Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

04.10.2020, 07:29 Uhr

Diese Woche gibt's bitterernste Themen: AvP-Insolvenz – und wo bleiben die Hilfen? Und: Die Corona-Zahlen steigen. (Foto. Alex Schelbert)

Diese Woche gibt's bitterernste Themen: AvP-Insolvenz – und wo bleiben die Hilfen? Und: Die Corona-Zahlen steigen. (Foto. Alex Schelbert)


29. September 2020

Die Apotheken in Nordrhein-Westfalen sind in besonderem Maß von der AvP-Insolvenz betroffen. Nach einer ersten Schätzung des Apothekerverbands Nordrhein sind etwa fünf  Prozent der aktuell 3.985 Apotheken in Nordrhein-Westfalen so stark betroffen, dass kurzfristige Schließungen drohen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Apothekerverband Nordrhein mit anderen Apothekerverbänden abgestimmt und den vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Jan-Philipp Hoos aufgefordert, noch nicht abgerechnete Rezepte den betroffenen Apotheken umgehend zur Verfügung zu stellen. Mein liebes Tagebuch, die Initiative der Verbände brachte die Erkenntnis, dass einigen Apotheken, abhängig von den geschlossenen AvP-Verträgen, möglicherweise ein Aussonderungsrecht hinsichtlich der unbearbeiteten Rezepte zustehen dürfte. Damit würde die Forderung des von der Aussonderung betroffenen Rezeptwerts dem jeweiligen Apothekeninhaber zustehen und die Forderung von vornherein nicht in die Insolvenzmasse von AvP fallen. Mein liebes Tagebuch, für manche Apotheken ein kleiner Hoffnungsschimmer. Aber der Apothekerverband besteht zurecht darauf, „dass allen Apotheken ein Aussonderungsrecht hinsichtlich der Rezepte zusteht, die sich noch unbearbeitet bei der AvP befinden“. Also, nicht locker lassen, weiter kämpfen! 

Zu diesem Kampf gehört auch, an die Finanzverwaltungen heranzutreten und finanzielle Entlastungen geltend zu machen. Stichwort: Umsatzsteuervoranmeldung, fällig am 10. Oktober. Auch hier ein kleiner Lichtblick: Immerhin hat AvP die jeweiligen Unterlagen für den Abrechnungszeitraum August 2020 zahlreichen Apotheken im Portal „meinAvP“ zur Verfügung gestellt. Mein liebes Tagebuch, immerhin. Aber Auszahlungen sind mit der Bereitstellung dieser Gutschriften natürlich nicht verbunden.

 

Diese Forderung ist mehr als berechtigt: Den von der AvP-Pleite betroffenen Apotheken muss mit einem staatlichen Rettungsschirm geholfen werden: ein Sonderkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für die betroffenen Betriebe! Das forderte Rechtsanwalt Dr. Morton Douglas auf dem ApothekenRechtTag. Und die Kammer Nordrhein hat diese  Forderung aufgegriffen. Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann ist überzeugt: Nur mit zinsfreien Überbrückungskrediten der KfW und pünktlichen und vollständigen Zahlungen der gesetzlichen Krankenkassen für September könnten Versorgungslücken vermieden und betroffene Apotheken nachhaltig unterstützt werden. Auch Dr. Stefan Hartmann, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Kooperationsapotheken, schließt sich dieser Forderung an. Für ihn ist klar: Ausfallrisiken durch Abrechnungsunternehmen auf die Einzelapotheke abzuwälzen, sei zukünftig ein nicht mehr tragbarer Zustand. Hartmann: „Für solche Katastrophen und hohe Investments sind wir nicht ausgestattet.“ Mein liebes Tagebuch, wie wahr! Also, das muss schleunigst passieren: zum einen ein zinsloser Kredit der KfW, zu andern eine Taskforce, die Vorschläge erarbeitet, wie das Abrechnungssystem im Zeitalter der digitalen Transformation rasch und sicher umgebaut werden kann.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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7 Kommentare

3 X 1 Vomex oder wie wir mal wieder eine Kernkompetenz abgaben

von Bernd Jas am 04.10.2020 um 22:52 Uhr

Guten Abend Herr Ditzel,
guten Abend fehlende Knötterer,

"... ,wenn da nicht der gesamte bürokratische, digitale und organisatorische Kladderadatsch wären."
Das richtige Stichwort ist hier das "digitale".
Denn das digitale ist gut für die Versender und der bürokratische und der organisatorische Kladderadatsch ist für die öffentliche Apotheke zum abarbeiten gedacht.
Ein Sargnagel mehr für uns und ein Mon Cherie für Mock Dorris.
Und immer schön die Konzentration bei der Rezeptkontrolle halten, und nicht nachlassen, nachlassen, nachlasse.. , nachlass.., nachl.., nach..., .....

Ach ja, und die Pflicht zur Aufbringung der Telefon-Nummern war nur schon mal zum üben. Weiter so, mit Retaxen, Schaffung von Insolvenzen in den Schlüsselpositionen des Geldflusses unter Schonung der KK, rückwirkenden Änderungen der Hilfstaxe usw.

Ihr kriegt uns schon vom Markt.



» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: 3 X 1 Vomex oder wie wir mal wieder eine

von Heiko Barz am 05.10.2020 um 11:19 Uhr

Zu Ihrem letzten Satz, Kollege, „Ihr kriegt uns ......
Sollte man sich dabei nicht doch überlegen, seine „Bude“ nach Frankreich zu verlegen.
Bald hat nun jedes EU-Land eine bessere pharmazeutische Zukunft zu bieten und das dort sogar mit dem „Segen“ der EU-Kommissionen.
Ich glaube auch nicht, dass Vomex alleine noch ausreicht. Bald werden die üblichen Stimmungsaufheller unsere täglichen Begleiter sein. ( Farce?)

Geht es zukünftig auch anders ?

von Ulrich Ströh am 04.10.2020 um 9:00 Uhr

Pseudoveranstaltung fürs Abnicken feststehender Einzelbewerbungen......

Trefflich formuliert, Herr Ditzel !

Die anstehenden Wahlen bei ABDA ,DAV und BAK erinnern an Wahlen östlich der Elbe.

Kein Wunder, dass es bei uns so wenig junge Bewerber auf Landesebene gibt...

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Östlich der Elbe

von Peter am 04.10.2020 um 9:49 Uhr

Sehr geehrter Herr Ströh,
die Kammerwahlen in Ihrem Bundesland
liefen doch ähnlich ab.
Im Vorwege waren doch schon alle Posten besprochen worden und die gerade neu formierte Kammerversammlung hat das ganze nahezu einstimmig abgenickt.
Also bevor sie Kritik äußern, erst mal vor der eigenen Haustür kehren.

AW: Geht es zukünftig auch anders?

von Ulrich Ströh am 04.10.2020 um 10:05 Uhr

Mach ich ja , lieber Peter,

sitze seit 40 Jahren in der Kammerverammlung von SH. Und kehre gerne.

Ansonsten war Ihre Analyse richtig .

Medienkonsum noch vor dem Sonntagsfrühstück ...

von Christian Timme am 04.10.2020 um 8:30 Uhr

Das hat man davon, wenn man erst WELT und dann DAZ.online liest ... "Und der Niedergang der AvP geht weiter:" und ich lese statt AvP ... AfD. Da helfen auch keine Pillen mehr ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

.

von Anita Peter am 04.10.2020 um 8:06 Uhr

"Die betroffenen Apotheken brauchen sofort eine solide, langfristige Finanzierung für die ausstehenden Beträge!"

Falsch. Die Apotheken brauchen nicht noch mehr Kreditmühlsteine um den Hals, sondern einen 1:1 Ersatz vom Staat. Oder hilft der Staat mit Rettungsschirmen nur Banken, Griechen und Thomas Cook Urlaubern?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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