Interview mit Björn Schittenhelm

„Unsere Zahlen sind während Corona förmlich explodiert“

Stuttgart - 01.07.2020, 17:55 Uhr

Wie Apotheker Online-Angebote für sich nutzen können, erläutert Inhaber Dr. Björn Schittenhelm im DAZ-Interview. (Foto: Stockwerk-Fotodesign – stock.adobe.com)

Wie Apotheker Online-Angebote für sich nutzen können, erläutert Inhaber Dr. Björn Schittenhelm im DAZ-Interview. (Foto: Stockwerk-Fotodesign – stock.adobe.com)


Keine Angst vor Click-and-Collect

DAZ: Viele Kollegen fürchten ja, dass sie sich durch solche Angebote die OTC-Preise kaputtmachen und dass die Stammkunden dann in den Weiten des Internets verloren gehen, wenn sie billigere Produkte finden. Warum teilen Sie diese Einschätzung nicht?

Schittenhelm: Aus der Erfahrung von jetzt fast fünf Jahren Click-and-Collect-Shop kann ich hier den Kollegen die Angst nehmen. Wir haben inzwischen auch nur noch einen geringen Rabatt von durchschnittlich 10 Prozent gegenüber den Preisen in der Apotheke. Es ist wie bei Amazon: Auch in einem Webshop der Vor-Ort-Apotheken ist nicht unbedingt der Preis das entscheidende Argument für die Kunden, sondern die Bequemlichkeit und die sofortige Verfügbarkeit.

DAZ: In den letzten Wochen ging es in vielen Apothekerdiskussionen um das Thema „Die transparate Warenwirtschaft“. Auf Ihrer Click-and-Collect-Plattform sehen die Besucher direkt, ob bestimmte Produkte an Lager sind oder vom Großhandel innerhalb eines Tages nachbestellt werden können. Finden Sie, wer A sagt, muss auch B sagen? Sprich: Wenn digitale Präsenz, dann vollständig?

Schittenhelm: Ich musste bei dieser Diskussion doch sehr schmunzeln. Ich habe meinen Shop-Anbieter bereits vor zwei Jahren darauf gedrängt, dieses Feature zu implementieren. Bei mir kann der Kunde sogar sehen, wie viel Packungen ich noch aktuell an Lager habe. Diese Diskussion können nur Apotheker mit Apotheker-Brille führen. Kein Mensch würde in den Urlaub fahren, ohne zu wissen ob und wie viele Zimmer noch verfügbar sind. Ergo wird ein Digital Native niemals auf die Idee kommen in eine Apotheke zu gehen, ohne zu wissen, ob sein gewünschtes Präparat vorrätig ist.

DAZ: Glauben Sie dabei an eine Corona-abhängige, reversible Entwicklung oder wird sich das mit Einführung des E-Rezepts sogar noch verschärfen?

Schittenhelm: Ich bin mir sicher, dass es kein Nach-Corona mehr geben wird. Das sieht man ja schon an unseren aktuellen Zahlen vom Mai. Wir haben die Patienten und Kunden jetzt an etwas gewöhnt, was sie ja bereits vom Versandhandel her kannten. Das E-­Rezept wird diesen Prozess noch beschleunigen und verfestigen, denn bei unseren Zahlen im Shop handelt es sich ja bis jetzt ausschließlich um OTC-Bestellungen.



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Warum die Vor-Ort-Apotheken gerade jetzt auf Click-and-Collect-Angebote setzen sollten

„Es wird kein ‚Nach-Corona‘ mehr geben“

Ein kritischer Blick in die (nahe) Zukunft

Plattform, Webshop, „Click and Collect“?

Welche Chancen und Risiken Verfügbarkeitsabfragen und Preisvergleiche bieten

Apotheken zwischen Trivago und Lieferando?

Versandhandel mit Arzneimitteln und seine Auswirkungen auf die Apotheken

Mehr Selbstbewusstsein!

Wie sich die Corona-Pandemie auf die Apotheken auswirkt

Die Krise als Chance

Stationäre Läden in der Innenstadt

Wenn Online-Händler offline fremdgehen

Lokale Online-Marktplätze

Kann Ebay den Apotheken vor Ort helfen?

1 Kommentar

Dieser Kommentar wurde von der Redaktion aufgrund eines Verstoßes gegen die allgemeinen Verhaltensregeln gelöscht.

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.