Schnelle und anhaltende Wirkung

Psilocybin bei schweren Depressionen

Stuttgart - 26.11.2020, 15:35 Uhr

Das in „Zauberpilzen“ enthaltene halluzinogene Psilocybin kann nach einer aktuellen Studie die depressive Stimmung von Patienten positiv beeinflussen. (p / Foto: kichigin19 / stock.adobe.com)

Das in „Zauberpilzen“ enthaltene halluzinogene Psilocybin kann nach einer aktuellen Studie die depressive Stimmung von Patienten positiv beeinflussen. (p / Foto: kichigin19 / stock.adobe.com)


Auch nach vier Wochen noch antidepressive Effekte

Eine Woche nach Psilocybin-Einnahme zeigte sich bei zwei Drittel der Teilnehmer (67 Prozent, 16 Probanden) eine signifikante klinische Verbesserung der Depression, nach vier Wochen war dies bei 17 Teilnehmern (71 Prozent) bemerkbar. Für eine klinisch signifikante Verbesserung musste sich der GRID-Hamilton-Score um mindestens 50 Prozent verringert haben. Die Kriterien einer Remission erfüllten 58 Prozent (14 Teilnehmer) eine Woche nach Abschluss der Psilocybin-Gabe und 54 Prozent (13 Teilnehmer) noch nach vier Wochen. Am häufigsten traten den Wissenschaftlern zufolge Kopfschmerzen und Gefühlsveränderungen während der Psilocybin-Sitzungen auf, diese seien von leichter bis mittlerer Schwere gewesen.

Die Wissenschaftler sehen in diesen Ergebnissen die Wirksamkeit einer Psilocybin-gestützten Therapie bei Patienten mit schweren Depressionen belegt: Psilocybin habe „starke, schnelle und anhaltende antidepressive Wirkungen“ gezeigt. Die Ergebnisse stehen im Einklang mit einer früheren doppelblind-randomisierten Psilocybin-Studie an lebensbedrohlich erkrankten Krebspatienten – auch aus dem Arbeitskreis von Griffith. Hier reduzierte Psilocybin Depressionen und Ängste der Patienten.

Abhängigkeitspotenzial untersuchen

Als Stärke der Studie sehen die Wissenschaftler ihr Design. Auch wenn sie einräumen, dass die Gabe in verzögerten Gruppen – und nicht placebokontrolliert – Erwartungseffekte auf die Behandlung oder die Effekte durch das Verhältnis zu den Therapeuten und Behandlern nicht ausräumen. Als Schwäche der Studie können die kleine Probandenzahl (24) und die nur kurze Nachbeobachtungszeit genannt werden. Zudem seien größere, placebokontrollierte und längere Studien vonnöten, um das Missbrauchspotenzial von Psilocybin, psychotische Notfälle oder das Selbstmordrisiko unter der Behandlung zu bewerten. 

Psilocybin im Vergleich zu Ketamin

Obwohl die raschen antidepressiven Wirkungen von Psilocybin ähnlich denen seien, die über Ketamin berichtet wurde, sind die therapeutischen Wirkungen laut den Wissenschaftlern anders: So dauerten die Ketaminwirkungen typischerweise einige Tage bis zwei Wochen an, während ihre Psilocybin-Studie eine mindestens vierwöchige antidepressive Wirkung gezeigt habe. Zudem erwarten die Wissenschaftler bei Psilocybin ein geringeres Abhängigkeitsrisiko als bei Ketamin.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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