Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

29.11.2020, 07:44 Uhr

Wie lange wird das neue Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz wohl unsere Vor-Ort-Apotheken stärken können? (Foto: Alex Schelbert)

Wie lange wird das neue Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz wohl unsere Vor-Ort-Apotheken stärken können? (Foto: Alex Schelbert)


25. November 2020

Beim E-Rezept-Modellprojekt von Baden-Württemberg, das unter dem Namen „GERDA“ angetreten war, stockt’s gleich an mehreren Stellen. Wir erinnern uns: Apothekerkammer und -verband, die Kassenärztliche Vereinigung von Baden-Württemberg und ihr Telemedizinangebot Docdirekt wollten mit dem Projekt Erfahrungen sammeln. Sie holten sich noch das Telemedizin-Start-up TeleClinic ins Boot, das dafür sorgen sollte, dass die elektronischen Verschreibungen in den Apotheken landeten. Baden-Württemberg sollte ein Pilotstandort für die Einführung der digitalen Verordnungen werden. Schön und gut, aber wie das mit so Start-ups ist, haben sie ihre eigenen Interessen. Teleclinic wollte nicht mit den Telemedizinern von Docdirekt zusammenarbeiten, stieg aus und schlüpfte unters Dach von Zur Rose an die Seite von DocMorris. Das war dann verständlicherweise das Aus bei GERDA. Wie LAK-Geschäftsführer Dr. Karsten Diers auf der Delegiertenversammlung der LAK Baden-Württemberg erläuterte, seien die politischen Ziele mit dem GERDA-Projekt dennoch erreicht worden: Es bildete die Grundlage für die Gematik-Spezifikation. Mein liebes Tagebuch, immerhin, auch wenn’s mit Teleclinic dumm gelaufen ist. Die rund 50 E-Rezepte, die im Lauf des Pilotprojekts ausgestellt worden waren, hätten gezeigt, dass der Übermittlungsprozess funktioniert. Womit GERDA nun auch noch zu kämpfen hat, ist ein Markenrechtsstreit: Der Name GERDA existiert bereits als Namen für die „Geriatrische Datenbank“ und wurde kurz vor dem Start der Rezept-Gerda als Marke eingetragen. Auch dumm gelaufen. Mein liebes Tagebuch, so kann’s gehen. Und wer wird schon nach Gerda fragen, wenn das One-and only-E-Rezept aus dem Gematik-Haus für alle an den Start geht.

 

Bei der letzten ABDA-Wahl hatte er noch überlegt, sich als Kandidat für den Posten des ABDA-Präsidenten aufstellen zu lassen: Kai-Peter Siemsen, Präsident der Apothekerkammer Hamburg. Dieses Mal wollte er allerdings nicht in den Ring. Und so kann er sich gelassen zurücklehnen und den Blick von außen auf die anstehenden ABDA-Wahlen werfen. Mit einer Videobotschaft im Vorfeld zur Kammerversammlung, die in abgespeckter Form als Präsenzveranstaltung stattfand, ließ Siemsen wissen, was sich bei der ABDA in Zukunft ändern müsse. Die ABDA müsse wieder dichter an die Basis heranrücken. Dazu gehöre auch „ein Ende der Zurückhaltung“, erklärte Siemsen und ergänzte: „Mit Honoraren wie vor zwanzig Jahren werden die Apotheken nicht die heutigen und schon gar nicht die zukünftigen Aufgaben erfüllen können.“ Wahre Wertschätzung finde sich im Portemonnaie. Mein liebes Tagebuch, endlich sagt’s mal einer. Für Siemsen bedeuten die anstehenden Wahlen eine Zäsur. Wie er das meint? So: „Der satten Zufriedenheit muss eine hungrige und basisnahe Führung folgen.“ Hui, das ist es, mein liebes Tagebuch. Und er legt nach: „Das Honorar muss wachsen, auch ohne zusätzliche Arbeit.“ Wer will da widersprechen. Mein liebes Tagebuch, da rutscht einem doch fast ein „Siemsen for President“ raus – wenn er sich denn hätte aufstellen lassen. Aber vielleicht färbt sein Drive ja auf die neue ABDA-Ära ab!



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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5 Kommentare

Die Worte hör ich wohl, Kai Siemsen . . .

von Uwe Hansmann am 29.11.2020 um 16:23 Uhr

. . . nicht nur mir allein fehl5 de4 Glaube, das es da zu irgendwie gearteten Anpasungen in adäquater Höhe kommen wird. Ich erinnere an den Rohrkrepierer „Perspektivpapier 2030“. Was bleibt am Ende davon, wenn die Politik weiter die Konzentrationsschraube dreht? Denn nichts anderes spielt sich doch vor unseren Augen ab, ohne das wir ich nur im Entferntesten an Besserung glauben können. Schon jetzt sind viele Betriebe älterer Kollegen nahezu unverkäuflich, da die rigorose Preispressingpolitik der Regierung im Verein mit den Krankenkassen die Roherträge an die absolute Schmerzgrenze gedrückt hat. Die vielgepriesenen Mehrwertdienste und deren immer noch unklare, ja schwammige, Entlohnung wird den Berufsstand nicht aus dem Keller holen.

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Widerspruch

von Reinhard Rodiger am 29.11.2020 um 14:51 Uhr

Da redet die neue Führung von Weiterentwicklung der fachlichen Arbeit trotz stetigem, selbst erzeugten Schwinden von Apotheken.Das Studium soll verlängert werden, bei Erhöhung der Chancenlosigkeit für Selbstständigkeit."Junge" sollen motiviert werden trotz schwindender Möglichkeiten.Das KO für Vor-Ort-Apotheken soll Zuversicht bringen.Es geht also weiter mit der Fehleinschätzung von Zukunft.Der Sack mit der unerwünschten Katze bleibt weiterhin zu. Ist nicht allein der Widerspruch zwischen Förderung der einen Seite und systematischer Verkleinerung der anderen vielsagend genug?

Kurz gesagt: nichts wurde gelernt.Motivierend könnte nur sein, offen einzustehen für die Fehlhandlung der Vergangenheit :
Preisgabe der Basis, der Geschäftsgrundlage.Die Politik hat das begriffen, sie lässt ihre Missachtung überall durchscheinen.
Niemand sagt etwas. Das Schweigen ist laut genug.Auch das wird verstanden.Ergebnis: Spielball.

Positiv interpretiert:das Spiel kann gedreht werden und mit neuer Führung die Regie übernommen werden.Oder , wir bleiben, was vorher erreicht wurde: eben Spielball, zu beliebigen Verwendung.

Also das Spiel drehen oder durch den Wolf gedreht werden.
Ein Appell.


PS: Es ist schwer,aber es wurde ja auch nie versucht.Eine Chance.

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Ergebnispolitik

von Ulrich Ströh am 29.11.2020 um 9:35 Uhr

Recht so, Kai-Peter Siemsen :

„Das Honorar muß wachsen, auch ohne zusätzliche Arbeit ….“

Endlich ein norddeutscher Kammerpräsident,der Klartext nach vielen Jahren des Stillstands spricht.

Standespolitik ist auch immer Ergebnispolitik.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Ergebnispolitik

von Dr.Diefenbach am 29.11.2020 um 12:49 Uhr

Also mal ehrlich:DAS kann ja wohl kaum als pfiffiger Leuchtturm in Form einer Aussage angesehen werden!DIESE Forderung, halt mit anderen Worten, besteht seit JAHREN,sie wurde auf Apothekertagen und Kammerversammlungen x-fach vorgetragen.Und dass die Realisierung jetzt wieder gefordert wird, ist zwar nett gemeint, wird aber wohl im Strudel der Spahnschen Corona-Geldverteilung vom Tisch gewischt werden."Nett" gemeint heisst allerdings:ES ist eine Unverschämtheit,dass die Politik uns mit einer lächerlichen Centanpassung vor einigen Jahren abspeiste, sich wohl auch weiterhin am durchschnittlichen Jahresergebnis OHNE Berücksichtigung der Rechtsverschiebung orientiert und letztendlich die Systemrelevanz der Apotheken (ein zweifelhafter Auslegungsbegriff) schon wieder ad acta gelegt haben könnte.Wie in dieser Woche in einem Beitrag auch MAL WIEDER erwähnt:Mediziner bekommen bei Forderungen stets Zusatzhonorare,den Juristen droht eine Erhöhung(!) der Vergütungen um 1o !!!! Prozent.UND:Fritz Becker führte mal aus, dass die Kompensation vor einigen Jahren, die uns Cents einbrachte,über einen Euro hinaus (die genaue Summe weiss ich nicht mehr) gehen müsse, aber nicht realisierbar sei.SO siehts aus,lieber Herr Siemsen, und DA wäre wohl die ABDA MV schon lange in der Pflicht gewesen.Da turteln doch 34 Organisationen zusammen, oder ???

60. Große Fortbildung - Herzlichen Glückwunsch Kammer Nordrhein

von Smilla Schwarz am 29.11.2020 um 8:07 Uhr

Am Mittwoch dieser Woche fand in der Apothekerkammer Nordrhein zum 60. mal die Große Fortbildung statt. Für diesen runden Geburtstag wurde das Thema „Health goes digital - wir Apotheker auch?!“ ausgewählt. Diese Kombination weckte Hoffnungen auf ein digitales Feuerwerk der Fortbildung. Denn in der Coronakrise hat sich keine Branche so rasant fortentwickelt wie das digitale Veranstaltungsmanagement und wie die Methodik in der digitalen Lehre. Professionell organisierte Tagungen vermögen inzwischen einen großen Teil dessen auch digital abzubilden, was den Erfolg der große Fortbildung in Nordrhein immer ausgemacht hat, das Treffen von Kollegen, die man lange nicht gesehen hatte, der fachliche Austausch in den Veranstaltungspausen und das „Get together“ im Anschluss.

Es ist sehr bedauerlich, dass gerade in dieser Jubiläumsveranstaltung die neuen Chancen und Optionen des professionellen Tagungsmanagements nicht eingesetzt wurden. Man beschränkte sich auf bewährte hauseigene Möglichkeiten. Auch dann dürfen die mehr als 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Vorbild für ihr eigenes Handeln von ihrer Kammer Nordrhein einen professionellen Auftritt erwarten. Das gilt nicht nur für den Neuigkeitswert der Inhalte der großen Fortbildung, sondern ganz besonders auch für eine professionelle Selbstdarstellung als Körperschaft öffentlichen Rechts. Dazu gehören die perfekte Ausleuchtung der Moderierenden, eine Kameraführung, die den Referenten in den Mittelpunkt des Bildes rückt, ein einheitlicher, organisationsbezogener virtueller Hintergrund, eine angemessene, anlassbezogene Buisiness-Kleidung und die konsequente Einhaltung des im Programm veröffentlichten Zeitplans. Es mag der Einschätzung jedes einzelnen der über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst überlassen bleiben, in wie weit jeder selbst bei dieser Veranstaltung diese Anforderungen vom Flaggschiff der nordrheinischen Fort- und Weiterbildung als erfüllt ansieht. Die Apothekerkammer Nordrhein selbst hat jedenfalls damit, dass nicht der Präsident selbst sondern seine Stellvertreterin das Eröffnungsreferat übernommen hat, nonverbal ein unmissverständliches Signal gesetzt. Sie hat damit den Stellenwert beschrieben, den die Kammer selbst sowohl dem Thema „Health goes digital“ als auch der beruflichen Fort- und Weiterbildung derzeit zumisst.

...ach übrigens, Apothekerinnen und Apotheker freuen sich durchaus über ein online-Grußwort, das eine persönliche Wertschätzung für die in der Apotheke vor Ort Tätigen zum Ausdruck bringt. Das gilt erst recht, wenn sich jemand am nächsten Tag für eine Position im BAK-Vorstand bewerben will, die er aus eigenen Kräften allein niemals hätte erreichen können sondern für die er als Grundvoraussetzung ein zustimmendes Wahlverhalten seiner Kolleginnen und Kollegen vor Ort benötigt hat.

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