Coronavirus

Masken: Chaotischer Markt mit schwankenden Preisen

Berlin - 04.05.2020, 13:30 Uhr

Nach dem absoluten Ausverkauf zu Beginn der Coronakrise bei Atemschutzmasken aller Art gibt es jetzt wieder Mund-Nasen-Schutzmasken. Allerdings hat sich der Markt chaotisch entwickelt, auch die Preise sind stark volatil. (b/Foto: imago images / Hofer)

Nach dem absoluten Ausverkauf zu Beginn der Coronakrise bei Atemschutzmasken aller Art gibt es jetzt wieder Mund-Nasen-Schutzmasken. Allerdings hat sich der Markt chaotisch entwickelt, auch die Preise sind stark volatil. (b/Foto: imago images / Hofer)


Seitdem in Deutschland in allen Bundesländern eine Maskenpflicht gilt, ist die Nachfrage nach Atemschutzmasken aller Art explosionsartig gestiegen – auch in den Apotheken. Immerhin: Während die Großhändler zu Beginn der Coronakrise gar keine Masken mehr nachbestellen konnten, hat sich die Liefersituation nun verbessert. Eine Nachfrage von DAZ.online bei einigen großen Grossisten zeigt allerdings ein chaotisches Bild: Über den „normalen“ Bestellweg, der mit Pharmazentralnummern verbunden ist, gehen immer weniger Masken in den Handel, es hat sich ein Graumarkt entwickelt. Zudem sind die Preise offenbar stark schwankend.

Der Markt der Atemschutzmasken unterliegt schon seit Wochen starken Schwankungen. Als sich das Coronavirus Mitte Februar so langsam auch außerhalb Chinas ausbreitete, begann in den Apotheken das Chaos: Innerhalb weniger Tage waren in vielen Apotheken die Bestände ausverkauft – ganz egal, ob es sich um OP-Masken oder Filtermasken handelte. Auch eine Nachfrage von DAZ.online bei den Großhändlern am 18. Februar zeigte: Auf den internationalen Märkten war quasi nichts mehr zu bekommen, weil die zumeist in Asien hergestellten Produkte in erster Linie nach China gingen, wo sie in den Krankenhäusern gebraucht wurden.

Eine Auswertung des Marktforschungsunternehmens Insight Health zeigt, wie sich der Markt in den vergangenen Wochen entwickelte. Nach der oben beschriebenen ersten Kaufwelle sank der Absatz von Atemschutzmasken in den Apotheken in der 10. Kalenderwoche stark ab. In den folgenden Wochen erholte sich das Geschäft dann. Doch schon kurz vor der Einführung der Maskenpflicht in den Bundesländern explodierte der Absatz. Alleine zwischen der 15. Und 16. Kalenderwoche verzehnfachten sich die Verkäufe fast, in der 17. Kalenderwoche gab es dann eine weitere Steigerung von mehr als 100 Prozent. Allerdings: In dieser Grafik sind nur die Masken-Absätze eingearbeitet, die über „offizielle“ Marktkanäle getätigt wurden, bei denen die Apotheker also mit einer PZN eingekauft und wieder verkauft haben. Da sich die Pharmazeuten in den vergangenen Wochen diverse alternative und neue Händler – zumeist für OP-Masken – selbst gesucht haben, dürfte die tatsächlich abgegebene Zahl der Masken weitaus höher liegen.

Großhändler: Viele neue Anbieter mit nicht gelisteten Produkten

Das belegt auch eine weitere Umfrage von DAZ.online bei einigen Großhändlern. Ein Sprecher der Alliance Healthcare Deutschland erklärte, dass der Markt inzwischen von Anbietern geschwemmt werde, die ihre Produkte nicht bei der IFA (Informationsstelle für Arzneispezialitäten) gelistet haben. Somit gibt es für diese Produkte auch keine PZN. 

Eine Noweda-Sprecherin spricht von „vielen neuen Anbietern“, die im Markt aktiv seien. Immerhin: Wegen dieser neuen Anbieter sei die Genossenschaft in allen drei Kategorien (OP-Masken, FFP2 und FFP3) lieferfähig. „Eine große Herausforderung besteht jedoch darin, die Angebote auf ihre Seriosität hin zu sichten. Bei Noweda entsteht aufgrund der großen Menge der eingehenden Angebote entsprechend viel Aufwand für die detaillierte Prüfung der angebotenen Ware“, ergänzt die Sprecherin.

Auch bei der Noweda gebe es derzeit viele Produkte ohne eine über die IFA gemeldete PZN“. Der Markt sei aufgrund vieler neuer Anbieter „insgesamt unübersichtlicher“ geworden. Die Genossenschaft vergibt daher interne Artikelnummern für die neuen Produkte und informiert Mitglieder und Kunden entsprechend.

Preise: Von deutlich erhöht bis starker Preisverfall

Der Stuttgarter Großhändler Gehe teilte schon in der vergangenen Woche mit, dass die Nachfrage weiterhin hoch sei. Und weiter: „Auch wenn wir unsere Bestände aufgestockt haben, übersteigt die Nachfrage auch aktuell noch das Angebot. Daher sind wir in dieser Produktgruppe zum jetzigen Zeitpunkt nur teilweise lieferfähig, da die verfügbare Ware schnell wieder ausverkauft ist“, so eine Sprecherin von Gehe. Auch bei Phoenix sei die Nachfrage „deutlich größer als das verfügbare Angebot“, erklärt ein Sprecher. „Wir versuchen mit kontinuierlichen Lieferungen, die Nachfrage unserer Apotheken-Kunden mit den zur Verfügung stehenden Mengen zu decken“, so der Konzernsprecher.

AEP-Chef Jens Graefe bestätigte gegenüber DAZ.online, dass sich bei allen Maskentypen inzwischen ein Graumarkt gebildet habe, der abseits der „normalen“ Bestellwege funktioniere. Graefe wörtlich: „Normale Masken, von ‚normalen‘ Herstellern mit PZN gibt es derzeit eigentlich gar nicht mehr. Zu Beginn der Krise brach der offizielle Markt komplett zusammen, es war schwer überhaupt noch an Masken zu kommen. Ende März, Anfang April gab es dann langsam wieder Masken aller Art: Es kam die große Lieferungswelle aus China, seitdem hat sich ein absoluter Graumarkt entwickelt. Der Markt ist inzwischen unübersichtlich bis chaotisch, wir sind defekt bei normalen Masken, kriegen über viele Quellen jenseits der normalen Wege über andere Händler aber Masken aller Art.“

Unterschiedliche Preiswelten

Aber wie sieht es bei den Preisen aus? DAZ.online hatte sich vor einigen Tagen bereits im Großhandelslager umgehört und darüber berichtet, dass bei allen drei Maskentypen teils immer noch zu deutlich erhöhten Preisen eingekauft wird – was natürlich zu höheren Preisen für die Endverbraucher in der Apotheke führt. Interessant ist, dass die Großhändler inzwischen offenbar unterschiedliche Preissituationen im Markt vorfinden. Der Phoenix-Sprecher spricht von „deutlich erhöhten Preisen“. Die Gehe beobachtet immerhin noch starke Schwankungen. Einer Sprecherin zufolge seien die Angebote wegen der limitierten Verfügbarkeit teilweise mengenmäßig begrenzt, zuverlässige Aussagen über Preise seien daher nicht möglich.

Klar ist aber: In diesen Tagen strömen immer mehr Atemschutzmasken in den Markt. Einige Vor-Ort-Händler verschenken schon OP-Masken an Kunden, damit diese geschützt und auch ohne eigene Maske die Ladenräume betreten können. Die Preise dürften daher weiter sinken. AEP-Chef Graefe sieht auch schon einen „starken Preisverfall“. „Zu Beginn der Krise stiegen die Preise extrem, jetzt fallen sie ebenso extrem“, so Graefe. Und auch die Noweda-Sprecherin bestätigt: „Nach einer massiven Preissteigerung durch die Lieferanten zu Beginn der Pandemie entwickeln sich die Einkaufspreise derzeit wieder rückläufig.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

chaotischer Markt

von Nachdenker am 05.05.2020 um 8:23 Uhr

Vielleicht sollten wir zur Normalität zurückkehren. In allen Geschäften/Apotheken gibt es Spuckschutz - da braucht man keine Masken! Evtl. im Nahverkehr sind sie noch sinnvoll. Ansonsten sind sie unhygienisch und gesundheitsschädlich! Dazu tragen sie zum "social distancing" bei. Aber vielleicht ist genau das bei der Maskenpflicht gewollt...?

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Chaotischer Markt.

von Roland Mückschel am 04.05.2020 um 14:25 Uhr

Endlich ein freier Markt, zwar chaotisch, aber frei.
Müsste der Politik gefallen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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