filtermaterial dauerhaft beschädigen, arbeitet Dräger nicht an einem Wiederaufbereitungsverfahren. Beachten Sie in diesem Zusammenhang auch die Angaben in der Gebrauchsanweisung für die jeweiligen Produkte."
https://www.draeger.com/de_de/Applications/ffp-masken

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FFP2-Masken zur Wiederverwendung? – Ein hygienischer Alptraum!

von Dr. Markus Veit am 22.01.2021 um 12:53 Uhr

Als indirektes Eingeständnis, dass sogenannte "Alltagsmasken" keine (ausreichende) Wirkung im Sinne eines verminderten Risikos einer Infektionsübertragung haben, wurde in Bayern eine Tragepflicht für FFP2-Masken eingeführt. Eine Einführung in anderen Regionen ist wahrscheinlich. Diese Tragepflicht (beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln) führt zu einer Diskussion ob, und unter welchen Umstanden, diese Masken mehrfach bzw. wiederverwendet werden können. Dazu wurde eine von der Universität Münster herausgegebene Anleitung publiziert . Diese wird nun in den Medien verbreitet, mit dem Aufruf zur Wiederverwendung von FFP2-Masken nach "Aufbereitung". Bevor darauf eingegangen wird, soll an die Empfehlung des RKI bzgl. des Einsatzes von FFP2-Masken im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 erinnert werden. Auf den Informationsseiten des RKI ist ausgeführt, dass das Tragen von FFP2-Masken durch geschultes und qualifiziertes Personal wird z.B. im medizinischen Bereich im Rahmen des Arbeitsschutzes vorgeschrieben ist, wenn patientennahe Tätigkeiten mit erhöhtem Übertragungsrisiko durch Aerosolproduktion, z.B. eine Intubation, durchgeführt werden. Die Masken dürfen nur "bestimmungsgemäß" eingesetzt werden. Dazu gehört eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung, die im Voraus angeboten werden muss, um durch den erhöhten Atemwiderstad entstehende Risiken für den individuellen Anwender medizinisch zu bewerten. Gemäß Vorgaben des Arbeitsschutzes ist die durchgehende Tragedauer von FFP2-Masken bei gesunden Menschen begrenzt (i.d.R. 75 Minuten mit folgender 30-minütiger Pause), um die Belastung des Arbeitnehmers durch den erhöhten Atemwiderstand zu minimieren. Einen Einsatz im Alltagsbereich wird ausdrücklich nicht empfohlen. Das soll jetzt alles für den "eigenverantwortlichen Privatgebrauch" dieser Masken nicht mehr gelten, ja sogar eine Wiederverwendung möglich sein. Um nicht falsch verstanden zu werden: der Einsatz von FFP2-Masken kann auch im privaten Bereich sinnvoll sein, und zwar vor allem in geschlossenen Räumen und dann, wenn ein ausreichender Abstand von 1,5 m nicht eingehalten werden kann. In der Anleitung zur Wiederverwendung der Universität Münster1 wird zunächst dankenswerterweise ausgeführt, dass FFP2-Masken ein erhebliches Risiko der Keimverschleppung haben, da sie nach Verwendung mit Bakterien und Viren kontaminiert sind – auch mit SARS-CoV-2, wenn der Träger diese ausscheidet. Die in der Anleitung publizierten Daten belegen eindrucksvoll, dass SARS-CoV-2 auch nach der Behandlung der Masken für eine Stunde bei 70°C noch infektiös bleibt – ohne Hitzebehandlung über Tage. Diese Warnung – insbesondere für sogenannte "Alltagsmasken" - hatten Hygiene-Experten schon mehrfach geäußert.
Zur Wiederverwendung von FFP2-Masken werden von den Autoren der "Anleitung" der Universität Münster nun verschiedene Verfahren vorgestellt, wobei ein 7tägiges Trocknen bei Raumluft präferiert wird. Dazu sollen die Masken an Haken oder Nägeln aufgehängt werden. Diesen Vorgang kann man nur als einen hygienischen Alptraum bewerten. Das gilt eingeschränkt auch für die Trocknung im Backofen mit einem Bratenthermometer (sic!). Wir erinnern uns: Basierend auf den arbeitsmedizinischen Vorgaben müssen Masken nach einer maximalen Tragezeit von 8 Stunden zwingend entsorgt werden, feuchte Masken sind unmittelbar zu entsorgen. Jeder der mit einem gesunden Menschenverstand ausgestattet ist, kann sich an dieser Stelle nur wundern, in welcher Weise hier etablierte Sicherheitsstandards nicht mehr greifen sollen. Im privaten Umgang muss im Lichte der Risiken von einer Wiederverwendung dringend abgeraten werden. Eine Wiederverwendung in Bereichen, in denen die arbeitsmedizinischen Vorgaben greifen – also auch in der Apotheke, bei Dienstgängen und auf Dienstreisen – ist arbeitsrechtlich nicht zulässig.

Prof. Dr. med. Ines Kappstein, Krankenhaushygienikerin, FÄ für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, FÄ für Hygiene und Umweltmedizin
und
Prof. Dr. Markus Veit, Pharmazeut

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FFP2 Masken

von Dr. Diether Strauß am 22.01.2021 um 0:10 Uhr

Hat eientlich schon jemand geprüft, ob das Einsprühen der Masken mit Alkohol und anschließend Aufheben in Pastiktüte nicht auch viruzid sein kann?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: FFP2 Masken

von Peter Praschberger am 22.01.2021 um 15:44 Uhr

Von der Homepage der Firma Dräger (Maskenhersteller)
"Alle FFP-Schutzmasken enthalten elektrostatische Filtermaterialien - die Ladung dieser Materialien wird durch Hitze, radioaktive Strahlung, UV-Strahlung und dergleichen zerstört, wodurch die Maske die meisten ihrer Filtrationseigenschaften verliert. Desinfektionsmittel wie Isopropyl, Ethanol und andere Reinigungsmittel zerstören ebenfalls die Ladung des Filtermaterials

Gender-Sprech-Affenzirkus

von Weber am 20.01.2021 um 10:59 Uhr

Und am allerblödsten ist dieser unsägliche Gender-Sprech in diesem Artikel: Apotheker:innen

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

FFP2-Masken ... wieder aufbereitet, dann so???

von Claudia O. am 19.01.2021 um 14:01 Uhr

Meinen Vorrednern schließe ich mich an.
Gehofft hatte ich, dass die DAZ sich von dieser Methode für die Allgemeinheit, besser noch ohne jede Einschränkung, deutlich distanziert hätte.
Wir bleiben bei unserer Beratung und raten von thermischen oder chemischen Methoden ganz allgemein ab. Es sind Einmalprodukte!.
Bleibt die Frage, ob sich die DAZ vor einen politischen Karren spannen lassen will oder schon hat.
Wie weit sinken wir Apotheker, dass einige von uns mit unserer Laborerfahrung auch nur annähernd so etwas in Betracht ziehen.

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AW: Distanzierung

von Dr. Markus Veit am 22.01.2021 um 13:04 Uhr

.... ich kann Ihnen da nur zustimmen, zumal jetzt auch bekannt wird, dass auch die Maskenhersteller entsetzt sind, da eine wesentliche Funktionalität der Masken über elektrostatisch aufgeladene Materialen zustande kommt. Der Erhalt durch diese Behandlungen ist nicht gegeben (sic!). Eigentlich sollte unser Berufsstand in der Lage sein, zu diesem Thema Expertise beizusteuern. Aber das hat bei den "Alltagsmasken" ja auch nicht funktioniert.

FFP2 Masken

von Dieter Franke am 18.01.2021 um 18:22 Uhr

Waschen-Färben- Föhnen, fast klingt es so wie beim Friseur.
Geht es noch abenteuerlicher zu, als ob sich jemand mit Backofenthermometer die ganze Zeit vor den Backofen setzen würde, um ja die Temperatur im Auge zu haben. Manchmal muss man nur den Kopf schütteln. Was rein theoretisch gehen könnte, muss ja wohl nicht praktisch umsetzbar sein. Hat man die Stromkosten den Preis für die Masken gegenüber gestellt?
Jetzt kosten die Masken kaum noch etwas und dann solche Aufforderungen. Oder bin ich der Realsatire erlegen?

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AW: FFP2 Masken

von Nuvenor am 18.01.2021 um 19:26 Uhr

Über Satire sind wir bei einigen Sachen schon weit hinaus. Seien es Querdenkende nichtsdenker, Backofenmasken, Lockdown-Light ohne Lockdown, Ausgangssperre außer für jeden Grund der einen einfallen könnte um rausgehen zu wollen (Nürnberg. Erlaubt war: Ertüchtigung, Spaziergang, Einkaufen, Gassi gehen, um sich mit Freunden zu treffen. Kein Witz.)

2020 und 2021 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr, dass Satirezeitschriften aus dem Geschäft gebracht hat.

AW: FFP2 Masken

von Niels Ringelmann am 19.01.2021 um 19:01 Uhr

Die FFP2 Masken kosten so zwischen 4-7EUR. Das ist als tägliches Wegwerfprodukt in der Tat für Viele zu teuer. Aber sie scheinen sich bei Kostenrelationen auch nicht wirklich auszukennen. Eine Stunde den Backohfen bei 80°C rennen zu lassen liegt im cent Bereich. Sie brauchen auch nicht eine Stunde davor zu sitzen - sondern probieren aus bei welcher Einstellung sich der Ofen bei 80°C stabilisiert. Wie man es auch sonst beim Backen macht.

AW: FFP2 Masken

von Peter Strobel am 21.01.2021 um 19:44 Uhr

Ein Backofen "stabilisiert" sich eben nicht so einfach.
Für den Rührkuchen ist es unerheblich, wenn die Temparatur um die 80°C mit einem Intervall zwischen 60°C und 100°C schwankt. Das ist die Arbeitsweise normaler Backöfen. Im Rezept steht 80°C, das stellt man ein und der Kuchen gelingt.
Für die Schutzwirkung der Maske sind die 100°C der Garaus. Dann würde ich schon eher die Luft-Trocknung angehen, obwohl auch da wahrscheinlich einige eher 'ne Kultur auf der Maske züchten als sie zu trocknen.

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