Entwicklung von COVID-19-Impfstoffen

Kritik: Erster Corona-Impfstoff soll in Indien im August verfügbar sein

Remagen - 10.07.2020, 15:15 Uhr

Ist die scheinbare Hektik, mit der eine indische Regierungsinstitution einen COVID-19-Impfstoff testen will, politisch motiviert? (x / Foto: Symbolbild einer Impfszene aus 2014 / imago images / ZUMA Press)

Ist die scheinbare Hektik, mit der eine indische Regierungsinstitution einen COVID-19-Impfstoff testen will, politisch motiviert? (x / Foto: Symbolbild einer Impfszene aus 2014 / imago images / ZUMA Press)


Zeitplan birgt potenzielle Risiken

Die scheinbare Hektik, mit der eine indische Regierungsinstitution den COVID-19-Impfstoff testen will, hat laut „Science“ unter Wissenschaftlern im In- und Ausland für Aufruhr gesorgt. Es sei absurd zu glauben, Studien könnten in weniger als zwei Monaten zeigen, dass ein Impfstoff sicher und wirksam ist, meinten viele. „Meines Wissens nach wurde für keine Art von Impfstoff jemals ein derart beschleunigter Entwicklungspfad beschritten“, sagt Anant Bhan, unabhängiger Ethik- und Politikforscher und ehemaliger Präsident der „International Association of Bioethics“.

Der Zeitplan berge potenzielle Risiken und berücksichtige die erforderlichen Sicherheitsverfahren nur unzureichend. Klinische Studien könnten nicht beschleunigt werden, stimmte der indische Virologe und erfahrene Impfstoff-Forscher Thekkekara Jacob John ihm zu. Selbst wenn sie beschleunigt würden, veranschlagt Jacob John für die Phase I- und Phase II-Studien mindestens fünf Monate, und für die Phase III kämen wahrscheinlich mindestens weitere sechs Monate hinzu.

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Kritiker hielten das Zieldatum für politisch motiviert, schreibt „Science“. Der 15. August sei Indiens Unabhängigkeitstag, an dem Premierminister Narendra Modi traditionell die Stadtmauer des Roten Forts in Delhi erklimme, um eine lange Rede zu halten, in der er von den Erfolgen seiner Regierung berichtet und wichtige Ankündigungen macht. 

ZyCoV-D ab Mitte Juli in der klinischen Erprobung

Neben Covaxin hat auch ZyCoV-D, der COVID-19-Impfstoffkandidat von Zydus Cadila mit Sitz in Ahmedabad, die präklinische Testung erfolgreich abgeschlossen und von der Central Drugs Standard Control Organization (CDSCO) die Erlaubnis für den Start einer klinischen Phase-I/II-Studie erhalten. Präklinische Toxizitätsstudien hätten gezeigt, dass die Plasmid-DNA-Vakzine gut verträglich, sicher und immunogen sei, teilt das Unternehmen mit. In beiden Phasen sollen an mehreren Standorten in Indien mehr als 1.000 Probanden teilnehmen (CTRI/2020/07/026352). Die Rekrutierung soll Mitte Juli losgehen.

Neben Bharat Biotech und Zydus Cadila, das außer ZyCoV-D noch einen weiteren Impfstoffkandidaten gegen das neuartige Coronavirus in petto hat, entwickeln in Indien  auch die Unternehmen Biological E, Indian Immunologicals und Mynvax jeweils eine weitere COVID-19-Vakzine.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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