Zweiter Corona-Impfstoff für die USA

FDA entscheidet über Zulassung von mRNA-1273 von Moderna

Stuttgart - 17.12.2020, 17:50 Uhr

Die USA könnten bald schon mit zwei mRNA-Impfstoffen gegen COVID-19 impfen. Die FDA berät über die Zulassung von Modernas mRNA-1273. (p / Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann)

Die USA könnten bald schon mit zwei mRNA-Impfstoffen gegen COVID-19 impfen. Die FDA berät über die Zulassung von Modernas mRNA-1273. (p / Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann)


Keine anaphylaktischen Reaktionen auf die Corona-Impfung

Es kam zu keinen anaphylaktischen Reaktionen unter mRNA-1273, allerdings wurden zahlenmäßig mehr Überempfindlichkeitsreaktionen in der mRNA-1273-Gruppe berichtet als in der Placebogruppe (1,5 Prozent vs. 1,1 Prozent). 

Bis zum 3. Dezember 2020 wurden laut den der FDA vorliegenden Daten insgesamt 13 Todesfälle in der Studie berichtet (sechs unter mRNA-1273, sieben unter Placebo). Diese Todesfälle repräsentierten Ereignisse und Raten, die in der allgemeinen Bevölkerung von Personen in diesen Altersgruppen aufträten, liest man in dem Dokument. Die Häufigkeit der nicht-tödlichen schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse war gering und ohne signifikanten Unterschied zwischen Verum und Placebo.

Wirksam auch bei asymptomatischen Infektionen?

Zum aktuellen Zeitpunkt lässt sich nicht sagen, wie lange der Impfschutz anhält. Auch gibt es keine Daten dazu, ob Patienten mit bereits einmal durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion von einer mRNA-1274-Impfung profitieren, wie Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern sind (waren nicht im Studienkollektiv abgebildet) oder ob die Impfung vor Langzeitschäden durch COVID-19 schützt. Wie sich mRNA-1273 auf die COVID-19-bedingte Sterblichkeit auswirkt, müssen nach Ansicht der FDA größere Datenmengen zeigen. Auch lässt sich mit den bislang gewonnen Daten keine Aussage treffen, ob die Impfung auch die Ansteckung anderer Menschen mit SARS-CoV-2 verhindert, was die Ausbreitung der Pandemie bremsen würde.

Wenige Daten gibt es zudem bislang dazu, ob eine mRNA-1273-Impfung auch eine asymptomatische Infektion verhindert. Allerdings hat Moderna der FDA für ihre Sitzung am 17. Dezember noch Daten nachgereicht. Man habe je vor Verabreichung der ersten und zweiten Dosis nasopharyngeale Abstriche auf SARS-CoV-2 untersucht, um einen Eindruck einer möglichen Prävention einer asymptomatischen Infektion zu erhalten. Zu Beginn der Studie waren alle Probanden seronegativ, nach dem Abstrich vor der zweiten Dosis hatten 14 Probanden in der mRNA-1273-Gruppe und 38 Teilnehmer der Placebogruppe positive SARS-CoV-2-Nachweise, obwohl sie keinerlei Symptome für eine Infektion zeigten. In der Impfstoffgruppe waren etwa zwei Drittel weniger Abstriche positiv als in der Placebogruppe zum Zeitpunkt vor der zweiten Dosis, was darauf hindeutet, dass einige asymptomatische Infektionen bereits nach der ersten Dosis verhindert würden, so die Aussage.

Leichter Transport und Lagerung von mRNA-1273

Laut der „New York Times“ plant die FDA mRNA-1273 noch am Freitag (18. Dezember 2020) zuzulassen, die Zeitung beruft sich hierbei auf Informanten, die „mit den Plänen der Behörde vertraut sind“. Damit käme Moderna exakt eine Woche nach Biontech/Pfizer zu einer Notfallzulassung. Vorteil könnte bei mRNA-1273 sein, dass die Vakzine zwar als gefrorene Suspension zwischen -25 °C und  -15 °C geliefert wird, die Ampullen sodann aber vor dem ersten Gebrauch bis zu 30 Tage gekühlt bei 2 °C bis 8 °C gelagert werden können. BNT126b2 von Biontech/Pfizer benötigt Transport- und Lagertemperaturen (bis zur Applikation) zwischen -60 °C und -80 °C. Ungeöffnete Fläschchen mit mRNA-1273 können hingegen sogar bis zu zwölf Stunden zwischen 8 °C und 25 °C gelagert werden. Nachdem die erste Dosis entnommen wurde, sollte die Durchstechflasche zwischen 2 °C und 25 °C gelagert und nach sechs Stunden verworfen werden.

Zwei Dosen im Abstand von vier Wochen

Erhält mRNA-1273 die Zulassung der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde, wäre es weltweit die erste Zulassung des Moderna-Corona-Impfstoffs. Nur kurze Zeit später könnte Europa nachziehen: Wie am Donnerstagabend bekannt wurde, will die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA am 6. Januar 2021 über eine entsprechende Zulassung für die EU-Mitgliedstaaten entscheiden.* Für eine Impfserie sind zwei Dosen vorgesehen, die im Abstand von 28 Tagen verabreicht werden. BNT162b2 wird ebenfalls zweimal geimpft, allerdings im Abstand von 21 Tagen. 

Beide Impfstoffe enthalten Boten-Ribonukleinsäure (mRNA), die für das präfusionsstabilisierte Spike-Glykoprotein (S) des SARS-CoV-2-Virus kodiert. Nach Applikation wird an den menschlichen Ribosomen das SARS-CoV-2-Antigen synthetisiert.

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* Der Hinweis auf die bevorstehende Entscheidung der EMA am 6. Januar wurde am 17. Dezember 2020 um 19.25 Uhr ergänzt.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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