Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

16.08.2020, 07:15 Uhr

Der Blick in die Sterne. Oh, Sternschnuppen! Damit Wünsche wahr werden. (Foto: Alex Schelbert) 

Der Blick in die Sterne. Oh, Sternschnuppen! Damit Wünsche wahr werden. (Foto: Alex Schelbert) 


13. August 2020

Die DocMorris-Mutter Zur Rose übernimmt den Telemedizinanbieter Teleclinic – während diese Übernahme in Apothekerkreisen für Unbehagen, für Aufruhr und größte Bedenken sorgt, scheint sie die Politik kalt zu lassen. Sie sieht in dieser Übernahme, bei der sich ein Unternehmen mit Arzneiversendern ein Unternehmen für Fernbehandlung einverleibt, keine Gefahren für unser Gesundheitssystem. Dabei baut doch unser System auf eine strikte Trennung zwischen Arzt und Apotheker auf, zum Wohl des Patienten. Doch die Politik scheint sich auf das im Patientendaten-Schutzgesetz verankerte erweiterte Makelverbot zu verlassen. Mein liebes Tagebuch, wie kann man nur! Das ist doch vergleichbar mit dem Hund, der die Wurst bewachen soll, und dessen Herrchen darauf baut, dass man es ihm einmal beigebracht hat. Die Reaktionen der politischen Vertreter gegenüber diesem Zur Rose/Teleclinic-Deal hält auch Klaus Michels, Chef des Apothekerverbands Westfalen-Lippe, für „widersprüchlich, wenn nicht gar scheinheilig, bestenfalls nur naiv“, wie er im Interview mit der DAZ sagt. Die berechtigte Trennung von Arzt und Apotheker, so Michels weiter, „die seit annähernd 800 Jahren aus Gründen des Patienten- und Verbraucherschutzes Berechtigung besaß, soll nun zugunsten ausländischer Aktien-Konzerne, die  […] ausschließlich im zwangsläufigen Interesse ihres Shareholder-Value den hiesigen Gesundheitsmarkt besetzen wollen, den Götzen der Convenience und der Digitalisierung geopfert werden“. Sagt Michels, der durchaus Anhänger der europäischen Idee ist und auch digitalen Innovationen offen gegenüber steht. Mein liebes Tagebuch, wie recht er hat! Michels sieht zudem größte Gefahren für unser Gesundheitssystem. Wenn die Politik auf das Makel- und Zuweisungsverbot vertraue, „dann scheint man sich weder seiner Kontroll- noch seiner Einflussnahmemöglichkeiten bewusst zu sein“, ist Michels überzeugt. Und er stellt fest: „Indem die Politik solche Konstruktionen wie im Fall von DocMorris toleriert, legt sie die Axt an das überkommene deutsche Gesundheitssystem.“ Mein liebes Tagebuch, deutlicher kann man es nicht sagen. Es ist eine Kommerzialisierung größten Ausmaßes, die uns da bevorsteht, zudem ein Angriff auf die freien Berufe, wenn Kapitalunternehmen jegliches medizinische und pharmazeutische Angebot im Gesundheitswesen abdecken wollen. Gibt es noch Hoffnung, dass die Politik die Gefahren sieht? Michels zeigt sich skeptisch: „Ob man den Deckel wieder drauf bekommt, das wage ich zu bezweifeln.“ Ehrlich gesagt, mein liebes Tagebuch, das bezweifeln wir auch.

 

Kennen Sie den Unterschied zwischen dem „Bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP)“ und dem „elektronischen Medikationsplan (eMP)“? Also, wenn Sie da nicht ganz sattelfest sind: Die ABDA hat dazu ein FAQ-Dokument (häufig gestellte Fragen) veröffentlicht mit vielen Tipps rund um die Medikationspläne. Durchaus lesenswert! Mit der Ernüchterung am Schluss: „Für den Apotheker […] sieht der Gesetzgeber für die Erstellung oder Aktualisierung des eMP bisher kein Honorar vor.“ Mein liebes Tagebuch, was bereits für den BMP galt, scheint sich also beim eMP fortzusetzen: Kein Honorar für uns Apothekers bei der durchaus verantwortungsvollen und  zeitintensiven Pflege des elektronischen Medikationsplans! Dass kein Honorar für uns vorgesehen ist, liegt daran, dass der eMP auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert ist. Wäre er Teil der kommenden elektronischen Patientenakte, gäbe es eine Vergütung: Im Patientendatenschutzgesetz, dem voraussichtlich nach der Sommerpause ein letzter Durchgang im Bundesrat bevorsteht, ist nämlich vorgesehen, dass Apotheker für Arbeiten in der elektronischen Patientenakte vergütet werden sollen. Tja, was ist da schief gelaufen? Wer hat da nicht aufgepasst? Immerhin ist schon abzusehen, dass die Gesundheitskarte bald der Vergangenheit angehört – die Zukunft gehört der elektronischen Patientenakte. Außerdem dürfen die Patienten sich schon ab 1. Januar 2021, wenn die elektronische Patientenakte eingeführt wird, dafür entscheiden, ihren eMP in die elektronische Patientenakte zu überführen. Und dann sind wir Apothekers auch hinsichtlich einer Honorierung dabei – hoffen wir, dass unsere ABDA das schon auf ihrer Agenda hat!



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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2 Kommentare

Teilnehmer an der Berliner Klagemauer

von Ulrich Ströh am 16.08.2020 um 8:38 Uhr

Es ist richtig ,was Kollege Michels zum Deal von Zur Rose/ Teleclinic sagt.

Aber warum reiht er sich nur in die Teilnehmer an der Berliner Klagemauer ein ?

Wer sich nicht wehrt und nur diskutiert, wird von der Politik behandelt und eingereiht, grad so , wie es passt...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Radiologie

von Karl Friedrich Müller am 16.08.2020 um 8:24 Uhr

Die KKH hat eine RadiologieKETTE angezeigt wegen Betrugs. Da sollen Kontrastmittel überteuert abgerechnet worden sein. Ich kenne die Verträge nicht.
Da hat also die Frau des Konzernleiters Leßmann eine Firma gegründet für den Vertrieb von Kontrastmitteln und der Mann fleißig eingekauft, dann zum 6fachen mit den KK abgerechnet. Ist das Betrug oder nur ein Ausnutzen der Gegebenheiten?
Ein ähnliches Konstrukt entsteht bei DocMorris. Dort keinerlei Regelung, der Missbrauch ist zu erwarten. Versender haben, im Gegensatz zu Apotheken, alle Freiheiten!
Die Politik lässt sehenden Auges solche Konstrukte zu.
Liefe das über Apotheken, wären allenfalls über Praxisbedarf ein paar Cent „Gewinn“ möglich. Und es gibt keinen Interessenkonflikt Verordner /Lieferant.
Was läuft, ist so gewollt. Hinterher jammern erscheint mir sehr fragwürdig.
Auch die Tatsache, dass Spahn sich eine Villa für 4Mio leistet plus Umbaukosten sollte mal hinterfragt werden. Das passt so gar nicht in die Zeit, in der viele sich um die Existenz fürchten, Hartz 4 keine Armut bedeutet. Wulff hatte mit seiner bescheidenen „Hütte“ viel mehr Probleme.
Instinktlos ist das mal mindestens.

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