Keine Grippe-Impfstoffe für Ältere

Warum werden Efluelda und Fluad Tetra nicht vermarktet?

Stuttgart - 20.10.2020, 17:50 Uhr

Grippeimpfstoffe werfen alljährlich Rätsel auf. Viele Leser treibt die Frage um, warum Sanofi und Seqirus „Efluelda“ und „Fluad Tetra“ nicht vermarkten, obwohl sie zugelassen sind. (m / Foto: ParamePrizma / stock.adobe.com)

Grippeimpfstoffe werfen alljährlich Rätsel auf. Viele Leser treibt die Frage um, warum Sanofi und Seqirus „Efluelda“ und „Fluad Tetra“ nicht vermarkten, obwohl sie zugelassen sind. (m / Foto: ParamePrizma / stock.adobe.com)


Sanofi wartet auf geänderte Zulassung

Sanofi dürfte zum einen vor das gleiche Problem gestellt gewesen sein, denn auch Efluelda® wird in Hühnerembryonen produziert. Allerdings stört Sanofi, dass es eine Diskrepanz zwischen der Zulassung – ab 65 Jahren – und der STIKO-Empfehlung gibt. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die saisonale Grippeimpfung ab 
60 Jahren. Eine Sanofi-Sprecherin erklärt somit: „Wir möchten eine STIKO-konforme Indikation für Efluelda® und haben aus diesem Grund bei den zuständigen Behörden die Zulassung für Personen ab 60 Jahren beantragt.“ Sanofi erwarte die Entscheidung der Zulassungsbehörden rechtzeitig, um Efluelda® sodann in der nächsten Grippesaison 2021/22 auf den Markt zu bringen.

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Wie die Erstattung seitens der GKV erfolgen wird, ist wohl auch noch offen. Einen Preis nennt die Sprecherin nicht, doch dürfte Efluelda® mit der vierfachen Antigenmenge teurer werden als die „einfachen“ Grippeimpfstoffe, die zwischen 
20 und 25 Euro kosten. Nur: „Eine verbesserte Wirksamkeit mit höherer Antigenmenge wird nicht zum Preis der Standardimpfstoffe zu realisieren sein“, verrät Sanofi.

Einfach vier Grippeimpfungen impfen?

DAZ.online erreichten auch Vorschläge, ob man sodann nicht einfach vier Spritzen einer „normalen“ Grippeimpfung applizieren könnte, um so auf die vierfache Antigenmenge zu kommen. Allerdings sind die Grippeimpfungen dafür nicht zugelassen, zur Boosterimpfung wird nur geraten, für Kinder bis zum vollendeten neunten Lebensjahr, wenn diese noch nie gegen Grippe geimpft wurden. Dann sollten die Kinder nach einer ersten Dosis nach einem Zeitraum von mindestens vier Wochen eine zweite Grippeimpfdosis bekommen. Zu mehreren Impfdosen auf einmal oder in mehrwöchigem Abstand für Erwachsene raten die Fachinformationen nicht.

Zudem scheint die Nachfrage der saisonalen Influenzavakzinen das Angebot zu übersteigen. Apotheker, Ärzte und Patienten berichten über Engpässe bei den Vakzinen. Auch aus diesem Grund dürfte es schwierig werden, manche Patienten off-Label mit vier Grippeimpfdosen zu impfen. Das Paul-Ehrlich-Institut bittet seit letzter Woche darum Engpässe bei Grippeimpfstoffen zu melden.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Spahn-Reserve

von Reinhard Rodiger am 20.10.2020 um 18:21 Uhr

Ist nicht denkbar, dass der Einkauf der US-Variante von Efluelda für die Impfreserve Spahns zu der Zurückhaltung beigetragen hat?

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