Erste britische Tinnitus-Leitlinie

Gegen das Pfeifen und Rauschen

Stuttgart - 16.07.2020, 17:45 Uhr

Das NICE des Vereinigten Königreichs hat seine Tinnitusempfehlungen in einer Leitlinie gebündelt. (Foto: imago images / Jacques Alexandre)

Das NICE des Vereinigten Königreichs hat seine Tinnitusempfehlungen in einer Leitlinie gebündelt. (Foto: imago images / Jacques Alexandre)


Bei Tinnitus pfeift nicht lediglich das Ohr. Oftmals ist ein Tinnitus mit psychologischen Störungen wie Depressionen und Angststörungen assoziiert. Wie Ärzte einen Tinnitus behandeln ist national sowie global nicht einheitlich, die erste europäische Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des Tinnitus aus dem vergangenen Jahr ein Meilenstein. Nun hat auch das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) seine Empfehlungen zur Tinnitusbehandlung in einer eigenen Leitlinie zusammengefasst.

Wie schon in der europäischen Leitlinie und der ersten deutschen S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“ aus dem Jahr 2015 (derzeit in Überarbeitung) bilden Beratung und Aufklärung der Patienten (Tinnitus Counseling) die wesentlichen Grundelemente der Therapie. Besonderes Augenmerk wird in der britischen Leitlinie auf die Sensibilisierung der Mitarbeiter des Gesundheitswesens gelegt. Diese müssen sich nach Meinung der Experten über den Einfluss des Tinnitus auf Wohlbefinden und Lebensqualität der Betroffenen bewusst sein, um bereits bei einem ersten Kontakt entsprechend auf die Patienten eingehen zu können. Es wird hervorgehoben, wie wichtig es ist, dass Tinnituspatienten sowie deren Familienangehörige und gegebenenfalls Pflegende von Anfang an und durch alle Stadien der Erkrankung hinweg Hilfe und Informationen erhalten. 

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Die Leitlinie bietet eine detaillierte Anleitung, welche Informationen den Betroffenen angeboten werden sollten. So soll den Patienten unter anderem vermittelt werden, was ein Tinnitus ist, wie er entsteht und wie er sich in Zukunft entwickeln kann sowie was die Situation verschlimmern könnte. Dazu gehören nachgewiesenermaßen vor allem Stress und Lärmexposition. Ebenso sollten Informationen zu möglichen Untersuchungen wie auch zu diversen Bewältigungsstrategien und Managementoptionen einschließlich Selbsthilfegruppen Bestandteil der Beratung sein.

Umgang mit dem Tinnitus

Unter Berücksichtigung der Präferenzen des Patienten und der individuellen Situation (z. B. Kindesalter, Hörverlust, kognitive oder visuelle Beeinträchtigungen) soll ein Managementplan erstellt werden, der den Betroffenen hilft, mit der Situation umzugehen. Oftmals ist ein Tinnitus mit psychologischen Störungen wie Depressionen und Angststörungen assoziiert. Insbesondere vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu hinterfragen, welchen Einfluss der Tinnitus auf die Lebensqualität in den verschiedenen Lebensbereichen (Familie und Freunde, Arbeit oder Schule, Freizeit etc.) hat. Ist der Schlaf beeinträchtigt? All dies sollte sich auch im Managementplan widerspiegeln.

Standardisierte Fragebögen auch zur Erfolgskontrolle

Bereits in der europäischen Leitlinie ist die Verwendung von Fragebögen (Questionnaires) empfohlen worden, um den Zustand der Patienten und das jeweilige Ausmaß der Beeinträchtigung zu erfassen. Dabei stehen unterschiedliche Fragebögen zur Verfügung. Im Sinne der angestrebten Standardisierung innerhalb des Vereinigten Königreiches empfehlen die Experten in der NICE-Leitlinie, dass alle in die Behandlung von Tinnitus­patienten involvierten Dienstleister die Verwendung des Tinnitus Functional Index (TFI) in Betracht ziehen sollten, da dieser auch Veränderungen widerspiegelt. So können zum einen der Einfluss des Tinnitus auf den Patienten und zum anderen auch der Erfolg einer Behandlungsmethode bestimmt werden. Im Allgemeinen jedoch sollten altersgerechte und den Fähigkeiten angemessene Methoden eingesetzt werden.



Dr. Daniela Leopoldt, Apothekerin
redaktion@daz.online


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