Jour fixe Lieferengpässe

BfArM: Engpässe bei Arzneimitteln, Entspannung bei Schutzausrüstung

Stuttgart - 22.05.2020, 17:14 Uhr

Die Jour-fixe-Teilnehmer beobachten Entspannung bei Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln, dennoch persistieren nach wie vor Engpässe bei Arzneimitteln. Durch den Start des OP-Betriebs könnte der Arzneimittelbedarf zudem steigen. (x/Foto: imago images / Bildgehege)

Die Jour-fixe-Teilnehmer beobachten Entspannung bei Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln, dennoch persistieren nach wie vor Engpässe bei Arzneimitteln. Durch den Start des OP-Betriebs könnte der Arzneimittelbedarf zudem steigen. (x/Foto: imago images / Bildgehege)


Welche Wirkstoffe sind knapp?

Elf Rückmeldungen erhielt das BfArM auch zu Anfragen bei den pharmazeutischen Unternehmen. Diese waren seit Beginn der Coronakrise angehalten, Arzneimittel, die aufgrund formaler Mängel vernichtet werden sollten, zunächst nicht zu vernichten, damit bei tatsächlichen Versorgungsengpässen notfalls auf die Präparate zurückgegriffen werden kann. Dem BfArM wurden 59 Arzneimittel (zehn verschiedene Wirkstoffe) gemeldet, von denen 17 einen Wirkstoff der ICU-Wirkstoffliste enthielten. In Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung wird entschieden, ob einzelne Arzneimittel für den Verkehr freigegeben werden.

Bestehende und sich abzeichnende relevante Engpässe

Im Fokus stehen weiterhin insbesondere Wirkstoffe, die in der intensivmedizinischen Versorgung benötigt werden. Eine eigens eingerichtete Taskforce hatte eine Liste mit etwa 20 Wirkstoffen dazu erstellt. Unter anderem fallen Propofol, Midazolam, Morphin, Meropenem, Norepinephrin und Atemkalk darunter. Einzelne Kliniken haben zur Überbrückung von Lieferengpässen, vorzugsweise für den eigenen Bedarf, die Eigenherstellung für Arzneimittel mit verschiedenen Wirkstoffen aufgenommen. Auch das UKE Hamburg will Arzneimittel für Coronapatienten selbst herstellen.

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Allerdings eignen sich nicht alle Wirkstoffe in gleichem Maß für die Eigenherstellung in Krankenhäusern. Propofol ist beispielsweise aufgrund der Lipidfromulierung als Emulsion ein eher schwieriger Kandidat. Hingegen sind Clonidin, Midazolam, Fentanyl und Sufentanil geeigneter. Laut Jour-fixe-Protokoll betonten alle Teilnehmer, dass die Eigenherstellung durch Klinken nur als ad hoc-Maßnahme zu verstehen ist und eine ordnungsgemäße Versorgung mit Fertigarzneimitteln der Regelfall sein muss.

Entwarnung gibt es auch für Epirubicin und Doxorubicin in der Tumorversrogung. Durch GMP-Zertifizierung einer Herstellungsstätte in Deutschland werde sich nach aktuellem Stand die Versorgungssituation  in der nächsten Zeit wieder deutlich verbessern.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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