Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

28.06.2020, 08:00 Uhr

Wie immer: Es braucht immer Druck, nichts läuft von alleine. (Foto: Alex Schelbert)

Wie immer: Es braucht immer Druck, nichts läuft von alleine. (Foto: Alex Schelbert)


Das Rx-Versandverbot lebt! Es atmet in vielen Kammerversammlungen, auch in Hessen und Bayern. Und macht Druck auf die Politik: Wir haben noch immer kein Apothekenstärkungsgesetz, keine Gleichpreisigkeit bei Rx-Arzneimitteln, da muss endlich etwas passieren. Bei den Lieferengpässen regt sich schon was: Das Thema wird bald auf EU-Ebene behandelt dank deutscher EU-Ratspräsidentschaft. Was noch schlummert: unsere Honorarforderung für den kommenden E-Medikationsplan – da muss sich jetzt was tun. Und fast schon im Fluss: die versprochene Anschubpauschale für unseren Botendienst. Aber wie immer: nichts läuft von alleine. 

22. Juni 2020

Das dauert und dauert. Wo bleiben eigentlich die 250 Euro, die uns Ende April der Bundesgesundheitsminister als Anschubpauschale für unsere Botendienste zugesagt hat? Ja, mein liebes Tagebuch, mit der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung können wir nicht nur 5 Euro pro Lieferort und Tag bei Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen abrechnen, wenn wir unsere Patienten per Botendienst versorgen. Das Gesetz sieht auch vor, dass wir einmalig 250 Euro bekommen für die notwendigen Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel. Bald soll das Warten ein Ende haben: Der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband sollen mittlerweile auf der Arbeitsebene eine Vereinbarung getroffen haben. Diese Vereinbarung muss jetzt nur noch durch die Gremien der Verbände und dann kann das Geld, wie auch immer, fließen. Mein liebes Tagebuch, immer wieder erstaunlich, wie unendlich zäh es ist, wenn wir Honorare bekommen sollen.

 

In Zentrum eines Deutschen Apothekertags stehen die Anträge, eingebracht von den Mitgliedsorganisationen der ABDA, vom Geschäftsführenden ABDA-Vorstand, der Mitgliederversammlung oder von den Delegierten. Die Anträge als Arbeitsauftrag an die Dachorganisation. Mit den Anträgen sollen Entwicklungen angestoßen werden, eine Strategie entworfen werden, wie wir Apothekers uns in Zukunft aufstellen wollen. Kurzum, es werden die politischen Weichen für die Zukunft gestellt, wie es so schön heißt, also für die gesetzlichen Rahmenbedingungen und für das Berufsbild des Apothekers. Diese Anträge, die mit viel Akribie gestellt und ausformuliert werden, werden dann in den ABDA-Gremien bearbeitet. Ja, und dann? Dann erfährt die große Öffentlichkeit im Allgemeinen nicht mehr allzu viel, was daraus geworden ist. Doch es gibt einen Bericht über das Schicksal der Anträge, den die ABDA im Juni vorlegt. So auch in diesem Jahr. Unser Redakteur Dr. Thomas Müller-Bohn hat sich den Bericht angesehen. Sein Fazit: Der Rückblick auf diese Anträge macht deutlich, dass noch viel zu tun bleibt, z. B. auch beim aktuellen Thema Digitalisierung. Mein liebes Tagebuch, die Anträge sind also noch lange nicht abgearbeitet, die Themen sind komplex, betreffen z. T. auch laufende Gesetzgebungsverfahren oder Projekte wie das E-Rezept, die derzeit noch in der Entwicklung sind. Da könnte man vermuten, dass es unserer ABDA gerade recht ist, wenn in diesem Jahr der Deutsche Apotheker coronabedingt ausfällt und keine neuen Anträge hinzukommen. Aber nein, keine Sorge, auch wenn es keine neuen Anträge gibt: Die brennenden Themen finden alleine ihren Weg ins Apothekerhaus. Und da stellt sich erneut die Frage: Ist es wirklich richtig, in diesem Jahr den Apothekertag ersatzlos ausfallen zu lassen? Es stehen so viele heiße Themen an wie Digitalisierung, E-Rezept, E-Medikationsplan, pharmazeutische Dienstleitungen, Honorierung und vielem mehr! Also, ehrlich gesagt, mein liebes Tagebuch, wenn ich ABDA wäre, hätte ich ein verdammt schlechtes Gewissen. Denn angesichts guter digitaler Möglichkeiten für Arbeitskongresse ließe sich durchaus ein DAT (Digitaler Apothekertag) auf die Beine stellen. Witzig: Auf der Avoxa-Seite der ABDA steht noch immer: Deutscher Apothekertag, nächster Termin: 07. - 09.10 2020, Veranstaltungsort Messe München… 

23. Juni 2020

Das ist zum Beispiel so ein Digital-Thema, über das wir dringend sprechen müssen: der E-Medikationsplan. Längst überfällig und außerordentlich nützlich für Patienten, Ärzte und Apotheker. Den Medikationsplan auf Papier gibt es zwar, aber er setzt sich nicht wirklich durch – kein Wunder, so ein Medikationsplan kann nur digital wirklich gut funktionieren. Unsere Oberdigitalorganisation, die Gematik, hat sich in einem vor kurzem veröffentlichten Leitfaden auch dazu geäußert, wie der E-Medikationsplan zu verstehen ist und wer da mitmachen darf. Die gute Nachricht: Das pharmazeutische Personal soll den E-Medikationsplan nicht nur aktualisieren, sondern auf Wunsch des Patienten auch erstellen dürfen. Und die schlechte Nachricht: Kein Wort dazu, ob und wie diese pharmazeutische Arbeit honoriert wird. Nun, mein liebes Tagebuch, es ist schon richtig, dass so ein Gematik-Leitfaden nicht der Ort ist, an dem Teile unseres Honorars festgelegt werden. Aber dann muss es deutlich an anderen Stellen stehen, dass die Apotheke für Erstellung und/oder Pflege des E-Medikationsplans honoriert wird. Die Ärzte bekommen ja schließlich schon heute ein Honorar für den Papier-Medikationsplan. Und da sollten im Berliner Apothekerhaus die Alarmglocken klingeln: Es ist höchste Zeit, dass wir unsere Honoraransprüche für den E-Medikationsplan formulieren und anmelden! Derzeit ist im Entwurf des Patientendaten-Schutzgesetzes (PDSG) nur ein Honorar für die Eintragung in die elektronische Patientenakte für uns vorgesehen. Wir warten auf die Ergänzung!

24.Juni 2020

Kammerversammlung in Hessen, live und in Farbe. Ok, so manche Delegierten trauten sich wohl nicht wirklich, in Corona-Zeiten an der Präsenzveranstaltung teilzunehmen, aber die 18 Delegierten, die sich doch einfanden, sorgten für Beschlussfähigkeit. Und sie schickten deutliche Signale nach Berlin ins Apothekerhaus. Kritik übte Kammerpräsidentin Ursula Funke am geplanten ABDA-Haushalt, der 2020 erneut steigen soll, gespeist aus Beitragserhöhungen der Mitglieder und der wirtschaftenden ABDA-Töchter. Ja, die Kostenargumentation der ABDA höre sich zwar schlüssig an, so Funke, aber sie sehe keine Bereitschaft, auch mal über Kosteneinsparungen nachzudenken. Eine Strukturanalyse der ABDA sei daher unbedingt notwendig. Mein liebes Tagebuch, wie wahr! Allerdings wird das erst eine Aufgabe für den oder die nächsten ABDA-Präsident*in. Was in Hessen auch Thema war: Unser Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG), das uns honorierte pharmazeutische Dienstleistungen und ein Rx-Boni-Verbot bringen soll, droht „der Diskontinuität zum Opfer zu fallen“, sprich, es dümpelt dahin, es versickert im Nirwana und wir gehen leer aus. Deshalb entschloss man sich zu einer Resolution: Sollte es europarechtliche Bedenken gegen ein Rx-Boni-Verbot geben, wird der Gesetzgeber aufgefordert, „…die Rückführung des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln auf das europarechtlich gebotene Maß unverzüglich als Gesetzesvorlage in den Deutschen Bundestag einzubringen“. Im Klartext: Wenn es jetzt nicht rasch mit dem Apothekenstärkungsgesetz vorangeht, fordern wir das Rx-Versandverbot. Und noch einen Punkt gab’s auf der hessischen Delegiertenversammlung: Nein, sagte die Kammerpräsidentin Funke, sie wolle bei der Wahl im Herbst nicht als ABDA-Präsidentin antreten. Mein liebes Tagebuch, bisher hat lediglich Gabriele Overwiening ihre Kandidatur bekannt gegeben. Aber bis zum Herbst liegt noch ein Sommer vor uns – und da mögen vielleicht noch der einen oder anderen Person aus Kammer- oder Verbandskreisen, in der Hängematte liegend, heiße Gedanken auf eine Kandidatur kommen.

 

Seit Oktober 2016, seit dem EuGH-Urteil, gibt es die Schieflage im Apothekenmarkt: Ausländische Arzneimittelversender haben gegenüber den deutschen Vor-Ort-Apotheken Preisvorteile – für die EU-Versender gibt es keine Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Das setzt unseren deutschen Apotheken zu, die flächendeckende Versorgung durch Apotheken in Deutschland ist gefährdet. Unsere Forderungen, entweder die Preisbindung für EU-Versender im Sozialrecht einzuführen, hängt vor der EU-Kommission fest. Und die bessere Alternative, ein Rx-Versandverbot, existiert nur in Resolutionen. Eine missliche Lage. So sieht das auch Kai Vogel, Leiter Gesundheit beim Bundesverband der Verbraucherzentrale. Es brauche „endlich eine Entscheidung der Politik, wie es nun weitergehen soll – und damit Klarheit für alle Beteiligten“, sagt er. Planungssicherheit bräuchten an erster Stelle die Apotheker. Wobei Vogel deutlich aber macht, dass ein Rx-Versandverbot für ihn keine zeitgemäße Lösung wäre. Vogel denkt aber natürlich in erster Linie an seine Klientel, die Verbraucher. So findet er, dass die Abschaffung der Patientenzuzahlungen geprüft werden sollte. Das könnte für Patienten auch den Anreiz beseitigen, bei ausländischen Versendern zu bestellen „aufgrund einer erwarteten Verringerung der anfallenden Zuzahlung“. Da ist was dran, mein liebes Tagebuch, fraglich, ob es realistisch ist. Vogel möchte allerdings auch, dass deutsche Apotheken „begrenzte Preisspielräume bekommen, um Benachteiligungen gegen ausländische Versender zu vermeiden. Mein liebes Tagebuch, da wird es allerdings noch fraglicher, denn „Preisspielräume“ bei Rx bedeutet nur eine Richtung: nach unten.

25. Juni 2020

Lieferengpässe sind zwar schon seit Jahren ein Thema, sicher nicht immer in dem Ausmaß wie heute, aber schon seit Jahren durchaus deutlich spürbar für Apotheken und unsere Patienten. So richtig Fahrt aufgenommen hat das Thema allerdings mit der Corona-Krise. Die Krise, die nicht nur die Missstände in den Fleischfabriken offenlegt, sondern auch die Abhängigkeit unserer Arzneimittelproduktion von indischen und chinesischen Arzneistofffabriken. Leider bedarf es manchmal einer Krise, dass drängende Probleme ihren Platz in der Politik bekommen. Lieferengpässe sind so endlich in der Bundespolitik angekommen und nun auch auf der EU-Ebene. Mit Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli 2020 will die ABDA dort ein brennendes Thema auf der Tagesordnung platzieren – den Kampf gegen Lieferengpässe bei lebenswichtigen Arzneimitteln. Im Programm, das das Bundeskabinett für die anstehende Ratspräsidentschaft Deutschlands beschlossen hat, heißt es bereits mit Blick auf Arzneimittel, man sollte „die Handlungs- und Gestaltungskraft der EU im Sinne europäischer Souveränität […] insbesondere in strategischen Bereichen industrieller Produktion in Europa stärken“. Mein liebes Tagebuch, das sind echt Chancen, dass sich da etwas bewegt. Die ABDA plant zum Jahresende 2020 eine Konferenz in Brüssel, die sich ausschließlich dem Kampf gegen Lieferengpässe widmet. Es sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Wirkstoff- und Arzneimittelproduktion unter hohen Umwelt- und Qualitätsstandards wieder verstärkt nach Europa zu holen. Mein liebes Tagebuch, wenn sich da etwas deutlich bewegen würde, dann hätte die Corona-Krise sogar ein kleinwenig etwas Gutes gebracht.

26. Juni 2020

Die Gier der DocMorris-Mutter Zur Rose ist schier grenzenlos. Krakenartig streckt das Unternehmen seine Fangarme aus und übernimmt ein Versandunternehmen nach dem anderen. Die Marktführerschaft in Europa soll ausgebaut werden, heißt es. Kurz vor dem Jahresende 2017 wurden die Eurapon Pharmahandel aus Bremen und die holländische Vitalsana B.V. übernommen. 2018 erst akquirierte Zur Rose dann Medpex, Apo-Rot und die spanische Plattform promofarma. Und nun ist die deutsche Apotal dran: Die Versandapotheke mit Sitz im niedersächsischen Bad Rothenfelde habe 2019 einen Umsatz von 157 Millionen Euro erwirtschaftet, 2018 waren es 145 Millionen Euro, so ist zu lesen. Mit der Akquise gehen laut Pressemitteilung 1,1 Millionen zusätzliche Kunden von Apotal auf die Zur Rose-Gruppe über. Ja, mein liebes Tagebuch, aber was wird da eigentlich übernommen? Für deutsche Apotheken gilt doch das Fremdbesitzverbot, eine deutsche Apotheke darf doch nicht durch Kapitalgesellschaften übernommen werden. Nun, da finden so Konzerne schon Mittel und Wege und zum Teil abenteuerlich wirkende Konstrukte. So übernimmt der Zur-Rose-Konzern im Fall der deutschen Apotal-Versandapotheke lediglich die Versand- und Diabetes-Aktivitäten der Apotal-Gruppe. Aha. Das erinnert an die Übernahme von Eurapon, wo nicht etwa die Versandapotheke selber, sondern „nur“ der Dienstleister Eurapon Pharmahandel übernommen wurde. Also, mein liebes Tagebuch, die Einkaufstour von Zur Rose geht also weiter, mittlerweile soll so die Zahl aktiver Kunden in Deutschland auf über 8 Millionen gestiegen sein. Und wie man vom Zur-Rose-Chef immer wieder hört: Zur Rose mit DocMorris und all den anderen bunten Akquisitionen – sie freuen sich schon riesig auf das E-Rezept.

 

Kurz, knapp und deutlich - also typisch bayrisch – tönt eine Resolution aus Bayern. Die bayerischen Delegierten sind sich zwar einig, man solle das Gesetzgebungsverfahren zum Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG) weiterhin „konstruktiv-kritisch“ begleiten. Sie forderten aber, dass es noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll. Und falls das nicht passiert, „muss schnellstmöglich eine mindestens gleichwertige Alternative wie z.B. die Rückführung des Versandhandels mit Arzneimitteln auf das europarechtlich gebotene Maß verabschiedet werden“. So ist’s recht, mein liebes Tagebuch. Da wird nicht lange gefackelt und drumherum geredet. Da muss endlich was geschehen.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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11 Kommentare

Verwirrung

von Karl Friedrich Müller am 28.06.2020 um 15:45 Uhr

Was mich betrifft: Die Fragezeichen werden immer größer. Ich blicke schlicht nicht mehr durch, was die sogenannte Digitalisierung an geht.
Wir bekommen eine teure TI Struktur aufgezwungen, die theoretisch für Versender gar nicht zugänglich wäre. Spahn will eine Ausnahmeregelung. Uns siehe da: die ist gar nicht nötig, weil KK wie die TK längst mit DocMorris eine Alternative geschaffen haben, die natürlich für die Apotheke vor Ort auch zugänglich sein soll. So lange man sie noch braucht. Überhaupt die vielen Apps, Portale, und deren wechselnde Zusammenarbeit mit Kooperationen, Anbieten... schrecklich. Dazu noch weitere digitale Dinge, mit denen ich nichts anfangen kann und staunend gegenüber stehe.
Die Verwirrung scheint auch das Ziel zu sein. Damit nur wenige teilhaben können. Dabei scheint mir der Kunde vergessen, der vor ähnlichen Problemen stehen muss. Wie einfach ist das Analoge! Arzt-Rezept-Patient-Apotheke-Beratung-Abgabe, auch als Botendienst. Und sicher! Den anderen Quatsch braucht keiner. Es sei denn, Mann will Konzerninteressen bedienen. Und die zunehmende Mangelversorgung kaschieren. Denn für den Kunden ist die Digitalisierung bitter. Fehlender Nachwuchs, auch durch die Sparerei im Gesundheitswesen bedingt wird sich auswirken. Also bekommt man „Telemedizin“, wo nicht wirklich eine korrekte Diagnose erfolgen kann. Und Telepharmazie, wo man vermutlich auch kostenlos jeden beraten soll. Honorar, gar Erhöhen, ist Zeufelszeug. Erhöhen dürfen sich nur Renditen. Dafür ist der Bürger da und wird bei Miete, Gesundheitswesen, Bahn, Post, Verkehr,Energie, bei allem, was unverzichtbar ist, abgezockt. Der Bürger ist nur noch da, die übertriebenen Gewinnvorstellungen des Kapitals zu befriedigen.
Es wird weder beim Fleisch noch im Gesundheitswesen ein Umdenken kommen. Wir haben verstanden. Sprüche, nur Sprüche. Irgendwann funktioniert es nicht mehr. Vielleicht zuerst in den Krankenhäusern, wenn dann Ärzte und Pflege doch ernsthaft den Kanal voll haben, wenn die nächste Welle kommt. Und kündigen.
Viele Kollegen machen weiter wie bisher. Weniger Kunden? Einfach non n Flyer mit noch mehr Rabatt. Hey, es fehlt der Gewinn! Also reduziert man ihn weiter! Blöd, nur blöd.
Aber das Schlimmste für mich ist, wie gesagt, das Zerfranste, Verwirrende. Die Digitalisierung und deren Möglichkeiten sorgen für schlechte Versorgung, überall, weil keiner durchblickt und immer hofft, das richtige zu machen.
Und wir öffnen damit der weltweiten Kriminalität Tür und Tor. Ach ja: und der elenden Bürokratie, die uns auffrisst.
PS: Spahn macht nix und die Politik sowieso nicht. Die haben andere Sorgen LOL

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Verwirrung

von Wolfgang Müller am 28.06.2020 um 16:48 Uhr

Fantastischer, ans Herz und an die Nieren gehender Post! Auf den Punkt. Danke, ausdrücklich auch von meiner Frau, der Ärztin.

Und jetzt denken Sie das mal zu Ende, und auch Herr Ditzel und all die anderen "Entscheider" und potentiellen "Gewinner":

Jeder der sich dolle "jung" fühlt" und mehr als - sagen wir mal - 10 Mitarbeiter hat, und/oder keine Schulden, und/oder in der eigenen Immobilie arbeitet, würde sich jetzt "unternehmerisch" statt "unterlasserisch" (DER Disruptoren-Slogan gerade) aus der Portokasse und mit locker verfügbaren Personal-Ressourcen der endgültigen digitalen und insbesondere auch: preislichen Vernichtung von Kollegen wie Ihnen widmen (ohne jetzt genau zu wissen, wieviele Ressourcen Sie haben, vielleicht sind Sie ja auch "gesafed", wie "Die Jungen" sagen würden). GEGEN die Flächendeckung.

Jau, auch ich mit meinen 12 Angestellten und ansonsten auch eher keinen echten Problemen schäme nicht, notgedrungen immer mehr in diese Richtung denken zu MÜSSEN.

Meine Frau, die Ärztin, sagt dazu schlicht: "Es MUSS anders gehen!" Mit allereinfachsten, traditionell-apothekerlichen, heilberuflichen Ansätzen, die auch den Kunden/Patienten viel wichtiger seien ....

Okay, prinzipiell DERMASSEN gerne. Vielleicht kippt ja auch erstmal die "Meinungsbildung" in diese Richtung. Ich will mir jedenfalls nie mehr von einer naseweisen Kraft anhören müssen: "Ist doch gar nicht schlecht, Herr Müller, da trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen, wer bleibt, und wer verschwindet. Wer sich z. B. "Impfen" personell leisten kann, und wer nicht!"

"Apotheker wollen unbedingt defizitär impfen", nebenbei bemerkt, da geht links neben mir auf dem Sofa ärzteseits das verständnisloseste Donnerwetter los.

AW: Verwirrung

von Karl Friedrich Müller am 28.06.2020 um 21:23 Uhr

@ Wolfgang Müller: so weit sind wir nicht auseinander. Glaube ich. Ich bin 65. könnte sofort in Rente, also „gesaftet“. Es regt mich trotzdem auf. Ich würde gerne noch ein paar Jahre arbeiten, weil es ein schöner Beruf ist, sein könnte. Und ich es gerne mache. Diese Passion erleidet immer wieder Rückschläge durch die Realität (lacht)
Neulich hat ein Kollege in Twitter gemutmaßt, dass die Kommentatoren hier und Apotheke Adhoc die Looser seien, die sowieso kurz vor dem Abgrund stünden.
Es ist halt nicht so. Wir sind eher die Träumer. Und gleichzeitig Realisten. Nur will es keiner hören.

AW: Pharma-Ken und Barbie auf Twitter

von Wolfgang Müller am 28.06.2020 um 22:42 Uhr

So ist es wohl. Nur noch eine Frage, zur guten Nacht: Wo genau tummeln sich solche sympathischen Erfolgs-Typen auf Twitter?

Zugegeben, da haben mich bisher eher die ganz allgemeinen Quatsch-Battles von "The Real Donald" gegen den Rest der Welt, oder auf der anderen politischen Seite gegen Sachen wie "Kinder in Indianerkostümen" und "Alte weiße Männer" ganz im Allgemeinen, weniger im Pharmazeutischen interessiert ... sicher auch ein typisches Loser-Kennzeichen.

Lemming Walk

von Wolfgang Müller am 28.06.2020 um 12:26 Uhr

@ Kollege Ströh

Mensch, da haben Sie für den Lemming-Walk "unserer sich arrangierenden Mehrheit" ja mal besonders schön eine mathematische Grundlage vorbereitet.

Wenn unsere Dumping-Berufspolitik und -Meinungsbildnerschaft mit allem "Besonders Pharmazeutischen und Verschreibungs-Medizinischen" sich nicht ändert, und auch das Dumping und die Rezept-Umsteuerung der Versender nicht rigoros eingehegt werden, sieht es ja mit der "Sich arrangierenden Apotheken-Mehrheit" (SAAM) in den kommenden Jahren wahrscheinlich ungefähr wie folgt aus:

SAAM 2021: 12670
SAAM 2022: 12410
SAAM 2023: 12070
SAAM 2024: 11670
SAAM 2025: 11210
SAAM 2026: 10070
SAAM 2027: 9400
SAAM 2028: 8670
SAAM 2029: 7870
SAAM 2030: 7000

Angenommen wird hierbei:

1. dass immer ca. 2/3 der Betriebe Inhaber haben, die sich in der Hoffnung, zu den mittelfristigen "Gewinnern" zu gehören", ganz zufrieden mit den schwieriger werdenden Umständen "arrangieren", und

2. sich das Apothekensterben aus den sich sowieso schon nicht "arrangierenden" Minderheits-Apotheken heraus um jährlich 100 Läden steigert.

Die dem zugrunde liegende Excel-Tabelle ist denkbar simpel, ich stelle sie gerne jedem zur Verfügung. Man kann dann ja z. B. mit "3/4 statt 2/3" rumspielen, oder die Progression des Apothekensterbens ("100 mehr pro Jahr") je nach Geschmack rausnehmen oder steigern.

Ich halte die von mir getroffenen Annahmen eher für ziemlich optimistisch, denn wir werden irgendwann in 1 - 3 Jahren bestimmt noch massiv sich steigernde disruptive Sondereffekte haben. Wie gesagt, NUR WENN unsere Berufspolitik weiter stoisch allein auf eine rein selbsreferentielle "Famosere Berufsidentität" ausgerichtet pennt. Und jegliches solides Kosten- und Honorarmanagement stur weiter ignoriert, bei allen alten und neuen Leistungen.

Übrigens: 2030 landet das Modell bei 10500 Apotheken insgesamt, also 7000 sich „arrangierende“ und eben 3500 „sich nicht arrangierende“. Da ist das Modell etwas starr, man kann ja durchaus auch annehmen, dass sich dann nicht mehr nur 2/3 „arrangieren, sondern dass da vollkommen neue Art Stabilität eingetreten ist, die zu einer 100-prozentigen „sich arrangierenden“ Zufriedenheit der Inhaber geführt hat. Klar, das kann sowohl ein weiter freiberufliches System mit ca. 2500 Inhabern à ca. 4 Apotheken sein, als auch der Fremdbesitz.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Weiter so...

von Ulrich Ströh am 28.06.2020 um 10:51 Uhr

Kammerversammlungen in Coronazeiten:

Die meisten Teilnehmer arrangieren sich mit den
ungeklärten zukünftigen Rahmenbedingungen für unseren Berufsstand .

Der Mehrzahl der Apotheken geht es aktuell offensichtlich gut.

Niedlich finde ich die alljährlichen Diskussionen in den KVen über Steigerungsraten des ABDA -Haushalts.

Diesbezüglich ändert sich nichts bis 2030...

Und danach auch nicht.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Weiter so ...

von Christian Timme am 28.06.2020 um 11:04 Uhr

FS macht weiter bis 2030 ... falls es noch solange dauert ...

.

von Anita Peter am 28.06.2020 um 8:36 Uhr

„Ich fürchte den Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit überholt. Die Welt wird dann eine Generation
von Idioten sein.“
Albert Einstein

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Avoxa - und die Expopharm....

von Gunnar Müller, Detmold am 28.06.2020 um 8:34 Uhr

Nicht nur „sprachlos“ sondern neuerdings auch noch „ideenlos“??
Wie anders ist der verzweifelt anmutende Aufruf „call for ideas“ per Email von Freitag an mich als Stadtteil-Apotheke sonst zu verstehen ...?!?

Es wird Zeit, dass diese sogenannten „apothekereigenen“ Organisation endlich auch offengelegt werden hinsichtlich IHRES Beitrags zum Haushalt der Konzern-Mutter ABDA und damit hinsichtlich ihres Beitrags zur Unterstützung der Apotheken vor Ort!!

Was meint dazu eigentlich unsere Transparenz-vorgaukelnde Präsidentinnen-Kandidatin ......?

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Avoxa - und die Expopharm ... Über- oder Verstimmt ...

von Christian Timme am 28.06.2020 um 10:50 Uhr

Wenn das Avoxa-Stimmchen sich „schützend“ vor die Mutter wirft ... damit der Teppich keine Welle bekommt ...

AW: Avoxa - und die Expopharm

von Dr.Diefenbach am 28.06.2020 um 16:21 Uhr

Es sei angefügt:Der nächste ABDA Haushalt "lebt" offenkundig durch Ausschüttungen der Töchter,die normal Gewinne erwirtschaften.Wenn das mal wegfällt:und bei weiteren Corona-Phasen,zB Corona 2,gibts nichts mehr:Hat sich mal jemand Gedanken gemacht,WAS das für die Beitragszahlenden Einzelorganisationen heisst?? 1o,20 oder 3o % mehr Geld pro Jahr dafür,dass es in Berlin KEINERLEI Strukturwandel gibt?.Und mal was zur Stimmung:Ein hochintelligenter Nachwuchskollege fragte mich bei unserer DV:Brauchen wir denn überhaupt eine ABDA??Wir stärken,das mal an die Adresse derer,die aufgrund ihrer eigenen devoten Systemhaltung zB unsere Kammerpräsidentin "anmachen",wenn sie sich in einer "Mehrheit" fühlen,den Rücken.;unsere 28 Delegierten halten da radikal zusammen.Die LAUhaltung der Spitze haben wir sowas von satt:Es entscheiden aber Mehrheiten..Insofern bedarf es mühevoller Arbeit,um die o.g Rechenmodelle nicht Wirklichkeit werden zu lassen

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