Corona-Impfstoff von Astra Zeneca

AZD1222 erzeugt robuste Immunität auch bei Senioren

Stuttgart - 23.11.2020, 11:45 Uhr

AZD 1222, der Corona-Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford, sorgt bei älteren Menschen für eine vergleichbar gute Immunantwort wie bei Jüngeren. Zudem berichteten die Senioren über tendenziell weniger Nebenwirkungen. (Foto: Halfpoint / stock.adobe.com)

AZD 1222, der Corona-Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford, sorgt bei älteren Menschen für eine vergleichbar gute Immunantwort wie bei Jüngeren. Zudem berichteten die Senioren über tendenziell weniger Nebenwirkungen. (Foto: Halfpoint / stock.adobe.com)


Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca scheint auch bei älteren Menschen eine robuste Immunität zu erzeugen und tendenziell verträglicher zu sein als bei Jüngeren, zu diesem Fazit kommen Wissenschaftler bei einer Zwischenauswertung von ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) in „The Lancet“. Dies ist in zwei Punkten interessant: Denn ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für schwere und tödliche COVID-19-Verläufe, jedoch reagiert ihr Immunsystem aufgrund von Immunoseneszenz meist schlechter auf eine Impfung als das von jüngeren Menschen.

Wie gut wirken die Corona-Impfstoffe? Diese Frage ist derzeit von enormer Brisanz, Ergebnisse zur Impfeffektivität der am weitesten fortgeschrittenen Impfstoffkandidaten – BNT162b2 von Biontech/Pfizer, mRNA-1273 von Moderna und AZD1222 von AstraZeneca – erwartet die Welt mit Spannung und verfolgt sie mit enormen Interessen. Nachdem Biontech/Pfizer und Moderna in diesen Tagen mit Wirksamkeiten von 95 und 94,5 Prozent zu ihren Vakzinen vorgelegt haben, gibt es nun auch eine Auswertung von Phase-II-Daten der randomisierten, einfach verblindeten Phase-II/III-Studie (COV002) der Astra-Zeneca-Vakzine ChAdOx1 nCoV-19, auch bekannt unter AZD1222. Wissenschaftler um Maheshi N. Ramasamy von der Universität Oxford veröffentlichten diese Daten im Fachjournal „The Lancet“ – „Safety and immunogenicity of ChAdOx1 nCoV-19 vaccine administered in a prime-boost regimen in young and old adults (COV002): a single-blind, randomised, controlled, phase 2/3 trial“. Es ist bereits die fünfte veröffentlichte klinische Studie eines SARS-CoV-2-Impfstoffs, der an älteren Menschen geprüft wird. Es handelt sich um vorläufige Ergebnisse, die EMA prüft AZD1222 bereits in einem Rolling-Review-Verfahren. Die Studie läuft noch und ist bei ClinicalTrials unter NCT04400838 registriert.

Der Impfstoff von AstraZeneca basiert auf einem Schimpansen-Adenovirus, in das das Gen für das SARS-CoV-2-Spike-Protein integriert wurde. (Die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna setzen auf mRNA, wie auch die Curevac-Vakzine CVnCoV. Allerdings befindet sich Letzterer noch nicht in Phase III.)

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Die Wissenschaftler werteten Daten von 552 Patienten aus (560 waren eingeschlossen), die altersspezifisch in Subgruppen aufgeteilt worden waren. Sie hatten entweder eine Dosis ChAdOx1 nCoV-19 oder einen Kontrollimpfstoff – die quadrivalente Meningokokken-Vakzine MenACWY – erhalten.

  • 18 bis 55 Jahre: 100 Teilnehmer erhielten ChAdOx1 nCoV-19 und 60 Teilnehmer MenACWY, zwei Dosen im Abstand von 28 Tagen
  • 56 bis 69 Jahre: 120 Teilnehmer erhielten ChAdOx1 nCoV-19 und 40 Teilnehmer MenACWY, je entweder eine nur Dosis oder zwei Dosen im Abstand von 28 Tagen
  • 70 Jahre und älter: 200 Teilnehmer erhielten ChAdOx1 nCoV-19 und 40 MenACWY, je entweder nur eine Dosis oder zwei Dosen im Abstand von 28 Tagen

Sicherheit und Immunantwort von AZD1222

Die Probanden durften an keinen schweren oder nicht-kontrollierten Erkrankungen leiden, bei ab 65-Jährigen durfte zudem kein hoher Gebrechlichkeitsgrad vorliegen. Der Gebrechlichkeitsgrad beschreibt den Gesundheitszustand älterer Menschen und berücksichtigt Alterung und Anfälligkeit für schwere Ereignisse. 

Ziel der Studie war, die Sicherheit des Corona-Impfstoffes und dessen humorale und zelluläre Immunogenität bei einem Ein-Dosen-Schema und einem Zwei-Dosen-Schema bei Erwachsenen über 55 Jahren zu untersuchen. Als koprimäre Endpunkte definierten die Wissenschaftler die Wirksamkeit von ChAdOx1 nCoV-19 nun jedoch gemessen an der Anzahl der virologisch bestätigten und symptomatischen COVID-19-Fälle sowie die Sicherheit der Vakzine, was am Auftreten schwerer unerwünschter Ereignisse gemessen wurde.

Bei Älteren tendenziell besser verträglich

An den Tagen 0, 7, 14 und 28 nach der Haupt- und Auffrischungsimpfung wurde die klinische Immunantwort untersucht. Es zeigte sich, dass die neutralisierenden Antikörper nach der zweiten Impfung in allen drei Alterskohorten ähnlich waren, bereits 14 Tage nach der zweiten Impfdosis hatten 208 von 209 Teilnehmern (>99 Prozent) neutralisierende Antikörperreaktionen. Auch erreichten IgG-Antikörper gegen das Spikeprotein – das Antigen in ChAdOx1 nCoV-19 – nach der Auffrischimpfung in allen drei Altersgruppen ähnliche Titer. Interessanterweise erhöhten sich nach der zweiten Impfdosis lediglich Spikeprotein-Antikörper, nicht jedoch die neutralisierenden.

Die T-Zell-Reaktionen erreichten ihren Höhepunkt am 14. Tag nach einer ersten Impfdosis mit ChAdOx1 nCoV-19: „Die robusten humoralen und zellulären Immunantworten, die in unserer älteren erwachsenen Bevölkerung erzielt wurden, sind ermutigend, da eine Reihe von Studien gezeigt haben, dass eine mit dem Alter abnehmende Immunfunktion zu einer verminderten Immunantwort auf Impfstoffe führt“, ordnen die Wissenschaftler die positiven Ergebnisse ein.

Auch zeigte sich AZD1222 bei älteren Menschen nicht schlechter verträglich als bei jüngeren. Schmerzen an der Injektionsstelle, Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen traten bei älteren Erwachsenen (≥56 Jahren) sogar seltener auf als bei jüngeren Erwachsenen: Es kam in der Altersgruppe der 18- bis 55-Jährigen bei 88 Prozent zu Lokalreaktionen an der Injektionsstelle, in der Gruppe der 56- bis 69-Jährigen berichteten 73 Prozent über diese Nebenwirkung und bei den ab 70-Jährigen waren es 61 Prozent. Systemische unerwünschte Reaktionen (Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Myalgien) waren ebenfalls bei den Älteren seltener – sie nahmen mit zunehmendem Alter der Probanden von 86 Prozent, über 77 Prozent zu 65 Prozent ab. Generell waren Nebenwirkungen unter ChAdOx1 nCoV-19 häufiger als unter dem Kontrollimpfstoff MenACWY.

Während des Studienzeitraums sei es zu 13 schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen gekommen, von denen keines mit einem der beiden Studienimpfstoffe in Zusammenhang gebracht werden konnte, so die Wissenschaftler. Die Studie war zwischenzeitlich auch bereits pausiert worden, konnte dann aber weitergeführt werden.

Nur gesunde Probanden und nur einfach verblindet

Als große Schwäche der Studie nennen die Autoren, die einfache Verblindung: Teilnehmer und Prüfärzte waren verblindet, nicht aber das Personal, das den Impfstoff verabreichte. Zudem wurden nur gesunde Probanden eingeschlossen, kardiometabolisch Vorerkrankte mit einem besonders hohen Risiko für schwere Corona-Verläufe wurden nicht untersucht.

Studie stützt den Einsatz von AZD1222 bei Älteren

Ihr Fazit mutet dennoch positiv an: „Wir fanden eine ähnliche Sicherheit und Immunogenität von ChAdOx1 nCoV-19 bei älteren Erwachsenen im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen, was den Einsatz dieses Impfstoffs in dieser älteren Altersgruppe stützen könnte, wenn er sich in den Phase-III-Studien als protektiv erweist.“



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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