Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 9

Birkenzucker – öko und gesund?

Korntal-Münchingen - 23.07.2020, 13:00 Uhr

Ist Birkenzucker wirklich so gesund und ökologisch, wie der Name vermuten lässt? (Foto: morissfoto / stock.adobe.com)

Ist Birkenzucker wirklich so gesund und ökologisch, wie der Name vermuten lässt? (Foto: morissfoto / stock.adobe.com)


Für empfindliche Menschen: Xylit-Menge langsam steigern

Auf dem weiteren Weg durch den Körper wird Xylit in kleinen Mengen im Dünndarm resorbiert. Der Blutzuckerspiegel steigt nicht, es wird kein oder nur wenig Insulin freigesetzt. Im Dickdarm wird Xylit durch Bakterien aufgespalten. Dabei kann es ab einer Menge von ca. 30 Gramm zu heftigen Bauchschmerzen, schmerzhaften Blähungen und Durchfällen kommen, je nachdem, wie empfindlich ein Mensch reagiert. Man kann die Verträglichkeit erhöhen, indem man die Xylit-Menge in kleinen Schritten steigert und so den Darm an die Substanz gewöhnt.

Auf der Produktverpackung finden sich Hinweise zu Herkunftsland und Verträglichkeit.

 

Vorsicht, Hunde haben einen anderen Stoffwechsel als Menschen. Bei Hunden führen bereits geringe Mengen an Xylit zu einer starken Insulinausschüttung, die lebensbedrohliche Hypoglykämien auslösen kann. Aufgrund einer anderen Enzymausstattung des Hundes kann es auch zu schweren Leberschäden bis hin zu tödlichem Leberversagen kommen. Die tödliche Dosis für Hunde liegt bei 3-4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Deshalb dürfen Hunde nicht von Xylit- oder Birkenzucker-haltigen Lebensmitteln naschen. Wenn es trotzdem passiert ist, muss sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.

Mit Gesundheit werben?

Gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln müssen der europäischen Health-Claims-Verordnung entsprechen. Dadurch sollen Verbraucher in der gesamten EU vor irreführenden und nicht belegten Angaben geschützt werden. Für Xylit sind folgende Sätze erlaubt: 

  • "Der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker Xylit enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei" und
  • "Der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker Xylit enthalten, bewirkt, dass der Blutzuckerspiegel nach ihrem Verzehr weniger stark ansteigt als beim Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln/Getränken." 

Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass auf im Internet vertriebenen Birkenzuckerprodukten auch unerlaubte Angaben zu finden sind, zum Beispiel, dass die Zähne vor Karies geschützt werden oder dass das Produkt den Appetit hemmt.
 

Auf einen Blick

  • Birkenzucker ist nichts anderes als Xylit, ein Zuckeraustauschstoff, der aus Holzabfällen und Restprodukten der Landwirtschaft hergestellt wird. 
  • Beim Verzehr von Birkenzucker bzw. Xylit ist zu bedenken, dass je nach Empfindlichkeit Mengen ab ca. 30 Gramm abführend wirken. 
  • Xylit enthält ungefähr die Hälfte der Kalorien von normalem Zucker, ist zahnfreundlich und lässt den Blutzuckerspiegel nicht ansteigen.
  • Birkenzucker bzw. Xylit ist teuer. Aus gesundheitlichen Gründen ist er nicht erforderlich. Normaler Haushaltszucker hat in einer gesunden Ernährung, auch von Diabetikern, durchaus seinen Platz – in kleinen Mengen.
  • Achtung, für Hunde kann das Naschen Xylit-haltiger Lebensmittel tödlich sein.


Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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