Impfungen

Impfen – Ein historischer Überblick

Münster - 08.09.2020, 17:57 Uhr

Die ersten wirksamen Passivimpfstoffe wurden1890 eingeführt: gegen Diphtherie und Tetanus. (c / Foto: phichak / stock.adobe.com)

Die ersten wirksamen Passivimpfstoffe wurden1890 eingeführt: gegen Diphtherie und Tetanus. (c / Foto: phichak / stock.adobe.com)


DDR: Pflichtimpfungen gegen Tuberkulose, Kinderlähmung, Diphtherie und Masern

Während im Deutschen Reich und in der Bundesrepublik keine weitere Pflichtimpfungen eingeführt wurden, beschritt die DDR einen anderen Weg. Um vor dem Hintergrund des Kalten Krieges eine Überlegenheit des sozialistischen Gesundheitswesens propagieren zu können, wurden in Ostdeutschland diverse weitere Pflichtimpfungen vorgeschrieben, etwa gegen Tuberkulose, Kinderlähmung, Diphtherie und Masern. In der Bundesrepublik dagegen versuchte man angesichts des gesellschaftlichen Liberalisierungsprozesses, die Bevölkerung durch Aufklärungskampagnen zur Teilnahme an Impfprogrammen zu bewegen – mit einigem Erfolg. Nachdem die Impfpflicht 1976 bereits gelockert worden war, wurde sie 1982 schließlich ganz abgeschafft. Die Frage einer Impfpflicht ist aber nach wie vor präsent, wurde eine solche vor kurzem gegen die Masern eingeführt. Auch im europäischen Ausland bestehen nach wie vor diverse Pflichtimpfungen, etwa gegen Diphtherie und Poliomyelitis (so in Frankreich und Italien).

Pockenfreie Welt

Unterdessen wurden seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zahlreiche weitere Impfstoffe entwickelt, von denen derjenige gegen die spinale Kinderlähmung aufgrund einer umfassenden Werbekampagne („Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“) wohl der bekannteste sein dürfte. Aber auch gegen andere verbreitete Krankheiten konnten in den letzten Jahrzehnten erfolgreich Impfstoffe entwickelt werden, darunter gegen Mumps, Masern und Hepatitis-Erreger. Von wesentlicher Bedeutung war dabei die Internationalisierung des Impfwesens, bei der nichtstaatliche Organisationen an Einfluss gewonnen haben. Seit 1967 legt etwa die WHO weltweite Impfprogramme auf, die in vielen Fällen erfolgreich gewesen sind: 1980 konnte die Welt zum Beispiel offiziell für pockenfrei erklärt werden.

Die außerordentliche medizinische Relevanz, die Impfungen bis heute besitzen, wird aber nicht nur durch solche Erfolge unterstrichen. Vielmehr existiert bis heute eine Reihe an Krankheiten, die mittels präventiver Immunisierung deutlich besser bekämpft werden können, als durch eine kurative Therapie, etwa die Influenza. Vor diesem Hintergrund wird auch die Impfstoffsuche gegen den Erreger SARS-CoV-2 noch besser verständlich.



Dr. Niklas Lenhard-Schramm, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Münster
redaktion@daz.online


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