Studie: Antidepressivum gegen Corona

Hilft Fluvoxamin bei COVID-19?

Stuttgart - 20.05.2020, 07:00 Uhr

In den USA wird Fluvoxamin bei COVID-19 untersucht. Das SSRI könnte über regulierende Effekte auf Interleukin-6 einen Zytokinsturm bei Corona abmildern. (Foto: Andrey Popov / stock.adpe.com)

In den USA wird Fluvoxamin bei COVID-19 untersucht. Das SSRI könnte über regulierende Effekte auf Interleukin-6 einen Zytokinsturm bei Corona abmildern. (Foto: Andrey Popov / stock.adpe.com)


Fluvoxamin beeinflusst Interleukin-6

Einen Zusammenhang zwischen Depressionen, Zytokinen wie Interleukin-6 (IL-6) und Fluvoxamin wurde in früheren Arbeiten bereits untersucht: Wissenschaftlern eines 2017 in „Neuropsychiatric Disease and Treatment" erschienen Beitrages („Influence of fluvoxamine on plasma interleukin-6 or clinical improvement in patients with major depressive disorder“) zufolge mehren sich die Beweise, dass Zytokine an der Pathophysiologie der Depression beteiligt sind und es bei Depressiven zu einer erhöhten Produktion von Entzündungszytokinen, zum Beispiel Interleukin-1β, TNF-α und IL-6, kommt. Die Forscher untersuchten den Einfluss von Fluvoxamin auf Plasma-IL-6-Spiegel und die Besserung einer Major Depression. Ihr Fazit: „Die Wirkung von Fluvoxamin auf IL-6 ist teilweise mit seiner klinischen Wirksamkeit bei Major Depression Disorder assoziiert.“ 

Dass sich antidepressive Therapien auf Zytokinlevel auswirken können, fand 2011 bereits eine andere Forschergruppe, die ihre Ergebnisse unter „The effect of antidepressant medication treatment on serum levels of inflammatory cytokines: a meta-analysis“ in „Neuropsychopharmacology" publizierte.

Fluvoxamin placebokontrolliert bei COVID-19

In der nun beginnenden klinischen Studie zu Fluvoxamin gegen COVID-19-assoziierte Zytokinstürme untersucht die Washington University of Medicine das SSRI placebokontrolliert mit 152 Patienten mit COVID-19. Die Patienten isolieren sich zuhause selbst, werden fernüberwacht, berichten über ihre Vitalparameter und interagieren mit dem Studienteam per Telefon oder online. Um ihre Vitalparameter bestimmen zu können, erhalten die Studienteilnehmer Thermometer, Sauerstoffsensoren für die Fingerspitzen und automatische Blutdruckmessgeräte. „Wir hoffen, dass wir Patienten, denen es gut genug geht, um zu Hause zu sein, Fluvoxamin verabreichen und so verhindern können, dass sie kränker werden und ins Krankenhaus gehen müssen", sagte Dr. Caline Mattar, Co-Forscherin der Abteilung für Infektionskrankheiten der Universität Washington. Selbst wenn sich Fluvoxamin als unwirksam in der Behandlung von COVID-19 zeigen sollte, würden die Studienpatienten durch die engmaschige Überwachung durch die Studienärzte von der Untersuchung profitieren, so Mattar.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

SSRI

von Dr Schweikert-Wehner am 21.05.2020 um 6:45 Uhr

SSRI hemmen die Thrombozytenaggregation. Deshalb hätte Fuvoxamin auch einen günstigen Einfluss auf den Erkrankungsverlauf.

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