Arzneimittel und Nahrungsergänzung

Omega-3-Fettsäuren: überflüssig und wenig geeignet – findet Stiftung Warentest

Stuttgart - 29.06.2020, 10:30 Uhr

Stiftung Warentest findet: Wer sich gesund ernährt braucht keine Omega-3-Fettsäuren aus Nahrungsergänzungsmitteln. (Foto: anaumenko / adobe.stock.com)

Stiftung Warentest findet: Wer sich gesund ernährt braucht keine Omega-3-Fettsäuren aus Nahrungsergänzungsmitteln. (Foto: anaumenko / adobe.stock.com)


Wie ist die Datenlage?

Die Daten zu Omega-3-Fettsäuren sind umfangreich und in der Tat nicht immer leicht zu verstehen. Professor Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein bezeichnete die „Frage nach der Sinnhaftigkeit von Omega-3-Fettsäuren zum Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall“ in seinem Ernährungsmedizin.blog als „ernährungsmedizinische Endlosgeschichte“.

Keine Wirkung auf die Sterblichkeit

2018 zeigte eine sehr große Untersuchung an fast 78.000 kardiovaskulären Risikopatienten (Association of Omega-3-Fatty Acid Supplement Use with Cardiovascular Disease Risks), dass die täglich Omega-3-Fettsäuren-Einnahme (und zwar bis zu 1.800 mg Eicosapentaensäure und 1.700 mg Docosahexaensäure) keinen Nutzen für diese Menschen hinsichtlich Tod durch koronare Herzkrankheit, nicht-tödlicher Herzinfarkt, Schlaganfall, größere vaskuläre Ereignisse und die Gesamtsterblichkeit bringt. 
Eine weitere große Cochrane-Analyse (Polyunsaturated Fatty Acids for the Primary and Secondary Prevention of Cardiovascular Disease) kam im November 2018 zu dem Schluss, dass die Einnahme mehrfach ungesättigter Fettsäuren das Risiko einer koronaren Herzkrankheit und von kardiovaskulären Ereignissen „wahrscheinlich geringfügig“ (probably slightly) verringern und die Sterblichkeit durch koronare Herzkrankheit und Schlaganfälle „geringfügig“ senken „könnte“, wobei Schäden nicht ausgeschlossen werden könnten, so die Wissenschaftler. Keine oder allenfalls geringe Auswirkungen zeigten sich bei der Gesamtsterblichkeit durch kardiovaskuläre Erkrankungen.

Triglyceride in roten Blutkörperchen – was sagt das aus?

Für Zweifel sorgte sodann wieder die sogenannte LURIC-Studie (Omega-3-Fatty Acids and Mortality in Patients referred for Coronarangiography, the Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health Study). Bestimmt wurde hier über mehrere Jahre der Omega-3-Fettsäre-Gehalt in den roten Blutkörperchen von Patienten, die sich einer Koronarangiographie (Untersuchung der Herzgefäße mittels Herzkatether) unterzogen hatten. Diejenigen mit hohem Omega-3-Fettsäure-Spiegeln hatten ein verringertes Risiko zu sterben. Wichtig ist hierbei jedoch der Satz: „Informationen über Ernährungsgewohnheiten der Studienteilnehmer waren nicht verfügbar, aber kein Studienteilnehmer berichtete über die Einnahme von Fischöl oder anderen Omega-3-Fettsäuren, die Nahrungsergänzungsmittel enthalten“. Somit kann der Effekt von Omega-3-Fettsäuren als NEM auf die Mortalität aus dieser Studie gar nicht gezogen werden. Auch Professor Martin Smollich warnt vor dieser Interpretation: „Man darf jedoch einen Fehler nicht machen und aus den Ergebnisse der LURIC-Studie die Schlussfolgerung ziehen, eine Supplementation mit Omega-3-Fettsäuren würde sich positiv auf die Mortalität auswirken. Denn genau das hat die LURIC-Studie ebenso wenig gezeigt wie frühere Interventionsstudien.“ Denn: Vielleicht haben sich die Menschen mit hohen Omega-3-Fettsäurewerten in ihren roten Blutkörperchen einfach insgesamt gesünder ernährt?



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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