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Sonnencreme und Babyhaut: Warum weniger mehr ist

Stuttgart - 05.06.2020, 09:00 Uhr

Schatten, Kleidung, Sonnencreme – in dieser Reihenfolge sollten (nicht nur) Kleinkinder vor der Sonne geschützt werden. Kann man Sonnencreme für Kinder unter einem Jahr in der Apotheke also überhaupt empfehlen? (c / Foto: troyanphoto / stock.adobe.com)

Schatten, Kleidung, Sonnencreme – in dieser Reihenfolge sollten (nicht nur) Kleinkinder vor der Sonne geschützt werden. Kann man Sonnencreme für Kinder unter einem Jahr in der Apotheke also überhaupt empfehlen? (c / Foto: troyanphoto / stock.adobe.com)


Besonderheiten der Babyhaut

Die DAZ 38/2018 hat sich zwar nicht mit Sonnenschutz auseinandergesetzt, aber mit „evidenzbasierten Empfehlungen zur Pflege der Babyhaut“. Dort kann man nachlesen, dass die Haut eines reifen Neugeborenen mit der Haut eines Erwachsenen anatomisch zwar vergleichbar ist, der Durchmesser der Dicke der Epidermis (Oberhaut) und des Stratum corneum (Hornschicht, oberste Schicht der Epidermis) durch die Proliferation des Stratum basale aber erst innerhalb der ersten sechs bis acht Lebenswochen zunimmt und erst dann die Dicke der Erwachsenenhaut erreicht. Zudem sei die dermoepidermale Vernetzung noch unvollständig, die Haut also mechanisch instabil. So könne sie durch Scherkräfte wie festes Abrubbeln mit einem Handtuch leicht verletzt werden. Erst innerhalb der ersten Lebensmonate bilde die Epidermis Fortsätze, die bis in die Dermis (Lederhaut) hineinreichen. Eine weitere Festigung entstehe durch die Bildung dicker, dicht und in Bündeln gepackter Kollagen-Typ-I-Fasern. Durch die Reifung großer Elastin-Fasern verbessere sich auch die Gewebeelastizität. 

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Evidenzbasierte Empfehlungen zur Pflege der Babyhaut

Hochempfindlich

Auch die postnatale, epidermale Lipidbarriere bildet sich laut DAZ 38/2018 erst innerhalb des ersten Lebensjahrs aus. Bis dahin sei der Wasserverlust erhöht. Zudem sollen Talgdrüsen noch keine Sebum-Lipide bilden, die noch unreife Hautbarriere ermögliche die transkutane Resorption potenziell gefährlicher Stoffe, heißt es weiter. Dazu passt auch die Empfehlung der BZgA: 


Verwenden Sie nur speziell für Kinder geeignete Sonnenschutzmittel. Cremes und Lotionen trocknen die Kinderhaut weniger aus als zum Beispiel Gele.“ 

BZgA


Was in den heißen Sommermonaten ebenfalls relevant ist: Auch die Fähigkeit zur Thermoregulation ist bei Säuglingen mangelhaft. Laut Kinder- & Jugendärzte im Netz besteht vor allem bei Kindern die Gefahr eines Sonnenstichs oder einer Hitzeerschöpfung. Schon bei kleineren Verbrennungen bestehe immer die Gefahr, dass Bakterien eindringen: „Kinder, die größere Flächen schmerzhaft geröteter Haut mit Fieber haben, müssen unbedingt zum Kinder- und Jugendarzt.“ 

Hinsichtlich der Empfindlichkeit gegenüber der Sonne gibt es laut einer Broschüre des Bundesamts für Strahlenschutz außerdem noch zu beachten, dass bei Kindern die Ausbuchtungen der Lederhaut (Papillen) weiter in die Oberhaut hineinragen. Die UV-Strahlung dringt also tiefer in die Haut ein und kann die Hautstammzellen schädigen. 



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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