Planung für Corona-Impfungen

PTA aus Apotheken zur Impfstoff-Rekonstitution gesucht

Kiel - 19.11.2020, 17:00 Uhr

Könnten PTA aus den Apotheken in Impfzentren bei der Rekonstitution des Corona-Impfstoffes helfen? Für diese Frage hat sich das Landesgesundheitsministerium in Schleswig-Holstein an die Apothekerkammer gewendet. (p / Foto: Alernon77 / stock.adobe.com)

Könnten PTA aus den Apotheken in Impfzentren bei der Rekonstitution des Corona-Impfstoffes helfen? Für diese Frage hat sich das Landesgesundheitsministerium in Schleswig-Holstein an die Apothekerkammer gewendet. (p / Foto: Alernon77 / stock.adobe.com)


Bei den erhofften Corona-Impfungen ist auch pharmazeutisches Personal gefragt – nicht für die Injektion, sondern für die Rekonstitution des Impfstoffs. Über eine offizielle Anfrage zu PTA für diese Aufgabe wurde bei der Kammerversammlung der Apothekerkammer Schleswig-Holstein berichtet. Weitere Corona-Themen waren dort die Verteilung staatlich finanzierter Masken in Apotheken und der Einsatz von Antigentests im Rahmen eines Hygienekonzepts für das Apothekenpersonal.

Eines der vielen Themen bei der Online-Kammerversammlung der Apothekerkammer Schleswig-Holstein am gestrigen Mittwochnachmittag war die mögliche Beteiligung von pharmazeutischem Personal an den erhofften Corona-Impfungen. Kammerpräsident Dr. Kai Christiansen berichtete, dass das Landesgesundheitsministerium bei der Apothekerkammer angefragt habe, ob PTA aus den Apotheken in Impfzentren bei der Rekonstitution des Impfstoffs helfen könnten. In der Diskussion ergänzte Prof. Dr. Christian Peifer, dass dazu auch Pharmaziestudierende aus dem Hauptstudium eingesetzt werden könnten. Sie seien dafür aufgrund ihrer Praktikumserfahrung bestens geeignet. Im Pharmazeutischen Institut der Universität Kiel seien etwa 200 Studierende im Hauptstudium und er sei bereit, ihren Einsatz zu organisieren. Peifer wies darauf hin, dass in der Pflege wegen der Pandemie auch Studierende der Medizin eingesetzt würden.

48 Stunden Zeit bei Kühlschranktemperatur

Christiansen erläuterte, dass auch die Impfstoffe mit Extremkühlung für 48 Stunden bei Kühlschranktemperatur transportiert und gelagert werden könnten. Daher sei vorgesehen, den Transport zu den Impforten bei Kühlschranktemperatur vorzunehmen. Dafür würden 24 Stunden eingeplant. Dann blieben noch 24 Stunden für alle weiteren Schritte bis zur Impfung. Nach der Rekonstitution blieben sechs Stunden bis zum Impfen, erklärte Christiansen. Damit bestehe die Herausforderung, das nötige Personal für diese Arbeit zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitzustellen. Außerdem müssten weitere Aspekte wie die Versicherung geklärt werden. Christiansen erwartet, dass die Rekonstitution eher „unter afrikanischen Bedingungen“ und nicht unter einem Laminar-air-flow stattfinden werde.

In der Diskussion wurde berichtet, dass die Behörden auch beim Verband der Zytostatika herstellenden Apotheken (VZA) angefragt hätten. Der VZA habe seine Bereitschaft zur Unterstützung signalisiert. In der Kammerversammlung wurden allerdings auch Bedenken geäußert, wie angesichts der knappen Personalsituation PTA aus Apotheken für andere Aufgaben abgegeben werden könnten. Doch es bestand Konsens, dass sich Apotheker und pharmazeutisches Personal einbringen müssten. Denn es gebe niemanden, der besser für eine solche Aufgabe geeignet sei.

Mögliche Maskenverteilung in Apotheken

Als weiteren Aspekt der Pandemie sprach Christiansen in seinem Bericht die Verteilung von FFP2-Masken an vulnerable Gruppen durch Apotheken an, wie sie in Bremen bereits stattgefunden hat. Aufgrund von Presseberichten würden Kunden auch anderswo bereits in Apotheken nachfragen. Hier zeige sich erneut, wie ungünstig es sei, wenn die Politik erst die Medien und dann die betroffenen Leistungserbringer informiere. Denn bisher seien die Einzelheiten noch unbekannt. Zugleich betonte Christiansen, dass der Vorsitzende des Apothekerverbands Schleswig-Holstein, Dr. Peter Froese, diese Idee bereits im März gegenüber der Politik vorgeschlagen habe.

In der Diskussion ging Froese auf einen dritten aktuellen Aspekt der Pandemie ein – die Antigentests. Allerdings ging es Froese an dieser Stelle nicht um die in Schleswig-Holstein noch ungeklärte Abgabe solcher Tests, sondern um den Einsatz bei Apothekenmitarbeitern. Apothekenleiter sollten dringend über solche Tests nachdenken, riet Froese. Nach jüngsten Informationen könnten solche Tests zum Schutzkonzept für das Apothekenpersonal gehören. Dazu sei unbedingt eine Schulung für die Probenentnahme nötig. Wenn die qualifizierte Entnahme nachgewiesen werde, könnten solche Tests als Nachweise gegenüber Behörden gelten.



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

Fassungslos

von Marcel am 30.11.2020 um 13:49 Uhr

bitte seid euch darüber im klaren das Ihr euch zu Mittätern macht ! Es ist unglaublich wie gutgläubig die Massen hier sind.
Persöhnlich hoffe ich das alle hierfür zur Verantwortung gezogen werden und am Ende voll für ihr Mitwirken Haften !
JEDER hat die Möglichkeit sich über die Krankheit in Fachkreisen zu informieren. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe !

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Fassungslos

von M.A. am 02.12.2020 um 19:14 Uhr

Ich hätte da ein paar Fragen:
1. Inwiefern Mittäter? Die Bevölkerung vor weiteren Infektionen zu schützen und wenigstens ein bisschen Normalität wiederherstellen?
2. Welche Fachkreise wären das zum Beispiel? Ich empfinde die DAZ eigentlich als recht zuverlässige Quelle. Abgesehen von den netten Vertretern mit Alu-Hüten selbstverständlich.

Rassistische Beschreibung

von M.C. am 29.11.2020 um 15:32 Uhr

Mir ergibt sich hier nicht wieso Christiansens rassistische Beschreibung von "afrikanischen Verhältnissen" hier als Zitat verwendet werden muss, wenn man das ganze auch anders umschreiben hätte können.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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