Interview mit Björn Schittenhelm

„Unsere Zahlen sind während Corona förmlich explodiert“

Stuttgart - 01.07.2020, 17:55 Uhr

Wie Apotheker Online-Angebote für sich nutzen können, erläutert Inhaber Dr. Björn Schittenhelm im DAZ-Interview. (Foto: Stockwerk-Fotodesign – stock.adobe.com)

Wie Apotheker Online-Angebote für sich nutzen können, erläutert Inhaber Dr. Björn Schittenhelm im DAZ-Interview. (Foto: Stockwerk-Fotodesign – stock.adobe.com)


„Wir konnten Stammkunden zurückgewinnen“

DAZ: Und wie findet bei den vier Möglichkeiten die pharmazeutische Beratung statt?

Schittenhelm: Die Beratung findet persönlich in der Apotheke, am Telefon oder per Video-Chat statt. Bei Bestellungen von rezeptpflichtigen Arzneimitteln ruft pharmazeutisches Personal aktiv beim Patienten an. Gerade in der Corona-Pandemie haben wir das Angebot der fernmündlichen Beratung massiv ausgebaut. Weil wir geringere Kundenfrequenzen in der Apotheke haben, können wir diese frei gewordenen Kapazitäten dafür nutzen.

DAZ: Hat sich das Konsumverhalten Ihrer Stammkunden seitdem verändert? Sind manche Kunden nur noch online bei Ihnen unterwegs?

Schittenhelm: Hier müssen wir jetzt zwischen Vor-Corona und Während-Corona unterscheiden. Vor-Corona hatte sich das Konsumverhalten nicht geändert. Die Kunden haben sowohl online als auch persönlich vor Ort bei uns eingekauft. Gerade für die initiale persönliche Beratung sind sie meist vorbeigekommen und haben für den bequemen Nachkauf den Webshop genutzt. Interessant war eine Beobachtung gerade zu Beginn der Pandemie: Damals haben sich ganz viele Kunden neu registriert, die vor allem ihre Rezepte immer bei uns eingelöst hatten und ihren sonstigen Bedarf bei den großen Versendern bestellt hatten. Wir konnten also Stammkunden, die OTC-Präparate jahrelang aus dem ­Versandhandel bezogen hatten, zurückgewinnen. Das ist mit Blick auf das E-Rezept ganz wichtig!

DAZ: Wie hat sich Ihr Webshop dann in der Phase Während-Corona entwickelt?

Schittenhelm: Unsere Zahlen sind förmlich explodiert und haben unterm Strich – also Vor-Ort- und Online-Umsatz zusammen – sogar höhere Umsätze (plus 54 Prozent) erreichen können als im Vorjahr zur selben Zeit. Wir hatten im März ein Plus von 209 Prozent und im April sogar von 231 Prozent. Damit bewegen wir uns auch gegen den durchschnittlichen Trend im Apothekenmarkt zwischen März und Mai 2020.



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Warum die Vor-Ort-Apotheken gerade jetzt auf Click-and-Collect-Angebote setzen sollten

„Es wird kein ‚Nach-Corona‘ mehr geben“

Ein kritischer Blick in die (nahe) Zukunft

Plattform, Webshop, „Click and Collect“?

Welche Chancen und Risiken Verfügbarkeitsabfragen und Preisvergleiche bieten

Apotheken zwischen Trivago und Lieferando?

Versandhandel mit Arzneimitteln und seine Auswirkungen auf die Apotheken

Mehr Selbstbewusstsein!

Wie sich die Corona-Pandemie auf die Apotheken auswirkt

Die Krise als Chance

Stationäre Läden in der Innenstadt

Wenn Online-Händler offline fremdgehen

Lokale Online-Marktplätze

Kann Ebay den Apotheken vor Ort helfen?

1 Kommentar

Dieser Kommentar wurde von der Redaktion aufgrund eines Verstoßes gegen die allgemeinen Verhaltensregeln gelöscht.

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.