Arzneimittel und Nahrungsergänzung

Omega-3-Fettsäuren: überflüssig und wenig geeignet – findet Stiftung Warentest

Stuttgart - 29.06.2020, 10:30 Uhr

Stiftung Warentest findet: Wer sich gesund ernährt braucht keine Omega-3-Fettsäuren aus Nahrungsergänzungsmitteln. (Foto: anaumenko / adobe.stock.com)

Stiftung Warentest findet: Wer sich gesund ernährt braucht keine Omega-3-Fettsäuren aus Nahrungsergänzungsmitteln. (Foto: anaumenko / adobe.stock.com)


Fischölkapseln oder Placebo: kein Unterschied bei Gesunden

Zuletzt sorgten die VITAL- und die REDUCE-IT-Studie – die zu widersprüchlichen Ergebnissen kamen – für Aufsehen. In der VITAL-Studie (Marine N-3 Fatty Acids and Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer, publiziert im Januar 2019 im New England Journal of Medicine, NEJM), erhielten die Teilnehmer Fischöl-Supplemente in üblicher Dosierung, täglich 460 mg Eicosapentaensäure und 380 mg Docosahexaensäure, und zwar zur Primärprävention (gesunde Teilnehmer ohne Herzinfarkt oder Schlaganfall). Das Ergebnis: kein signifikanter Unterschied zwischen Placebo und Fischölkapseln hinsichtlich der Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Ereignissen, Krebs oder der Gesamtsterblichkeit.

Eicosapentaensäure-Ethylester hochdosiert senkt Sterblichkeit bei Risikopatienten

In der andere Studie REDUCE-IT Cardiovascular Risk Reduction with Icosapent Ethyl for Hypertriglyceridemia erhielten die Teilnehmer chemisch veränderte Omega-3-Fettsäure (Eicosapentaensäure-Ethylester) und das in sehr hoher Dosierung mit 4 g pro Tag. Die Pateinten litten bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen (Sekundärprävention). „Die Ergebnisse der REDUCE-IT-Studie zeigen, dass die sekundärpräventive Anwendung einer hochdosierten, chemisch veränderten Omega-3-Fettsäure die Häufigkeit von kardiovaskulären Ereignissen und Tod bei Risikopatienten signifikant reduziert“, fasst Martin Smollich die Ergebnisse in einem Beitrag seines Blogs – Fischöl ist nicht gleich Fischöl – zusammen. Man dürfe jedoch nicht den Fehler machen, die Wirksamkeitshinweise aus der REDUCE-IT-Studie auf die marktüblichen Omega-3-Supplemente zu übertragen. Smollich sieht jedoch durchaus therapeutisches Potenzial in Omega-3-Supplementen, das aber mit den bisher verfügbaren Präparaten noch nicht genutzt werde. „Die chemische Veränderung der Omega-3-Fettsäuren und die deutliche Höherdosierung könnten zu wirksamen Nahrungsergänzungsmitteln führen“, so Smollich, solche Präparate gibt es in Deutschland derzeit nicht, die derzeit am Markt befindlichen, „normalen“ Fischöl-Supplemente seien erwiesenermaßen unwirksam.

EMA prüft Vascepa

In den USA hingegen ist das Präparat der REDUCE-IT-Studie mit Eicosapentaensäure-Ethylester bereits zugelassen, Handelsname ist Vascepa®. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA akzeptierte im Dezember 2019 den Zulassungsantrag von Vascepa®. Eingesetzt werden soll es zur Reduzierung des Risikos kardiovaskulärer Ereignisse bei Hochrisikopatienten, deren Cholesterinspiegel mittels Statintherapie kontrolliert werden, die jedoch erhöhte Triglyceridwerte von 135 mg/dl oder mehr sowie andere kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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