Kabinett beschließt PDSG

ABDA: E-Rezept-Pflicht ist für manche Patienten problematisch

Berlin - 01.04.2020, 17:19 Uhr

Ab Januar 2022 soll das E-Rezept auf dem Smartphone der Normalfall sein. ( r / Foto: I Viewfinder /stock.adobe.com)

Ab Januar 2022 soll das E-Rezept auf dem Smartphone der Normalfall sein. ( r / Foto: I Viewfinder /stock.adobe.com)


ABDA begrüßt Regierungsentwurf – sieht aber Nachbesserungsbedarf

Die ABDA begrüßte in einem ersten Statement „das Bestreben der Bundesregierung, die Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen für die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung zu nutzen“. Die Rahmenbedingungen für das E-Rezept müssten im weiteren Gesetzgebungsverfahren aber noch bearbeitet und verbessert werden.

Keine Bedenken hat die ABDA, dass die Apotheken zum Startzeitpunkt 1. Januar 2022 technisch bereit sind. Sie müssten ohnehin noch im laufenden Jahr 2020 an die Telematik-Infrastruktur (TI) angeschlossen werden – selbst bei Corona-bedingten Verzögerungen stehe dafür noch das gesamte Jahr 2021 zur Verfügung. Die ABDA weist aber auch darauf hin, dass die Apotheken das E-Rezept nur einlösen. Das Ausstellen obliege dem Arzt, das Transportieren dem Patienten.

Hingegen hält die ABDA aus Patientensicht die Pflicht zur Nutzung des E-Rezepts ab dem 1. Januar 2022 für problematisch. Gerade für ältere, aber auch viele andere Menschen ohne Smartphone oder Tablet müsse auch weiterhin die Möglichkeit bestehen, das E-Rezept ohne diese technischen Hilfsmittel nutzen zu können, wie zum Beispiel durch das Ausdrucken eines 2D-Matrix-Codes auf Papier und dessen Transport zur Apotheke.

Makelverbot muss noch abgesichert werden

Ausdrücklich begrüßt die ABDA, dass der Regierungsentwurf nunmehr ein Verbot des Handelns mit E-Rezepten vorsieht. Dieses Makelverbot müsse aber auch noch technisch abgesichert werden, um Verstöße gegen dieses Verbot oder dessen Umgehung zu unterbinden. Die ABDA schlägt vor, es mit einem Schnittstellenverbot bis zum Zeitpunkt der Arzneimittelabgabe in der vom Patienten gewählten Apotheke abzusichern. Nach dem Einlösen des E-Rezepts könne der Patient die dann auch vorliegenden Daten über die tatsächlich erhaltenen Medikamente je nach Bedarf abspeichern.

Was die App für den E-Rezept-Zugriff betrifft, so findet diesen die ABDA im Ansatz richtig. Aber sie bleibt der Auffassung, dass man es der Gematik auch leichter machen könnte: Die Zeit für die Entwicklung könnte durch den Rückgriff auf die Web-App des Deutschen Apothekerverbands (DAV) verkürzt werden. Mit dieser Web-App habe man in einem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Modellprojekt in Berlin bereits nachgewiesen, dass solch eine Lösung existiert und zügig einsatzbereit ist, sobald die Gematik ihre technischen Spezifikationen zum Stichtag am 30. Juni 2020 veröffentlicht hat.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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5 Kommentare

Zumutung

von norbert brand am 02.04.2020 um 7:56 Uhr

es ist eine Zumutung, zu verfolgen, wie die global agierende Digitalbranche die Politik für Ihre Zwecke benutzt und quasi jeder Person und Omi, ob sie will oder nicht, die Anschaffung eines Smartphones aufnötigt. In naher Zukunft wird jeder, der kein Smartphone besitzt, lebenslange Ausgangssperre erhalten, da er ja nicht im "Covid-19-Kontakterfassungsprogramm" mitmachen kann.

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E-Rezept-Pflicht schon ab 2022

von Michael Springer am 02.04.2020 um 6:12 Uhr

Spahn macht jetzt den Orban.

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Smartphone auf (e)Rezept ...

von Christian Timme am 02.04.2020 um 1:21 Uhr

... mit neuer Lesebrille, Corona-Bluetooth, SIM, 5 GB und Online-Einweisung durch den Hausarzt. Das ist das neue Senioren-Digital-Mobilisierungspaket von Jens Spahn und Mutti zu Ostern. Mit freundlicher Unterstützung von Ärzten, Apotheken, Optikern, T-Mobile und allen K-Kassen. Frohe Ostern...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Ganz genau

von Karl Friedrich Müller am 01.04.2020 um 20:29 Uhr

Spahn blendet in seinem Fimmel für „Digitalisierung“, E-Rezept und DocMorris die Lebenswirklichkeit vieler oder sogar des größten Teils der Bevölkerung aus.
Das mag nicht jeder und vor allem kann nicht jeder.
Politik wie sie seit vielen Jahren läuft: am Volk, am Bürger vorbei, der überhaupt nicht zählt, nicht wahrgenommen wird. Allein das Kapital, die Eigeninteressen der Politiker zählen. Heuchelei und Anbiederung bei den Wahlen. Das war’s.
Diese Selbstdarsteller müssen endlich weg. Ich hoffe, dass er wegen seiner Unfähigkeit in der Corona Krise stürzt, ganz tief.
Es werden sich schließlich auch noch Türchen auftun, die uns vom E-Rezept abhalten werden, zumindest behindern.
Ich finde das Verhalten schäbig.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Ganz genau

von Karl Friedrich Müller am 01.04.2020 um 20:37 Uhr

Ach ja:
#unverzichtbar sind die „Helden“ der Coronakrise dann doch nicht, Im Gegenteil.
Man wird uns weiter reduzieren, genauso wie Krankenhäuser und Personal. Damit die Rendite bestimmter Leute passt.
Kollateralschäden werden in Kauf genommen. Im Volk. Die Absahner in Kapital und Politik bekommen ja eine bessere Behandlung

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