Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

07.06.2020, 07:55 Uhr

Die Apothekenzahlen sinken weiter – wo soll das hinführen? (Foto: Andi Dalferth)

Die Apothekenzahlen sinken weiter – wo soll das hinführen? (Foto: Andi Dalferth)


3. Juni 2020 

Unser geliebter Apotheken-Notdienst! Mal unter uns, mein liebes Tagebuch: Für nicht wenige von uns Apothekers ist Apotheken-Notdienst ein Reizwort. Ein bisschen so etwas wie ein notwendiges Übel. Ja, wir müssen ihn machen, er gehört einfach zu unserem Beruf, zum Leben der Offizinapothekerin und des Offizinapothekers. Aber so richtig geliebt wird er selten. Dabei schätzen ihn unsere lieben Kundinnen und Kunden durchaus. Laut einer Umfrage, durchgeführt im Auftrag des Wort & Bild Verlags anlässlich des Tags der Apotheke (7. Juni), halten 85 Prozent der Deutschen den Apotheken-Notdienst für sehr wichtig, um im Notfall dringend benötigte Medikamente zu erhalten. Und ebenso viele schätzen es, dass sie im Apotheken-Notdienst immer mit dem pharmazeutischen Rat einer Apothekerin, eines Apothekers rechnen können. Wie schön und schmeichelnd für uns Apothekers, mein liebes Tagebuch, dass die Bevölkerung diesen unseren Dienst so schätzt. Und warum sind nicht wenige von uns trotzdem nicht so recht glücklich mit diesem Dienst? Vielleicht, weil dieser „Not“dienst eher als verlängerte Apothekenöffnungszeit gesehen wird? Weil die Notdienstgebühr zu niedrig ist? Mein liebes Tagebuch, vielleicht hilft das: Sehen wir diesen Dienst als Imageförderung für unsere Vor-Ort-Apotheken – die Versender in Holland sind da außen vor. Und für unsere Mühen gibt ja auch noch ein kleines Zubrot aus dem Not- und Nachtdienstfonds.

 

Mehr als zwei Monate lang Corona-Themen rauf und runter. Aber gab’s da nicht noch andere Probleme und Konflikte in unserer Gesundheits- und Berufspolitik? Na klar, da war doch noch was! Richtig! Es nennt sich Rx-Versandverbot, es nennt sich Rx-Boni-Verbot, es nennt sich Gleichpreisigkeit – dieser Konflikt liegt nach wie vor in Brüssel auf Eis und ist noch ungelöst. Wir erinnern uns: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will kein Rx-Versandverbot, statt dessen ein Rx-Boni-Verbot für GKV-Versicherte. Ob das machbar ist? Da gibt’s juristische Zweifel. Eine Lösung des Konflikts gibt’s noch nicht. Jetzt machen CSU-Gesundheitsexperten Emmi Zeuler und Wolfgang Stefinger Druck. Sie stellen die Leistungen der Vor-Ort-Apotheken in der Corona-Krise heraus und setzen sich für ein Rx-Versandverbot ein. Die beiden glauben nicht, dass eine Klage gegen das Rx-Versandverbot vor Gericht eine Chance hätte. Und auch Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, meldet sich erneut zu Wort: Sie kann sich durchaus eine erneute Diskussion um ein Rx-Versandverbot vorstellen. Und wie sieht’s die ABDA? Ihr Präsident Friedemann Schmidt will natürlich auch, dass das Vor-Ort-Stärkungsgesetz endlich im Parlament behandelt wird. Aber auch er weiß nicht, wann und wie es weitergeht. Den Druck, der von den Unionspolitikern aufs Bundesgesundheitsministerium ausgeübt wird, interpretiert Schmidt dahingehend, dass nun endlich gehandelt werden und die Hängepartie zu Ende gehen soll. An erster Stelle stehe die ABDA, so Schmidt, zu Spahns geplantem Gesetz, also zum Rx-Boni-Verbot. Schmidt: „Wir unterstützen mit voller Kraft das Apotheken-Stärkungsgesetz.“ Die „einzig denkbare Alternative“ dazu wäre das Rx-Versandverbot. Also, mein liebes Tagebuch, alles nichts Neues, alles wie gehabt. Was uns bleibt: Wir trinken noch eine Tasse Tee und warten einfach ab, ob und wann sich was tut. Traurig, oder?



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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9 Kommentare

Wo bitte ist hier der Ausgang

von Bernd Jas am 07.06.2020 um 19:34 Uhr

Schön dass es noch positive Nachrichten gibt.
6 Prozentpunkte mehr Vertrauen in der Bevölkerung seit dem letzten Jahr. Hurrraaa! Sonst nix.
Dafür aber knapp sechs Prozent weniger Umsatzrendite in den letzten Jahren. Weniger als nix.
Wo ist die weitere Unterstützung für Herrn Bühler der seit der Nebelkerze (mit 400000 Unterschriften) im Petitionsausschuss wieder völlig von der Bildfläche verschwunden ist. Beschämend viel nix.
Jetzt schon wieder mit der MwSt-Absenkung ein Schlag in die Magengeschwüre. Auch weniger als nix.
Securpharm; außer Ärger und Kosten nix.
Corona; wir stemmen das,.... ja` ; außer Ärger und kosten nix.
Antiquierter Kassenabschlag; weniger als nix
Eben so antiquiertes Inkasso des Zuzahlungsinkasso; außer Ärger und Kosten nix.
Kuschelkurs mit der Regierung; sonst nix.
Usw. ... nix.

Tag der (letzten) Apotheke kommt auch noch; sonst nix.

Das wird nix.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Wo bitte ist hier der Ausgang

von Karl Friedrich Müller am 07.06.2020 um 19:44 Uhr

super :-))
Wir sind doch Helden...... ist das nix (LOL)
vielleicht wird noch geklatscht....
Die Versender tun es, vor Freude...
Corona war und ist sauteuer
und wir bekommen nur weitere Bürokratie
und vermutlich bleibt auch bei der Standeszertretung alles beim Alten - also auch nix -

Bleischwer ist inzwischen alles. Undurchsichtig, zerfahren. Die Digitalisierung fördert das. Das niemand mehr durchblickt - nur die Absahner.

Digitalisierung ist ein Fehler

von Dr. Radman am 07.06.2020 um 12:09 Uhr

Unsere Abhängigkeit von der Digitalisierung ist genauso ein Fehler wie unsere Abhängigkeit von Ausgangsstoffen und Fertigprodukte aus China und Indien. Es muss für die Apotheke Vorort eine Möglichkeit geschaffen werden, die die Apotheke ermöglicht völlig unabhängig von eRezept und SecurePharm, die Patienten versorgen zu können. Laut BMG-Plan soll ja ab 2021 nur noch eRezepte geben.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Digitalisierung ist ein Fehler ...

von Christian Timme am 07.06.2020 um 13:16 Uhr

Wir könnten natürlich auch noch das analoge "lesen, schreiben und rechnen" abschaffen solange die Smartwatch auf Zuruf diese Dinge erledigt ... der Strom kommt ja automatisch aus der Steckdose ... wir schaffen das ...

gut gemeint

von Karl Friedrich Müller am 07.06.2020 um 9:20 Uhr

- vielleicht - ich noch nicht gut gemacht.
die Amateure und Dilettantenstadel in Berlin hat mal wieder versucht, sich zu profilieren mit Maßnahmen, die gut klingen, aber keineswegs das bringen, was sie sollen.
Die Mwst Änderungen werden in vielen Branchen mehr Ärger bringen, Aufwand. Entlastet werden mitnichten die Armen. Denn, wer wenig ausgeben kann, spart wenig. So kommt die Autoprämie oder für andere teure Dinge durch die Hintertür, auch wenn die Branche jammert (BWW nicht, die sehen das auch so).
Also: Schöner Schein und Propaganda auf Kosten der Bürger. Alles wie immer.
Durch den weiteren Anstieg von OTC im Versand steigt unsere Abhängigkeit von Rx, von Ulla und allen anderen Gesundheitsministern gewollt, um uns den garaus zu machen. (warum eigentlich? Sollte man nicht spätestens jetzt gemerkt haben, wie wichtig wir sind?)
Spahn engelszüngiges Gesülze ist nicht zu trauen. Auch in der Pflege werden nun Versprechungen eingedampft. Wort wird nicht gehalten. Das wird auch uns passieren. Digitalisierung und E-Rezept zur Freude des Versands. Mal sehen, was von uns übrig bleibt.
Hätte man uns OTC gelassen, oder wenigstens die Preise fest gelassen, hätten wir sehr viel weniger Probleme. Da wäre der Versand schon endgültig Pleite, auch wenn unsere Gericht mal Recht sprechen würden und nicht einseitig Kassen und Versand bevorzugen würden. Da könnten wir uns sogar diese schwache ABDA leisten....
Verdienen werden halt auch noch die Datenkraken. Unsere Datensicherer dringen mit ihren Mahnungen nicht durch. Da werden halt lieber mal ein paar Lehrer abgestraft für die Onlineschule....
Auch alles wie immer.....
Was für eine elende Kacke die Abhängigleit von der Digitalisierung ist, zeigt das Desaster der Apo Bank und das Problem mit den Konnektoren, das 80.000 Arztpraxen lahm gelegt haben soll,
Tolle Zukunft.... in der nix funktioniert....

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Notdienst durch Präsenzapotheken

von Ulrich Ströh am 07.06.2020 um 9:15 Uhr

Arzneimittelversorgung durch Präsenzapotheken kann sich nicht an Uhrzeiten oder Sonnenuntergänge halten dürfen.

Notfall hin oder her!

Wer als plötzlich Betroffener nachts für sein Kind mehr als 40 Kilometer zur Notdienstapotheke fahren soll,der bildet sich seine eigene Meinung...

Da werden Landapotheken in der Pflicht bleiben müssen.

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AW: Notdienst durch Präsenzapotheken

von Anita Peter am 07.06.2020 um 9:24 Uhr

Politik und Versand fahren die Vor Ort Apotheken gegen die Wand. Die haben wenig Interesse an der Mutter mit ihrem kranken Kind.

Rückzugspräsident mit Zukunftsgeschenken ...

von Christian Timme am 07.06.2020 um 8:39 Uhr

Großzügigkeiten gehen zum Ende immer noch am besten von der Hand ... außer nur Testamentsfragmente zu hinterlassen und die verbleibenden Monate noch zu nutzen ... wird die bereits "höchstpersönlich verunstaltete Apothekenlandschaft" zum Abzug noch mit Tretminen garniert. Man möchte ja in "guter Erinnerung" bleiben ...

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.

von Anita Peter am 07.06.2020 um 8:15 Uhr

Eigentlich gehört der Kassenabschlag komplett abgeschafft. Aber als Unterstützung für die Apotheken gehört er zumindindest für die Zeit der USt Absenkung bis Ende des Jahres eingefroren.

Aber bei unserer erfolglosen Standesvertretung ( lässt sie sich jetzt wohl durch eine Unternehmenberatung bestätigen ) brauchen wir auf solche Dinge nicht hoffen.

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