Von sehr gut bis mangelhaft

Ökotest checkt Reinigungsmilch für das Gesicht

Stuttgart - 08.10.2020, 07:00 Uhr

Enthalten sie bedenkliche Inhaltsstoffe, wie allergieauslösende Duftstoffe? Ökotest hat Reinigungsmilch für das Gesicht untersucht. (m / Foto: Angelina / stock.adobe.com) 

Enthalten sie bedenkliche Inhaltsstoffe, wie allergieauslösende Duftstoffe? Ökotest hat Reinigungsmilch für das Gesicht untersucht. (m / Foto: Angelina / stock.adobe.com) 


Die Gesichtshaut muss über den Tag einiges wegstecken: Pflegecremes, Sonnenschutz, Make-up sowie Schmutz und Staub aus der Luft. Diese Stoffe sollten zumindest vor dem Schlafengehen wieder entfernt werden. Die Reinigungsprodukte sollten dabei die Haut nicht zusätzlich belasten – etwa mit allergieauslösenden Duftstoffen oder Konservierungsmitteln. Welche Reinigungsmilch ist laut Ökotest empfehlenswert und wie schneidet Reinigungsmilch aus der Apotheke ab?

Enthalten sie bedenkliche Inhaltsstoffe, wie allergieauslösende Duftstoffe? Ökotest hat Reinigungsmilch für das Gesicht untersucht – nicht immer ist „teuer“ ein Garant für gute Qualität im Sinne der Verbraucherschützer. Und sollte die Milch eigentlich abgespült werden oder nur mit einem Pad abgetragen? Auch hier weiß Ökotest Rat. 

Dafür haben die Verbraucherschützer 38 Produkte geprüft. Mit dabei ist Reinigungsmilch, die es auch in der Apotheke gibt – zum Beispiel von Avène, Dr. Hauschka, Eucerin, Vichy und Weleda –, aus dem Naturkostladen, vom Discounter, Klassiker von Nivea und L’Oréal sowie hochpreisige Kosmetik von L’Occitane.

PEG und MOAH unerwünscht

Insgesamt gibt sich Ökotest zufrieden mit den getesteten Produkten – nur dreimal bewerteten sie Reinigungsmilch mit „mangelhaft“: Eau Thermale Avène Milde Reinigungsmilch, L’Occitane Cleansing Milk und L’Oréal Reinigungsmilch Kostbare Blüten. Die Kritikpunkte kennt, wer häufiger Ökotest liest: Polyethylenglykole (PEG). Sie werden in Kosmetika als Penetrationsförderer eingesetzt, da sie die Haut durchlässiger machen. Allerdings nicht nur für das Kosmetikum, sondern auch für Fremdstoffe. Abzüge kassieren wegen PEG auch Vichy Minéral Mizellen Reinigungsmilch und Diadermine Purely Essential Mizellen Reinigungsmilch – für beide gibt es „befriedigend“ als Endnote. 

Avène und L’Oréal enthalten zudem MOAH (Mineralic Oil Aromatic Hydrocarbons), aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, die laut Ökotest im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. L’Occitane enthält zwar keine MOAH, doch fanden die Verbraucherschützer halogenorganische Verbindungen, wie Chlorphenesin, das der Europäischen Kommission zufolge antimikrobielle und konservierende Eigenschaften aufweist. Chlorphenesin darf nach Anlage 6 „Konservierungsstoffe für kosmetische Mittel“ zur Kosmetikverordnung in Konzentrationen bis 0,3 Prozent als Konservierungsmittel eingesetzt werden, es gilt als allergieauslösend und hautreizend. Eine Bewertung durch das Scientfic Committee on Consumer Safety (SCCS), der Verbrauchersicherheit auf EU-Ebene, liegt nach Informationen von DAZ.online bislang nicht vor.

Was sagt das BfR zu MOAH?

Was sagt das BfR zu MOAH?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich zuletzt im Februar 2018 zu Mineralölen in Kosmetik geäußert. Der Begriff Mineralöl wird häufig gleichbedeutend mit Erdöl verwendet, im engeren Sinne entstehen Mineralöle erst durch Destillation von Erdöl. Die BfR-Risikobewertung von 2018 berücksichtigt nur Mineralöle, die hinsichtlich ihrer Qualität den Reinheitsanforderungen an Arzneimittel und an zugelassene Mineralöl-Lebensmittelzusatzstoffe entspricht. Das Bundesinstitut unterscheidet gesättigte Kohlenwasserstoffe – kurz MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons) – und aromatische Kohlenwasserstoffe – kurz MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). Das BfR schreibt: „MOAH könnten potentiell krebserregende Substanzen wie polyzyklische aromatische Verbindungen enthalten.“
Laut EU-Kosmetikverordnung sind Mineralöle in kosmetischen Mitteln nur erlaubt, wenn der Ausgangstoff nicht krebserregend ist und auch der Raffinationsprozess vollständig bekannt ist. Durch das technische Verfahren der Raffination werden Rohstoffe – wie Erdöl – gereinigt und unerwünschte Schwefel-, Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen sowie Alkene entfernt, um die Qualität des Öls zu verbessern. Die EU-Kosmetikverordnung sieht zudem vor, dass das Destillat mit bestimmten Methoden (IP346) geprüft wurde. IP346 ist eine „Eingangsprüfung“ zur prinzipiellen Eignung der Mineralöle für kosmetische Mittel, die Mineralöle werden anschließend noch weiteren Aufreinigungsschritten unterzogen. Ziel ist, dass keine gesundheitlich bedenklichen Mineralöle in der Kosmetik landen.

BfR sieht keine gesundheitlichen Risiken 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Aufnahme über die Haut von MOSH und MOAH aus Mineralölen in Kosmetika gesundheitlich bewertet. Dem BfR zufolge werden in kosmetischen Produkten zur dermalen Anwendung Mineralöle und mikrokristalline Wachse eingesetzt, die hochraffiniert sind und den Reinheitsanforderungen für Arzneimittel entsprechen. Eine technologische Aufreinigung reduziere die MOAH-Gehalte in diesen Mineralölen, MOSH würden durch die Haut kaum aufgenommen und gelangten daher bei dermaler Anwendung mineralölhaltiger kosmetischer Mittel nicht in den Körper, so das BfR. Sein Fazit: „Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand sind aus Sicht des BfR gesundheitliche Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher bei Anwendung kosmetischer Mittel auf der Haut nicht zu erwarten.“ Es seien bislang keine Auswirkungen auf die Gesundheit durch Mineralölkomponenten in Kosmetika berichtet. Und das, obwohl diese „langjährig und oft täglich“ angewendet würden. 

Vorsicht bei Lippenpflege mit Mineralöl 

Ein bisschen kritischer ist das BfR, wenn es um Lippenpflegeprodukte mit Mineralöl geht – hier kann neben der dermalen Aufnahme auch die orale eine Rolle spielen. Niedrigviskose Mineralöle würden vom Körper leicht aufgenommen, weswegen sie bei Lippenpflegeprodukten zum Einsatz kommen. Die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bestimmte hochaufgereinigte Mineralöle (mittel- und hochviskos) für deren Verwendungen in Lebensmitteln – und dazu zählen Kosmetika – gesundheitlich bewertet und zugelassen. Sie hat gemeinsam mit dem gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) maximale Werte für eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI-Werte) bestimmt. Der Europäische Verband der Kosmetikhersteller Cosmetics Europe rät Herstellern von Lippenpflegeprodukten, sodann nur solche Mineralölfraktionen einzusetzen, für die ADI-Werte abgeleitet sind. Insgesamt sei die über Lippenpflegeprodukte oral aufgenommene Dosis an Mineralölen weniger als 10 Prozent der insgesamten ADI-Auslastung des Menschen. Bei Einhaltung der Empfehlung von Cosmetics Europe erwartet das BfR keine gesundheitlichen Effekte durch die orale Aufnahme von Mineralöl. 

Duftstoff Lilial in Nivea verzichtbar

Den zweitschlechtesten Platz mit „ausreichend“ nimmt Nivea ein, hier stört sich Ökotest vor allem an dem Duftstoff Lilial. Dieser habe  sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen. Dem ging auch der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission (SCCS) bereits nach. Unter bestimmten Voraussetzungen kann laut SCCS Lilial als Duftinhaltsstoff in verschiedenen kosmetischen Leave-on- und Rinse-off-Produkten als sicher angesehen werden. Nivea-Hersteller Bayersdorf plant wohl, ab Herbst auf Lilial zu verzichten.

Was sagt die Verbrauchersicherheit der EU zu Lilial? 

Auch auf EU-Ebene ist man skeptisch bei Lilial. Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission (SCCS, Scientific Committee on Consumer Safety) – in dem auch ein Vertreter des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sitzt – kam 2015/16 zu der Einschätzung, dass Lilial „nicht sicher“ in der Verwendung als Duftstoff ist, und zwar sowohl bei abwaschbaren (Rinse-off) als auch auf der Haut verbleibenden (Leave-on) Kosmetika. Zur Mutagenität könne man keine abschließende Bewertung abgeben, Lilial berge jedoch zumindest das Risiko für Hautsensibilisierungen. Lilial muss auf der Packung deklariert sein, wenn in Leave-on-Produkten mehr als 10 ppm und in Rinse-off-Produkten mehr als 100 ppm enthalten sind. 

Das SCCS beschäftigte sich seit der Einschätzung 2015 jedoch weiter mit dem Duftstoff: Im Mai 2019 erklärte das wissenschaftliche Komitee dann zu Lilial – und zwar dann speziell zum para-Isomer! –, dass „auf Einzelproduktbasis Butylphenylmethylpropion (p-BMHCA) mit Alpha-Tocopherol bis 200 ppm als Duftinhaltsstoff in verschiedenen kosmetischen Leave-on- und Rinse-off-Produkten als sicher angesehen werden“ kann. Zur Erklärung: Alpha-Tocopherol wird teilweise als Antioxidans und als Stabilisator direkt nach dem Produktionsprozess von Lilial zugegeben. 

Jedoch gab der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission in seiner Einschätzung vom Mai zu bedenken, dass Lilial auch als Duftstoff in einigen nicht-kosmetischen Produkten verwendet wird – wie Haushaltsreiniger und Waschmittel. Da keine spezifischen Expositionsdaten hierzu vorlagen, konnte das SCCS die Lilial-Belastung durch nicht-kosmetische Produkte auch nicht in der tatsächlichen Gesamtsumme der Expositionsszenarien berücksichtigen. „Die Exposition des Verbrauchers kann höher sein als die Exposition durch kosmetische Mittel allein“, so das Fazit. Das sieht das SCCS nicht unkritisch: Betrachte man nämlich das Gesamtrisiko, das sich aus der Verwendung verschiedener lilialhaltiger Produkte zusammen ergibt, könne sodann Butylphenylmethylpropionat in den vorgeschlagenen Konzentrationen nicht als sicher angesehen werden, so das SCCS. 

Hintergrund für die differenzierte Betrachtung des para-Isomers von Lilial war, dass im März 2017 die IFRA (International Fragrance Association) den Kommissionsdienststellen ein neues Sicherheitsdossier speziell zu para-Lysmeral vorgelegt hatte, mit dem Ziel, die Verwendung des para-Isomers zu verteidigen. Das meta-Isomer wurde laut SCCS vom Hersteller BASF selbst als mutagen eingestuft und wird auch vom SCCS als kritische Verunreinigung bewertet. 

Bei Nivea störte Ökotest zudem, dass – wie auch bei Avène, Diadermine, Eucerin, Garnier, L’Occitane, L’Oréal, Shisara und Vichy – synthetische Polymere enthalten sind, die in der Umwelt schwer abbaubar seien. Eucerin Dermato Clean Reinigungsmilch schafft dennoch ein „gut“.

Die Einser-Schüler aus der Apotheke

Erfreulich hoch ist die Anzahl der getesteten Reinigungsmilchprodukte, die „sehr gut“ sind. Mit dabei die zertifizierte Naturkosmetik Dr. Hauschka Reinigungsmilch und Weleda 2in1 Erfrischende Reinigung, die beide auch in Apotheken erhältlich sind.

Abwaschen oder nicht?

Tipps hat Ökotest auch zur Frage, ob Reinigungsmilch nach dem Auftragen lediglich mit einem Wattepad entfernt werden soll oder mit Wasser abgespült. Teils wird empfohlen, dass das Belassen auf der Gesichtshaut diese durch rückfettende Öle pflegt. Allerdings gehen laut Ökotest die Hersteller von Reinigungsmilch zunehmend dazu über, das Abspülen mit Wasser zu empfehlen – und auch Ökotest rät hierzu. Sonst blieben nicht nur pflegende Inhaltsstoffe zurück, sondern eben auch möglicherweise unerwünschte – wie PEG. Die vollständigen Testergebnisse gibt es bei Ökotest



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Ökotest lobt Naturkosmetik

Welcher Lippenpflegestift ist der beste?

DAZ.online Spezial: Sonnenschutz

Ökotest: die beste Sonnencreme für Kinder

Ökotest checkt Sonnenschutzprodukte

Sonnencremes besser ohne Octocrylen?

Gesellschaft für Dermopharmazie begeht Jubiläum mit einem Symposium

20 Jahre GD

Head & Shoulders auf dem letzten Platz

Ökotest checkt Schuppen-Shampoos

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.