Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 12

Traubenzucker – geballte Energie

Korntal-Münchingen - 05.08.2020, 11:45 Uhr

Wie gesund ist die schnelle Ernergiezufuhr durch Traubenzucker? (Bild: imago images / imagebroker)

Wie gesund ist die schnelle Ernergiezufuhr durch Traubenzucker? (Bild: imago images / imagebroker)


Langsames und schnelles Anfluten

Je längerkettig die mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate sind, umso länger dauert deren Aufspaltung. Die Glucose-Bausteine werden nach und nach resorbiert, der Blutzuckerspiegel steigt nur langsam. Ebenso langsam erfolgt die notwendige Insulinausschüttung. Der allmähliche, zeitlich verzögerte An- und Abstieg des Blutzuckerspiegels trägt zu einem nachhaltigen Sättigungsgefühl bei.

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Das Gegenteil ist der Fall, wenn auf nüchternen Magen Glucose oder ein Glucose-haltiges Disaccharid verzehrt wird. Durch den als Reaktion darauf ebenfalls schnell steigenden Insulinspiegel wird der Blutzucker rasch abgebaut. Auf niedrige Blutzuckerwerte reagiert der Mensch mit Hunger, wenn nicht sogar mit Heißhunger. Die Energiezufuhr mit Hilfe eines Täfelchens Traubenzucker mag zwar für kurze Zeit wie ein Turbo wirken – sollte aber besser der Ausnahmefall bleiben. Gesünder ist der Verzehr von „langsamen“ Kohlenhydraten, zum Beispiel in Form von Vollkornbrot. Die in Vollkornbrot enthaltene Getreidestärke kann man auch als Retardform vieler Glucose-Bausteine betrachten, die den Körper über längere Zeit hinweg mit Energie versorgt und ihn so fit hält.

„Gute“ und „böse“ Kohlenhydrate

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, 50 Prozent des täglichen Energiebedarfs mit Kohlenhydraten zu decken. Für Menschen, die sich mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln nicht so gut auskennen, ist es oft schwierig, die Qualität kohlenhydrathaltiger Nahrungsmittel zu beurteilen. Es kursieren Begriffe wie „schnelle“, „langsame“, „komplexe“, „gute“ und „schlechte“ oder sogar „böse“ Kohlenhydrate. Oft werden auch „weiße“ Lebensmittel verurteilt und „farbige“ gepriesen. Wenn das chemische Grundverständnis vom Aufbau der Kohlenhydrate nicht vorhanden ist, ist es tatsächlich schwierig, hier den Durchblick zu behalten. Fachleute sind deshalb bei einer Ernährungsberatung ganz besonders gefordert.

Eine grobe Einteilung könnte so aussehen: 
Was süß schmeckt, enthält meist „schnelle“ oder „einfache“ Kohlenhydrate, die rasch anfluten und den Blutzuckerspiegel in die Höhe treiben. Ausnahme: Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe sowie Fructose, die aber alle auf ihre Art Probleme bereiten oder wie Fructose den Stoffwechsel ungünstig belasten können.

Hinweis: Traubenzucker ist nicht gesünder als normaler Zucker (Saccharose), auch wenn das oft so dargestellt wird.

Was erst nach längerem Kauen süßlich schmeckt, sonst aber eher zu den klassischen „Sattmachern“ zählt wie Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Getreide- und Haferflocken, enthält die „komplexen“ Kohlenhydrate, die im Körper erst langsam aufgespalten werden. Je naturbelassener diese Nahrungsmittel sind (also Vollkorn statt Weißmehl, gekochte Kartoffeln statt Pommes, pure Haferflocken statt gesüßtes Müsli), umso gesünder sind sie und umso nachhaltiger ist die Sättigung. Auch Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse enthalten „komplexe“ und „langsame“ Kohlenhydrate.

Letztlich geht es auch nicht um „gut“ und „böse“, solange die Menge stimmt. Kohlenhydrate sind auch erstmal keine „Dickmacher“, wie man oft liest. Unser Körper braucht Glucose-Bausteine, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Langsam anflutende Glucose verhindert Blutzuckerspitzen und ist auf Dauer vorteilhafter. Doch jede überflüssige Energiezufuhr wird zuverlässig in Fett verwandelt. So entsteht mit der Zeit mehr oder weniger schädliches Übergewicht.



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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