Versammlung der Sächsischen Apothekerkammer

Schmidt: „Es war richtig, den Kurs zu wechseln“

Berlin - 03.11.2020, 14:00 Uhr

Friedemann Schmidt (hier beim Deutschen Apothekertag 2019 in Düsseldorf) verteidigt den Kurswechsel der ABDA in Sachen RxVV – er räumt aber auch Defizite in der standespolitischen Kommunikation ein. (Foto: Schelbert)

Friedemann Schmidt (hier beim Deutschen Apothekertag 2019 in Düsseldorf) verteidigt den Kurswechsel der ABDA in Sachen RxVV – er räumt aber auch Defizite in der standespolitischen Kommunikation ein. (Foto: Schelbert)


Der Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer (SLAK) und der ABDA, Friedemann Schmidt, verteidigte bei der SLAK-Versammlung den Kurswechsel weg vom Rx-Versandverbot hin zum Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz. Leider sei es nicht gelungen, diese Entscheidung innerhalb des Berufsstands angemessen zu kommunizieren, räumt Schmidt ein.

Vergangene Woche verabschiedete der Deutsche Bundestag das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG). Und nicht nur die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag (CDU), bedauert, dass nicht stattdessen das Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln auf der Tagesordnung stand: Auch viele Apotheker hätten lieber auf das RxVV gesetzt. Das war zuletzt beim Deutschen Apothekertag (DAT) 2019 in Düsseldorf deutlich zu spüren.

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Friedemann Schmidt, zugleich Präsident der Sächsischen Apothekerkammer und der ABDA, verteidigte den Kurswechsel, den die Standesvertretung zum Jahreswechsel 2017/2018 vollzogen hat. „Es gab ein Zeitfenster für das Versandverbot“, sagte Schmidt bei der Online-Versammlung der SLAK am heutigen Dienstag. Dieses habe sich jedoch bereits vor der Bundestagswahl im Jahr 2017 geschlossen „und wurde mit der Ernennung von Jens Spahn zum Bundesgesundheitsminister endgültig verriegelt.“ Daher sei es richtig gewesen, die Strategie zu ändern und das VOASG zu unterstützen.

Die ABDA habe es jedoch versäumt, diese Entscheidung dem Berufsstand ausreichend zu vermitteln. „Zwei Jahre Trommeln für das RxVV haben Spuren hinterlassen. Die Auswirkungen haben wir und habe auch ich unterschätzt.“ Die daraus resultierenden Spannungen innerhalb der Apothekerschaft gipfelten in einer leidenschaftlich geführten Debatte beim DAT 2019. „Diese Debatte war nötig, hat uns aber auch geschadet“, resümierte Schmidt. „Unseren politischen Unterstützern hat dies viel Geduld abverlangt.“

Botendiensthonorar für Versender „völlig abseitig und widersinnig“

Nach langer Hängepartie hat es die Apothekenreform nun über die Zielgerade geschafft – und einen darin enthaltenen wichtigen Meilenstein unterstreicht der SLAK-Präsident erneut: „Wir sind in unserer aktuellen Wettbewerbssituation noch viel zu sehr vom Arzneimittelpreis abhängig. Diese Abhängigkeit müssen wir reduzieren.“ Mit der Vergütung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen, die überdies im Sozialrecht festgeschrieben ist, mache der Gesetzgeber den ersten Schritt in diese Richtung.

Auch dass die Apotheken künftig dauerhaft 2,50 Euro für jede Botendienst-Lieferung bekommen werden, ist für Schmidt ein Paradigmenwechsel. Denn damit steht die erste Leistung fest, die der Apotheker nicht nur ausführt, sondern selbst veranlasst. Positiv bewertet der Präsident zudem die Tatsache, dass dieses Honorar weder gedeckelt noch an bestimmte Voraussetzungen gebunden ist. Zwar sei die Vergütung des Botendiensts ein „kritischer Punkt“ bei der öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss gewesen, letztlich habe jedoch die Politik ihre Entscheidung getroffen. „Das ist der Weg, den wir auch bei den pharmazeutischen Dienstleistungen gehen müssen“, so Schmidt. „Wir müssen die Politik überzeugen.“

Zu dem jüngsten Vorstoß der europäischen Versandhändler, die jetzt ebenfalls 
2,50 Euro pro Sendung fordern, hat der ABDA-Chef eine klare Meinung. „Die Offizinen betreiben keine verkappte Versandhandelslogistik“, betonte er. Hier entscheide ein Mitarbeiter, ob ein Botendienst für den individuellen Patienten nötig sei oder nicht. „Deshalb handelt es sich auch um eine pharmazeutische Leistung.“ Es sei „völlig abseitig und widersinnig“, dass der Versandhandel das Botendienst-Honorar auch für sich zu beanspruchen versuche.

Lieber Eigenverantwortung als staatliche Hilfe

Die Apothekenreform bringt einige Lichtblicke mit sich – dennoch stimmt Schmidt die Apotheker auf weitere schwierige Jahre ein. Denn die Rahmenbedingungen sind aus seiner Sicht nicht optimal. Nachwuchsmangel, Versandhandel und andere Probleme machen den Offizinen zu schaffen. „Wir werden als Kammer weiterhin alles tun, um die Situation der Kollegen zu verbessern“, verspricht der Präsident. Es gelte, die Versorgung „bis in die letzte Ecke der Republik zu sichern“.

Wie wichtig die Präsenzapotheken für die Menschen vor Ort sind, habe sich während der Pandemie sehr deutlich gezeigt. „Wir waren voll da, es gab zu keinem Zeitpunkt ein Versorgungsproblem.“ Dass die Offizinen sich in der Krise so gut behaupten konnten, führt Schmidt auf die Eigenverantwortung der Inhaber und die Kompetenz der Mitarbeiter zurück. „Unsere Leute wissen, was Hygiene ist und sind im Umgang mit Risiken geschult“, unterstrich der SLAK-Präsident. „Wir haben schneller als alle anderen aufgerüstet, hinter Plexiglas gearbeitet und so ein gutes Beispiel abgegeben.“

Dies alles sei den Apothekern weitgehend geräuschlos und ohne staatliche Unterstützung gelungen. Gegenüber anderen Berufsgruppen, die lange auf Hilfe warten mussten, waren die Pharmazeuten demnach vielleicht sogar im Vorteil. „Es ging einfach schneller und besser in Eigenverantwortung.“ Auch die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung hat Schmidt zufolge die ABDA geschrieben. „Das Bundesministerium für Gesundheit hat unseren Entwurf fast vollständig übernommen – wir waren erfolgreich.“ Dass die Apotheker in der Krise zur Stelle waren, bringe ihnen nicht nur Ansehen und Pluspunkte in der Politik, sondern auch das gute Gefühl, eine unverzichtbare Rolle auszufüllen. „Wir werden gebraucht. Immer. In jeder Gesellschaft.“



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Komplettversagen von Schmidt & ABDA

von Henrike Sommer am 03.11.2020 um 20:05 Uhr

Die ABDA ist ein kostenintensives, nutzloses Anhängsel der Apothekerverbände unter Präsident FS geworden, weil sie die für die Existenzerhaltung der freien, inhabergeführten Apotheke wichtigsten politischen Ziele verraten bzw. nicht erreicht hat:
- Das ist das Versandverbot verschreibungspflichtiger Arzneimittel ( Rx- Versandverbot), welches ein Garant für die in Deutschlang gesetzlich verankerte Preisbindung dieser Warengruppe sowie für die Existenz der inhabergeführten Vor-Ort-Apotheke ist
- Das sind dringend benötigte Honorarerhöhungen für Apotheken, die der Gesetzgeber seit 18 Jahren nicht mehr beschlossen hat. Gesetzlich veranlasste kostenintensive Mehrleistungen, Steigerungen der Betriebskosten und der Personalgehälter, aufgestaute Mehrkosten durch Inflation, dringend notwendige Investitionen für die Digitalisierung, Automatisierung der Betriebe und Weiterbildung der Apothekenangestellten müssen aus den lächerlich geringen Honoraren gestemmt werden. Doch die branchenübliche Umsatzrendite von nur 0,5 bis 1 % lässt den Apothekenunternehmen kaum wirtschaftlichen Atem und führt zunehmend zu deren Schließungen. Im Vergleich dazu hat die Pharmaindustrie eine satte Umsatzrendite von ca. 18%
- Das sind fehlende oder überalterte Ausbildungsinhalte von künftigen Apothekern in Universitäten, welche auch an die moderne Alltagsrealität der öffentlichen Apotheke dringend angepasst werden müssen.
- ABDA & Landesapothekenverbände kümmern sich zu wenig um die durch die AvP-Insolvenz in finanzielle Not geratenen 3500 Apotheken. Nur wenn Vorstandsmitglieder in diesen Organisationen selber betroffen sind, gibt es das eine oder andere Gespräch mit Landesregierungen. Diese skandalöse Haltung spricht Bände über deren Wirken und führt zu der Frage, ob und wie Landesapothekerverbände neben Ihren Vertragsverhandlungen mit Krankenkassen gegenüber Politikern unseres Landes überhaupt noch wirtschaftspolitisch in Erscheinung treten:
- Wie sonst ist es erklärbar, dass die versprochenen zinsgünstigen KFW-Kredite nicht ernst gemeint waren und eben nicht an Betroffene ausgeschüttet werden konnten? Ein halbherziger PR-Gag als Trostpflaster. Wie sonst ist erklärbar, dass ABDA-Präsident FS systematisch die Mitglieder und Vorstände der Landesapothekerkammern und -verbände in Mitgliederversammlungen im Jahre 2019 davon überzeugt hat, dass das Rx-Verbot chancenlos sei? Dies ist nur eine Behauptung, mehr nicht! Es ist zwar ersichtlich, dass Spahn mit seinem VOASG kräftig für europäische Versandapotheken lobbyiert. Dennoch: Das Rx-Versandverbot muss schnell und kraftvoll wieder zurückkehren auf die politische Agenda der Apotheken! Wenn nicht, wird sich ein neuer Apothekerbundesverband gründen mit genau dieser Zielstellung.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Komplettversagen von Schmidt & ABDA

von Wolfgang Steffan am 04.11.2020 um 8:42 Uhr

Frau Sommer muß ich vollinhaltlich zustimmen.
In jeder Hinsicht !
Unsere Berufsverbände, von uns alimentiert, sollten eigentlich die Interessen ihrer Mitglieder vertreten. Nicht die vom Chef der Versandapotheken namens Spahn.
Übrigens, wer denn denn seine 5 Mio-Villa kürzlich bezahlt ?
Wem eigentlich nützt das E-Rezept ? Schon einmal nachge-
dacht ?
Wer einigermaßen denken kann, sieht, wohin das Ganze führt: Wenige große Apotheken mit vielen, vielen Filialen, denn
das Mehrbesitzverbot wird völlig aufgeweicht, im Verbund mit
den Versendern, die das flache Land versorgen. Alles a la
americain !
Verband mit den Versendern, die das flache Land versorgen.

AW: Komplettversagen von Schmidt & ABDA

von Dirk Krüger am 10.11.2020 um 12:33 Uhr

Die Ziele wurden nicht erreicht, weil sie verraten wurden. Das VOASG wird vor dem EuGH keinen Bestand haben, die Preisbindung insgesamt wird kippen. Das Fenster zum RxVV ist von Spahn geschlossen worden, die ABDA hat es von innen zugeschweißt. RxVV können wir getrost aus unserem Wortschatz streichen. Es wird nicht nur einen ausufernden Mehrbesitz geben, das Fremdbesitzverbot wird erneut beklagt werden und fallen.

Schmidt

von Conny am 03.11.2020 um 15:51 Uhr

...man hat es schlecht kommuniziert,.....man hat es unterschätzt. Was für ein ....pfosten

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Schmidt

von Frank Hartmann am 03.11.2020 um 19:02 Uhr

Ich mag Ihre Sprache nicht, aber Sie haben sowas von Recht

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