Die digitale Apotheke (DDA)

Steimle (TK): Die ABDA muss bei Dienstleistungen Gas geben!

Berlin - 18.06.2020, 17:55 Uhr

Tim Steimle von der Techniker Krankenkasse fordert von der ABDA innovative Ideen für die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen. (c / Foto: Techniker Krankenkasse)

Tim Steimle von der Techniker Krankenkasse fordert von der ABDA innovative Ideen für die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen. (c / Foto: Techniker Krankenkasse)


Wie sich die Präsenzapotheken in Deutschland für die Zukunft wappnen können, darüber sprachen die Diskutanten heute bei der Podiumsdiskussion beim Fachkongress „Die digitale Apotheke“. Tim Steimle, Leiter Arzneimittel bei der Techniker Krankenkasse (TK), macht der ABDA mit Blick auf die geplanten neuen pharmazeutischen Dienstleistungen Dampf.

Der Gesundheitssektor vollzieht mit der Digitalisierung einen grundlegenden Wandel. Auch die Präsenzapotheken in Deutschland zwingt das, ihre Rolle zu überdenken: Wie können sie die Umwälzungen für sich nutzen, um sich gegenüber der Konkurrenz aus dem EU-Ausland zu behaupten?

Sven Simons, zuständig für die Digitalisierung der Apotheken bei Noventi, warnte davor, zu sehr auf den klassischen Arzneimittelvertrieb zu setzen. „Die Logistik ist ersetzbar“, sagte er bei der Online-Debatte. „Nicht aber die pharmazeutische Kompetenz der Apothekenmitarbeiter.“ Der Mehrwert der empathischen und persönlichen Beratung sei enorm, betonte Simons. „Man muss es sich aber auch leisten können, diesen Mehrwert zu bieten.“ Der Noventi-Bereichsvorstand wies auf die aktuell „schwierigen politischen Rahmenbedingungen“ hin und forderte die Politik auf, den Apotheken auch wirtschaftlich Luft zu lassen, damit diese ihr pharmazeutisches Know-how ausspielen könnten.

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Beim TK-Arzneimittelchef Tim Steimle rennen die Apotheker offene Türen ein, wenn sie auf ihre pharmazeutischen Fähigkeiten setzen und neue Dienstleistungen entwickeln wollen. Er ließ durchblicken, dass die TK dabei auch das Thema Impfen im Auge hat und in puncto übergreifende Versorgung Lücken schließen möchte. Bekanntermaßen geht die TK bei den neuen pharmazeutischen Dienstleistungen ohnehin vorweg: Sie wartet nicht mehr auf das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG), das seit knapp einem Jahr im Kanzleramt auf Eis liegt, sondern setzt auf Selektivverträge.

Innovationsgeist ist gefragt

Wichtig ist Steimle dabei aber, dass die Apotheken sich nicht bestimmte Dienstleistungen bezahlen lassen, die sie ohnehin schon erbringen, sondern dass sie einen gewissen Innovationsgeist zeigen. „Die größte Herausforderung ist es, mutig zu sein“, sagte der TK-Apotheker. Von der Standesvertretung forderte er Ideen ein. „ABDA und DAV müssen jetzt Gas geben und spannende Leistungen anbieten“, unterstrich Steimle.

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Was die Digitalisierung betrifft, wies die Präsidentin der Apothekerkammer Berlin, Kerstin Kemmritz, auf die verstärkte Nutzung digitaler Angebote der Apotheken durch die Kunden während der Coronakrise hin. „Diese Angebote waren aber alle schon vorher da“, unterstrich sie. Kemmritz plädierte dafür, diesen Weg konsequent weiterzugehen und pharmazeutische Leistungen digital verfügbar zu machen – etwa in Form von telepharmazeutischer Beratung. Dafür sei es aber notwendig, zunächst klare Qualitätstandards festzulegen.

„Ohne menschlichen Kontakt fehlt etwas“

Pro-AvO-Geschäftsführer Peter Menk schloss sich Kemmritz an: Die Telepharmazie könne zum Beispiel für bettlägerige Patienten eine große Hilfe sein. Klar müsse sein, dass das eine das andere nicht vollständig ersetzen werde. „Was die Menschen nicht wollen, ist, sich für einen Weg entscheiden zu müssen.“ Digital und offline dürfen Menk zufolge keine Gegensätze sein, sondern müssen ineinandergreifen. Vielen Menschen sei gar nicht klar, dass sie ihr E-Rezept weiterhin wie gewohnt in „ihrer“ Präsenzapotheke einlösen können. Mit der am gestrigen Mittwoch vorgestellten Plattform will die Initiative Pro AvO, zu der sich der Wort & Bild Verlag, Sanacorp, Gehe, Noventi und BD Rowa zusammengeschlossen haben, den E-Rezept-Strom künftig in die stationären Apotheken in Deutschland lenken und einen Abfluss ins EU-Ausland verhindern. Denn: „Man kann digital viel machen, aber ohne menschlichen Kontakt fehlt etwas.“



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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4 Kommentare

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von Anita Peter am 19.06.2020 um 6:05 Uhr

Bei pharmazeutischen Dienstleistungen Gas geben?

Lieber Herr Steimle, ich gebe bei den pharmazeutischen Dienstleistungen jeden Tag Gas! Die pharmazeutische Dienstleistung ist für mich unzertrennlich mit der Abgabe von RX verbunden. Anscheinend haben das alle vergessen, weil die Versender reine Logistiker sind! Vllt sollte man die reine Logistik verbieten und den Heilberufler wieder stärken! Ein RXAM ist kein paar Modeschuhe!

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Technische Tücken bei der Dosierung ...

von Christian Timme am 18.06.2020 um 23:00 Uhr

Also sich mit Forderungen an die ABDA zu beschäftigen ist schon der erbrachte Beweis einer nicht existenten Abschlussbescheinigung einer Sonderschule. Ich könnte das jetzt weiter ausführen, bin aber nach direkter Aufforderung gerne dazu bereit ... Herr Steimle ...

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Vorlage nötig

von Reinhard Rodiger am 18.06.2020 um 22:05 Uhr

Spannende Leistungen anzubieten und dann um jeden cent zu feilschen und letztlich nichts bezahlt zu bekommen, schliesst sich irgendwie aus. Selektivverträge sind "Divide et impera-Verträge". Alte KK-Praxis. "wir haben da einen,. der macht es billiger" Es gibt einfachere Arten, wirtschaftlichen Selbstmord zu begehen.Weltweit ist das Kernproblem die Zahlungsunsicherheit für Leistungen und das Aushungern direkter Kontakte..Stattdessen:

Innovativ wäre:
1) jede Art von Wegelagerei und Beutelschneiderei wird aufgegeben
2)Es gilt Partnerschaft und wechselseitiges Interesse an Win-Win-Situationen.
3)Aufgabe kontraproduktiver Initiativen mit bewusster Schadwirkung auf Vertragspartner

Es gehört in der Tat Mut dazu, Voraussetzungen zu schaffen, die die Forderung nach innovativen Leistungen rechtfertigen und KK-Absichten neue Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Letztlich geht es darum, anzuerkennen, dass Leistung nicht zum Nulltarif zu haben ist und eine gemeinsame Sicht des Weges notwendig wird.Bislang ist das - besonders deutlich durch Positionspapiere der Zentralen- nicht der Fall.

Wenn also zwei innovativ werden sollen, muss der in Vorlage gehen, der den anderen behindert.



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Selektivverträge - der Kern der Sache

von ratatosk am 18.06.2020 um 18:27 Uhr

Teile und herrsche ! altes Vernichtungsrezept von den Römern bis zum englischen Kolonialreich !.
Wer auf die Worthülsen zur Verschleierung ihrer Absichten der TK reinfällt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Die TK als reiner Geldverwalter der Mitglieder ist jedoch noch mehr ersetzbar ! Buchhaltung kann auch Indien, der Rest ist nur Geldverschwendung.

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